F1: Schumachers Abschied und das Wunder von Sao Paulo

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Fällt ein zweiter Rücktritt leichter? Es scheint wohl so, glaubt man Schumachers Worten: „Der Abschied von der Formel 1 wird diesmal für mich wahrscheinlich weniger emotional sein als in 2006, weil wir damals noch im WM-Kampf steckten und alles dadurch viel intensiver war“, sagte der 43-Jährige vor dem Grand Prix von Brasilien in Sao Paulo, „diesmal werde ich den Abschied dafür bewusster wahrnehmen und hoffentlich auch genießen können.“

Sao Paulo vor sechs Jahren, da hatte Schumacher sogar noch eine rechnerische Chance auf den Titel. Am kommenden Wochenende wird der siebenmalige Weltmeister froh sein, wenn sein Silberpfeil halbwegs muckenfrei um den Kurs kommt. Obwohl, ganz ehrlich, ich würde ihm zum Abschied einen dritten Rang und einen klitzekleinen Pokal gönnen. Nach 308 Rennen und 3 harten Jahren bei Mercedes wäre ein Podiumsplatz ein versöhnliches Abschiedsgeschenk. Am Sonntag ist also Schluß und wieder einmal endet eine Ära. Die Erfolge blieben aus, selbst Mercedes-Sportchef Norbert Haug zieht ein ernüchterndes Fazit: „Außer einzelner Highlights haben wir nicht das erreicht, was wir uns für diesen Zeitraum vorgenommen haben.“ Gleichzeitig stellte Haug klar, daß es nicht Schumachers Fehler war: „Wenn es sein Auto möglich machte, war Michael top. Ich kann mich bei Michael nur für seine Arbeit und seinen kompromisslosen Einsatz bedanken. Und ich muss mich bei ihm entschuldigen, dass unser Team die technischen Voraussetzungen in den ersten drei Jahren nicht so dargestellt hat, dass er regelmäßig um Podiumsplätze hätten fahren können.“

Im Laufe seiner ersten Karriere hat Schumacher in Sao Paulo vier Grand Prix Siege feiern können. Schumachers Zielvorgabe für sein Abschiedsrennen fällt aber bescheiden aus: Am liebsten wäre mir natürlich, wenn ich mich mit einem schönen Rennen verabschieden könnte. Ich bin sicher, dass wir alle gemeinsam dafür tun werden, was wir können.“ Doch bleiben wir auf dem Boden der Tatsachen. Der große Mann des Formel-1-Sports wird sich bei seine Fare-Well-Runden mit einem Mittelfeldplatz begnügen müssen. Schade, doch alles andere wäre ein Wunder. Und für Wunder ist in Sao Paulo ausschließlich der Herr Alonso zuständig.

Wenn es einen passenden Ort für Wunder gibt, dann ist das Sao Paulo. Am 21. Oktober 2007 ging Kimi Räikkönen mit sieben Punkten Rückstand ins Rennen. Der Finne gewann, strich zehn Punkte ein und wurde mit einem Punkt Vorsprung Weltmeister. Am 2. November 2008 jubelte Ferrari bereits. Nach Überfahren der Ziellinie war Felipe Massa Weltmeister. Doch Sekunden später zog Lewis Hamilton an Timo Glock vorbei. Der Brite wurde Fünfter und sicherte sich den Titel mit einem Punkt Vorsprung. Kann sich das Wunder am 25. November wiederholen?

Vierzehn Punkte muß der Alonso auf Sebastian Vettel aufholen, um seinen dritten WM-Titel feiern zu können. Ist doch klar das die italienische Sportpresse jetzt zum großen Ballyhoo bläst. Tuttosport titelte: „Jetzt hat Red Bull Angst!“ La Gazzetta dello Sport formulierte: „Glaub an dich Ferrari!“ Die italienischen Medien stehen Kopf. Das Fernando Alonso bereits Regentänzer engagiert hat, ist nicht überliefert. Allerdings beschwor der Vettel-Jäger auf seiner Facebookseite: „Warten auf den Regen.“ Denn allen Beteiligten ist klar: Wenn es in Sao Paulo naß wird, dann droht uns ein Rennen mit spektakulären Wendungen. Sebastian Vettel und Red Bull nehmen’s gelassen. Die Devise heiß Angriff und Sieg: „Wir wollen in Brasilien gewinnen“, versicherte Vettel. Vettels Formkurve unterstreicht den Anspruch. Platz Drei in Abu Dhabi, Platz Zwei in Austin. Platz Eins in Sao Paulo wäre jetzt die logische Konsequenz! Sao Paulo ist schließlich Red Bull Land. Webber gewann hier 2009 und 2011. Vettel siegte 2010. Fernando Alonso fehlt diese Erfahrung noch. Der Spanier konnte bisher noch keinen Grand Prix Erfolg in Sao Paulo einfahren.

Lassen wir’s für heute mit der trockenen Theorie. Eins ist allerdings klar: Die letzten 305,909 Kilometer dieser irren Saison werden noch einmal hochspannend!