Carrera Panamericana 1952: Unter Geiern

Guten Morgen aus Düsseldorf!
 
Bevor ich mich in das große Formel-1 Finale stürze, gehts heute einmal 60 Jahre zurück! Wir schreiben das Jahr 1952. Unendliche Weiten, staubige Pisten! Vom 19. bis 25. November war damals ein ganzes Land im Motorsportfieber. Die Rede ist von Mexico, der legendären Carrera Panamericana und jenem Geier, der dem Mercedes-Benz 300 SL von Karl Kling und seinem Beifahrer Hans Klenk beinahe zum Verhängnis wurde.
 
1952 stand die Motorsportabteilung der Daimler-Benz AG in voller Blüte. Mit dem 300 SL fuhr Mercedes die Konkurrenz in Grund und Boden. Doppel-, Dreifach- und Vierfachsiege bei der Mille Miglia, in Bern-Bremgarten, bei den 24 Stunden von Le Mans und auf dem Nürburgring stellten die Überlegenheit des 300 SL eindrucksvoll unter Beweis. Die Gegner der damaligen Zeit hatten das Nachsehen.
Die Saison des Jahres 1952 endete mit einem Paukenschlag. Auf dem Rennkalender stand die 3. Carrera Panamericana, seinerzeit das wahrscheinlich härteste Langstreckenrennen der Welt. Auf dem gerade fertiggestellten Teilstück des Panamericana Highway waren mehr als 3000 Kilometer zurückzulegen. Gestartet wurde in Tuxla an der Grenze zu Guatemala. Ziel war Ciudad Juarez im Norden Mexikos. Acht Tagesetappen, die meisten davon in Höhen von über 2000 Metern, galt es zu meistern. Keine einfache Aufgabe für Mensch und Material. Über 100 Fahrzeuge, die meisten aus US-Amerikanischer Produktion, waren gemeldet. Ein gewisser Bobby Unser fuhr damals mit gerade einmal 18 Jahren sein erstes Langstreckenrennen. Auch Phil Hill zählte mit 25 Jahren noch zu den Nachwuchsfahrern der Carrera Panamericana.

Die Mercedes-Benz Motorsportabteilung bereitete sich auf das letzte Rennen der Saison wieder einmal akribisch vor. Höhentests am Großglockner sollten helfen, die optimale Vergaserabstimmung am 300 SL zu finden. Gleichzeitig optimierten die Mercedes-Benz Renningenieure die Motoreinstellungenen. Die vier für die Panamericana gemeldeten 300 SL Werkswagen wurden auf 180 PS „getunt“, doch nur drei Fahrzeuge sollten das Rennen bestreiten. Ein Wagen lief als rollendes Ersatzteillager im Troß der Begleitfahrzeuge mit. Mercedes betrieb schon damals einen enormen Aufwand, den wir eigentlich erst in der Neuzeit von der berühmten Rallye Dakar kennen. Die Mercedes-Benz Werksfahrer Karl Kling, Hermann Lang und John Fitch nahmen das Straßenrennen in Angriff, jeweils verstärkt mit einen Bordnavigator. Rennleiter Alfred Neubauer gab dem Trio noch ein paar gute Ratschläge mit auf den Weg, als am 19. November 1952 frühmorgens um 7 Uhr das Rennen gestartet wurde. Lang, Kling und Fitch gingen in kurzem Abstand auf die 530 Kilomter lange erste Etappe von Tuxtla nach Oaxaca, als jener Geier ins Rennen eingriff.

Bei einem Tempo von über 200 km/h durchschlug der Vogel die Windschutzscheibe des 300 SL von Kling/Klenk und traf Hans Klenk am Kopf. Der erlitt eine Platzwunde, blutete stark und verlor das Bewußtsein. Was dann geschah, wurde zu einer Legende des Motorsports. Kling, immer noch mit hohem Tempo unterwegs, rüttelte und zerrte an seinem Beifahrer. Klenk erlangte das Bewußtsein zurück und forderte Kling auf einfach weiterzufahren. Kling und Klenk erreicht Oaxaca mit zerstörter Frontscheibe und wurden Dritte der Tageswertung. Mercedes-Techniker tauschen die Scheibe aus und verstärken sie mit senkrecht angebrachten Metallstäben, den legendären Geierfängern.

 

Nach acht rasanten und anstrengenden Etappen erreichten Karl Kling und Hans Klenk am 25. November 1952 in einer Fahrzeit von 18 Stunden, 51 Minuten und 19 Sekunden das Ziel in Ciudad Juarez. Als Zweitplatzierte fuhren Hermann Lang und Erwin Grupp nur 35 Minuten nach den Siegern über die Ziellinie. Mit dem SL-Doppelsieg bei der 3. Carrera Panamericana gelang Mercedes-Benz der wohl wichtigste Erfolg für die Marke in den 1950er-Jahren. Karl Klings und Hans Klenks Originalauto mit den Gitterstäben steht heute im Mercedes-Benz Museum in Stuttgart.

1 Kommentar

  1. Kölner Schumi Fan

    Mannomann, das waren noch Zeiten!

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