F1: Letzte Ausfahrt Sao Paulo

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Für Michael Schumacher neigt sich die Saison ihrem Ende entgegen. Ein Rennen noch, dann hat der Rekordweltmeister fertig. Ade Silberpfeil, ade Formel 1, ade Trostlosigkeit! Doch so ganz will die frischgekürte „Legende des Sports“ die Rennerei nicht an den Nagel hängen. Zumindest dem Race Of Champions wird Michael Schumacher noch ein wenig treu bleiben. Sein RoC-Auftritt in Bangkok vom 14. bis 16. Dezember soll nicht der letzte sein.

Michael Schumacher ist wahrscheinlich froh, wenn am Sonntag endlich Schluß ist mit dem Hinterherfahren. In Austin lief nach starkem Qualifying im Rennen wieder einmal gar nichts. Von Startplatz Fünf auf Rang 16, der Frust sitzt tief beim Rekordweltmeister. Der Silberpfeil war auch in Austin eine Gurke. Schwierigkeiten mit dem ersten Reifensatz zwangen Schumacher zu einer Zweistopp-Strategie. Eine Taktik, mit der beim US Grand Prix kein Blumentopf zu gewinnen war. Michael Schumacher nahms mit Ironie: „Es war mächtig Action um mich herum, allerdings ging die leider in die falsche Richtung. Der erste Satz Reifen war praktisch nicht vorhanden, ich habe keinerlei Grip gefunden; ich denke eigentlich, dass nach dem Qualifying gestern da irgendein Schaden gewesen sein muss. Wir mussten dann die Strategie auf zwei Stopps ändern. Alles in allem war das viel schlechter als erwartet. Da gibt es nichts, was wir schön reden könnten und auch wollten.“

Für Schumacher war es das sechste Rennen in Folge ohne Punkte. Auch Teamkollege Rosberg sah in Texas kein Land. Den Finalkrimi von Sao Paulo wird Mercedes noch in Ehren abwickeln, doch spätestens am kommenden Montag heißt es bei den Silberpfeilen: Vollgas voraus! 2013 kommt und damit Lewis Hamilton. Der Sieger von Austin setzt aber inzwischen erst auf das übernächste Jahr. Denn „…auf das Auto für die kommende Saison habe ich keinen Einfluß gehabt. Weil ich bis Ende Dezember keine Freigabe von McLaren habe und erst im Januar bei Mercedes anfangen kann. Mein Input wird erst für 2014 zum Tragen kommen. Deshalb plane ich mit Mercedes den Erfolg eher langfristig“, sagte Hamilton der Sport Bild.

Bei Ferrari hat man andere Sorgen, 2013 ist noch weit weg. Die Scuderia steckt mitten im Titelkampf und griff am Sonntag ganz tief in die Trickkiste des Regelwerkes. Spätestens nach dem Bruch des Siegels am Getriebe von Felipe Massa war klar: Ferrari kämpft mit allen Tricks! Dagegen waren die Fotos, die Alonso und Massa mit ihren Air Guns zeigten, echter Kinderkram. Mit dem Bruch des Siegels, der Rückstufung Massas und der damit verbundenen Startplatzverbesserung von Alonso betrat Ferrari eine Grauzone. Ein Tabubruch, so grau, das vorher noch kein F1-Team auf die Idee kam, eine solche Startplatzmanipulation anzuwenden. Man darf also gespannt sein, was sich die Scuderia in Sao Paulo einfallen läßt. Ferrari weiß, die 13 Punkte Rückstand auf Vettel sind durchaus einzuholen. Schließlich war es Alonso, der im Jahr 2010 mit 15 Punkten Vorsprung ins WM-Finale ging und es dann doch verlor.

In einer irren Saison mit unzähligen Wendungen ist das letzte Kapitel noch nicht geschrieben. Selbst ein WM-Ausgang zu Ungunsten von Sebastian Vettel erscheint nicht ganz ausgeschlossen. Der Lichtmaschinendefekt an Webbers Auto könnte ein böses Omen sein. Könnte, muß aber nicht! Denn Red Bull und Vettel sind lang genug dabei, um zu wissen wie ein Topteam auf einen solchen Defekt reagiert. „Es gibt genügend Gründe, um zuversichtlich zu sein“, sagte Vettel dem SID und zählte auf: „Das Auto läuft fantastisch, das Team arbeitet gut, und die Strecke in Brasilien liegt uns.“ Und dann ist da ja noch die moralische Unterstützung vom Gottvater der Formel 1. Bernie setzt auf Vettel und ist überzeugt: „Wenn ich wetten müsste, würde ich auf Sebastian setzen“, sagte der Ecclestone dem SID: „Wieviel? So viel sie wollen.“

Trotzdem, die letzte Ausfahrt der F1 in Sao Paulo wird zum Thriller. Garantiert!