Trophée Andros: Prost und Villeneuve heiß auf Eis

Guten Morgen aus Düsseldorf!
Gestern traf ich einige Leute, denen die Langeweile ins Gesicht gemeißelt war. Der Grund: Die Winterpause im Motorsport. Ich dachte, hör ich richtig? Winterpause? Freunde des gepflegten Motorsports hier im Dorf wissen es natürlich besser. Der Motorsport macht heutzutage höchstens noch eine kurze Weihnachtspause. Von Winterpause keine Spur.

Klar, die Formel 1 pausiert und macht sich ein wenig rar in den kommenden Wochen. Aber die Formel 1 ist nur ein Rädchen im Getriebe jenes Sports, der uns alle antreibt, motiviert und unterhält. Deshalb schweife ich heute auch mal ein wenig ab, verlasse Asphalt und Schotter und gehe aufs Eis. Schließlich ist am Wochenende ist nicht nur das Finale der V8 Supercars in Sydney und das Race Of Champions in Düsseldorf. Am kommenden Wochenende startet die legendäre Trophée Andros in ihre 23. Saison. Zwar ist die Trophée Andros eine rein französische Angelegenheit, doch die Idee, mit Silhouettenfahrzeugen auf Eis zu fahren, hat mittlerweile weltweit eine treue Fangemeinde. Das liegt zum einen sicher an den Autos, die auch in diesem Jahr wieder spektakulär daherkommen. Zum anderen liegt der Erfolg aber auch in der attraktiven Mischung aus Rundstreckenpiloten, ehemaligen Formel-1 Weltmeistern und Rallye-Youngstern. Einige bekannte Namen haben der Serie ihren Stempel aufgedrückt. So gewann zum Beispiel ein gewisser Yvan Muller die Trophée Andros zehnmal, bis heute einsamer Rekord! Der aktuelle Titelträger ist Pikes Peak Bezwinger Jean-Philipe Dayrut, der bisher drei Trophäen gewinnen konnte. Dayrut steigt in diesem Jahr vom Einser-BMW in einen Mini um und will seinen Titel natürlich verteidigen.

Der Titelträger hat in der kommenden Saison aber wieder starke Konkurrenz. So gilt der vierfache Formel-1 Weltmeister Alain Prost, zweifacher Gewinner der Trophée Andros, wieder einmal als Favorit. Prost startet in diesem Jahr mit einem brandneu aufgebautem Dacia Lodgy. Die rumänische Renault-Tochter Dacia präsentierte vor wenigen Tagen den neuen Prototypen, der zur Überraschung aller in der Silhouette eines Familien-Van daherkommt. Optisch muß man sich an den Lodgy gewöhnen, technisch ist Alain Prosts Eis-Renner ein Leckerbissen. Das Fahrzeug verfügt über einen 3-Liter-V6 Motor, der ursprünglich im Nissan GT-R verbaut wurde. Das im Heck verbaute 24-Ventil-Triebwerk liefert 350 PS an die Vorder- und Hinterachse. Anspruchsvoll ist die mechanische Vierrad-Lenkung, die die hohe Präzision bei Kurvendrifts erst möglich macht. Der 950 Kilo schwere Allradler ist der Nachfolger des Dacia Duster, mit dem Alain Prost im vergangenen Jahr um die Trophée Andros kämpfte. Renault, Dacia und Prost rührten bei der Präsentation des Wagens entsprechend die Werbetrommel. 

 

Das Who Is Who der Trophée Andros listet auch in diesem Jahr wieder große Namen auf. Neben Alain und Nicholas Prost sind da vor allem Jacques Villeneuve, Franck Lagorce und Olivier Panis, die in den Farben von Skoda France antreten. Skoda France und das ORECA-Team haben der Fabia-Silhouette eine heiße Evolutionsstufe verpasst. Auch im Fabia Glace kommt ein 3-Liter-V6 Motor mit 350 PS zum Einsatz. Allradlenkung, gewaltige Traktion und Continental Ice Racing Einheitsreifen mit 14 Zentimer langen Spikes lassen den Eisrenner volle Breitseite durch die Kurven driften. Selbst auf den kurzen Geraden erreicht der Fabia Glace eine Spitze von 145 Kilometern pro Stunde. Dacia gegen Skoda, Prost gegen Villeneuve, das Duell könnte schon am kommenden Wochenende für mächtig Spannung sorgen.

Bei der Trophée Andros starten aber nicht nur die brachialen Silhouette-Prototypen. Neben einer Motorrad-Wertung tragen auch rein elektische Automobile ihre Rennen aus. Neben Nicolas Prost und Franck Lagorce finden sich in der Meldeliste auch ein gewisser Adrien Tambay und die hübsche Margot Laffite. Tambay? Laffite? Genau, die Kinder der F1-Haudegen Patrick Tambay und Jacques Laffite sind in der Elektroklasse der Trophée Andros am Start. Los gehts also am kommenden Wochenende in Val Thorens, wo auf über 2000 Metern Seehöhe ein 730 Meter langer Rundkurs präpariert wird. Wie das Spektakel ausschaut, könnt ihr hier sehen.

 

Insgesamt stehen sieben Wertungsläufe auf dem Kalender der Trophée Andros.

  • 3./4. Dezember – Val Thorens
  • 9./10. Dezember – Andorra
  • 16./17. Dezember – Alpe d’Huez
  • 6./7. Januar – Isola 2000
  • 13./14. Januar – Lans En Vercors
  • 21. Januar – Saint Die Des Vosges
  • 28. Januar – Clermont Super Besse

Stephans RaceBlog wird sich über den Winter natürlich mit der Trophée Andros beschäftigen. Außerdem startet bereits am 1. Januar die Dakar, die diesmal von Mar Del Plata nach Lima führt. Auch in unseren Gefilden gibt es nur eine kurze Weihnachtspause. Denn bereits jetzt laufen die Vorbereitungen für das 24h Race Of Cologne, das am 21. Januar zum 15. Mal gestartet wird. Die 24 Stunden von Köln gelten traditionell als der Start in die neue Motorsportsaison. Wie gesagt, von Winterpause keine Spur!