Dakar 2022: Audi holt 4. Etappensieg!

Wie üblich bot die vorletzte Etappe eine letzte Chance, die Rangliste aufzumischen. Während die meisten Spitzenreiter ihre Taktik richtig anwandten, zahlten andere einen hohen Preis dafür, dass sie die Wüste unterschätzt hatten!

Mit dem dritten Etappensieg innerhalb von vier Tagen und der Bestzeit von Carlos Sainz in der Auto-Kategorie setzte sich eine hervorragende zweite Woche für Audi Sport fort. Es ist der 41. Dakar-Etappensieg für „El Matador“ und der vierte für den Audi RS Q e-tron bei seinem ersten Einsatz bei der härtesten Rallye der Welt. Sainz ist ein dreimaliger Dakar-Sieger, ebenso wie Nasser Al-Attiyah. Es wird jedoch immer wahrscheinlicher, dass Al-Attiyah heute seine vierte Dakar-Trophäe in Empfang nehmen wird. Der Spitzenfahrer von Toyota Gazoo Racing geht mit einem Polster von über einer halben Stunde in die letzte Etappe der Dakar. Al-Attiyah mag kurz vor einem weiteren Dakar-Titel stehen, doch das bedeutet nicht, dass er sich auf der 12. Ihm dicht auf den Fersen ist der neunfache WRC-Sieger Sébastien Loeb, der mit seinem BRX Hunter zum Angriff bereit ist, sollte Al-Attiyah auf dem Weg nach Jeddah auf Komplikationen stoßen.

Auf dem besten Weg, ihre 12. Dakar in Folge zu beenden, ist Laia Sanz. Für diese Ausgabe der Rallye wechselte Sanz vom Motorrad zum Auto, der Übergang zwischen den beiden Dakar-Kategorien verlief nahtlos.

Seth Quintero hält nun den Rekord an Etappensiegen bei einer einzigen Dakar. Mit der schnellsten T3-Zeit auf der 11. Etappe hat Quintero 11 Etappensiege bei dieser Dakar erzielt und damit den bisherigen Rekord von Pierre Lartigue aus dem Jahr 1994 um einen Sieg überboten. Die Gesamtführung in der Kategorie T3 liegt weiterhin bei Chaleco Lopez. Quinteros Teamkollegin im Red Bull Off-Road Junior Team, Cristina Gutiérrez, liegt derweil auf dem dritten Gesamtrang.

Der Truckrace-Champion von 2021, Dmitry Sotnikov, ist auf dem besten Weg, seinen zweiten Sieg in Folge einzufahren, denn er führt die diesjährige Rallye mit über acht Minuten Vorsprung an. Sein nächster Verfolger ist jedoch sein Teamkollege Eduard Nikolaev. Wird Nikolaev Gas geben und einen fünften Dakar-Sieg am Steuer eines Kamaz-Trucks anstreben?Kamaz hat auch die Plätze 3 und 4 eisern im Griff. Anton Shibalov und Andrey Karginov werden Kamaz ein 1-2-3-4-Gesamtergebnis im Truck-Rennen bescheren. Das ist eine bemerkenswerte Leistung, die Kamaz schon einmal bei der Dakar 2011 gelang.

Scheich Khalid Al-Qassimi und Dirk von Zitzewitz haben auf der vorletzten Sonderprüfung des Wüstenklassikers noch einmal seine gesamte Härte durchlebt und sich tapfer zum Ziel durchgekämpft. Schon unmittelbar nach dem Start lieferte einer der Turbolader am betragten Peugeot-Buggy nicht mehr die gewohnte Leistung, vor allem bei niedrigen Drehzahlen. Dazu kamen enorme Schwernisse wie Kamelgras-Sektionen, puderweicher Fesh-Fesh und kleine Dünen, die dem Fahrzeugkonzept des heckgetriebenen Buggy alles andere als entgegen kommen. Vor der abschließenden Etappe am Freitag hat sich das Duo also die Aussicht auf die Zielankunft der 2022er-Ausgabe der „Dakar“ redlich verdient.

Gleich von Beginn an waren geschärfte Sinne gefragt: Die Etappe Bisha–Bisha und ihre 345,64 Kilometer lange Wertungsprüfung begann mit Sandpisten und schmalen, gewundenen Canyons, die volle Konzentration der Beifahrer erforderten. Es folgten viele weiche Dünen, auch jene der Kategorie drei sowie viele kleinere Exemplare, die den heckgetriebenen Buggys besonders zu schaffen machen. Möglichst zielgenaue Navigation war auch wieder zum Ende der Prüfung gefragt, als gewundene Täler und Wadis auf der Agenda standen

„Es war die erwartet harte Etappe. Heute hat der Veranstalter noch einmal alles herausgeholt, auf das wir keine Lust haben: Fesh-Fesh, weicher Sand, kleine, lästige Dünen – aber auch viele toll, große Dünen. Etwa fünf bis zehn Kilometer nach dem Start haben wir den ersten Turbo-Alarm bekommen, der sich dann immer wieder meldete. Dazu nahm der Motor kaum Gas an. Wir sind froh, dass wir durchgekommen sind, dass uns das Auto nicht im Stich gelassen hat. Es lief aber nicht so, wie wir es erwartet hatten – obwohl ich diese Art von Prüfungen generell mag!“ Dirk von Zitzewitz nach Etappe 11 der Rallye Dakar 2022

Der Abschlußtag
Etappe 12 (Bisha–Dschidda)
Prüfungskilometer: 164 km
Gesamtdistanz: 680 km
Start/Ziel: 07:50/9:32 Uhr (MEZ)

Die abschließende Etappe! Von Bisha geht es zurück zum Ausgangspunkt der 2022er-„Dakar“: Dschidda. Wenn die Teilnehmenden das ersehnte Ziel erreichen, liegen insgesamt 8.413 Kilometer „Ideallinie“ hinter ihnen, davon 4.121 auf Zeit. Niemand wird von sich behaupten können, stets auf dem kürzesten Weg geblieben zu sein. Die abschließenden 164 Prüfungskilometer muten im Vergleich zu dem, was schon zurückliegt, eher gemütlich an

Eine kurze Prüfung, angeblich wieder ohne Dünen. Ich erinner mich an die Gegend, hier war die Navigation teilweise enorm knifflig. Es gibt viele Täler, zwischen denen man sich entscheiden muss, die Angaben im Roadbook waren damals dürftig. Diese Etappe möchte man auch nicht unbedingt eröffnen. Lieber sind einem ein paar Spuren, die einem helfen und zeigen, was eventuell falsch war. Kein easy Home-run!“
Dirk von Zitzewitz vor Etappe 12 der Rallye Dakar 2022.

Dakar Rally – Ergebnis SS11
1. C. Sainz / L. Cruz – Audi – 3h 29m 32s
2. S. Loeb / F. Lurquin – BRX – 3h 31m 53s
3. L. Alvarez / A. Monleon – Toyota – 3h 32m 42s
4. M. Ekström / E. Bergkvist – Audi – 3h 33m 25s
5. G. De Villiers / D. Murphy – Toyota – 3h 34m 43s

Gesamtwertung nach SS11
1. N. Al-Attiyah / M. Baumel – Toyota – 36h 49m 51s
2. S. Loeb / F. Lurquin – BRX – 37h 18m 10s
3. Y. Al-Rajhi / M. Orr – Toyota – 37h 53m 34s
4. O. Terranova / D. Oliveras – BRX – 38h 21m 20s
5. G. De Villiers / D. Murphy – Toyota – 38h 34m 02s
6. J. Przygonski / T. Gottschalk – MINI JCW Buggy – 38h 41m 48s

Fotos (c) MCH Foto, Red Bull Content Pool, Team Kamaz Master, Toyota Gazoo Racing