DTM Norisring: Der lachende Dritte!

Es war ein denkwürdiges DTM-Finale, welches am Sonntag auf den Norisring stattfand. Drei Titelanwärter kämpften mit harten Bandagen. Liam Lawson und Kelvin van der Linde mussten sich Maximilian Götz beugen, der clever den Titel einfuhr!

Für das mit großer Spannung erwartete Saisonfinale machte die DTM in diesem Jahr Halt auf der einzigen Stadtstrecke der Serie. Der Norisring in Nürnberg ist mit seinen 2,3 Kilometern zwar der kürzeste Rundkurs, mit seinen Leitplanken und Mauern dennoch eine Herausforderung für das hochklassig besetzte Fahrerfeld. Für das erste Rennen am Samstag erarbeitete sich Lucas Auer mit Platz drei im Qualifying die beste Startposition mit dem Mercedes-AMG GT3. Allerdings dicht gefolgt von Arjun Maini, Meisterschaftsanwärter Maximilian Götz, Philip Ellis und Daniel Juncadella auf den Plätzen vier bis sieben in der Startaufstellung – allesamt aussichtsreiche Positionen für den ersten Lauf am Nachmittag.

Doch schon nach der ersten Kehre zu Rennbeginn sortierte sich die Spitze gänzlich neu: Ellis fand mit dem Mercedes-AMG GT3 vom Mercedes-AMG Team WINWARD einen Weg durch das dichte Getümmel und schob sich auf den ersten Platz. Auch Götz machte eine Position gut und übernahm in Runde sieben den zweiten Platz, nachdem er den Meisterschaftsführenden überholen konnte. Drei Runden später passierte der gebürtige Franke auch seinen Markenkollegen Ellis und kontrollierte das Rennen auf seiner Heimstrecke fortan von der Spitze. Ellis, der an diesem Tag seinen 29. Geburtstag feierte, hatte nach einem Drittel der Renndistanz allerdings Pech: Auf Platz zwei liegend wurde sein Fahrzeug mit der Startnummer 57 von einem Kontrahenten getroffen, drehte sich und fiel um einige Positionen zurück.

Mehr Glück hatte Arjun Maini vom Mercedes-AMG Team GetSpeed, der nach dem obligatorischen Reifenwechsel nun boxenstoppbereinigt hinter Götz auf dem zweiten Platz lag, diesen bis Rennende erfolgreich gegen die Attacken der Konkurrenz verteidigte und damit den ersten Podiumserfolg überhaupt in der DTM für sich und das Team GetSpeed einfuhr. Ungefährdet und souverän indes überquerte Maximilian Götz nach 67 Runden auf der Rennstrecke am Dutzendteich die Ziellinie und feierte seinen zweiten Sieg in dieser Saison. Damit lag der Routinier auf Platz drei in der Fahrerwertung und verkürzte den Vorsprung auf den Meisterschaftsführenden vor dem Finaltag auf 19 Punkte. Mit einem Sieg am Sonntag blieb somit die Möglichkeit, sich unter Umständen noch zum DTM-Champion zu krönen. Lucas Auer (P6), Daniel Juncadella (P7), Maximilian Buhk (P9) und Philip Ellis (P10) rundeten mit ihren Top-10-Plätzen ein starkes Abschneiden der Mercedes-AMG Teams am Samstag ab. Mit seinem Sieg am Samstag konnte der Deutsche Maximilian Götz seinen Rückstand auf Lawson an der Spitze der Fahrerwertung verkürzen, und Lawson holte sich am Sonntagmorgen die Pole Position für das letzte Rennen einer spannenden Saison.

Für das letzte Rennen des Jahres am Sonntagnachmittag sicherte sich Lucas Auer mit Platz vier im Zeittraining zuvor erneut die beste Startposition aller Mercedes-AMG GT3. Es folgten Ellis, Juncadella und Maini auf Rang fünf bis sieben. Titelkandidat Götz musste sich mit dem achten Platz in der Startaufstellung zufriedengeben. Doch wie schon im ersten Rennen wurden bereits nach der ersten Kurve die Karten neu gemischt: Nachdem es an der Spitze des Feldes zu einer Kollision zwischen dem Meisterschaftszweiten und dem -führenden kam, fiel Letzterer weit zurück, der Kontrahent wurde mit einer 5-Sekunden-Strafe belegt. Mit einem Rennsieg bot sich nun die Chance auf den DTM-Fahrertitel für Götz, der sich nach dem Start auf Platz vier wiederfand und in Runde 17 zum Reifenwechsel an die Box kam.

An der Spitze des Feldes übernahm Mercedes-AMG nach der anfänglichen Hektik durch Auer und Ellis die Führung und kontrollierte das Geschehen. Nach 52 Runden dann begann die meisterschaftsentscheidende Phase: Der nun führende Titelanwärter kehrte nach seinem Boxenstopp und absolvierter 5-Sekunden-Strafe exakt vor Götz zurück auf die Strecke. Beide Piloten hätten einen Rennsieg benötigt, um sich den Titel zu sichern. Ein spannender Kampf um zunächst Platz drei war die Folge. In der 53. Runde setzte Götz zur Überholung an, dabei kam es zu einer vom Gegner verursachten Berührung, ein Reifenschaden des Kontrahenten war die Folge: Götz übernahm Platz drei. Vor ihm fiel Markenkollege Ellis durch eine Strafe zurück, von Auer übernahm Götz kurz vor Schluss die Führung und krönte sich nach 67 Runden zum DTM-Champion 2021. In der Abschlusstabelle der Fahrerwertung liegt Götz drei Punkte vor dem Zweitplatzierten. Den Dreifachsieg für Mercedes-AMG beim letzten Rennen des Jahres machten Auer auf Platz zwei und Buhk (Mercedes-AMG Team Mücke Motorsport) auf Rang drei perfekt.

Den Titel für den besten Hersteller der DTM 2021 hatte Mercedes-AMG bereits am Wochenende zuvor auf dem Hockenheimring für sich entschieden. Stefan Wendl, Leiter Mercedes-AMG Customer Racing, nahm nun nach dem Saisonabschluss auf dem Norisring den Pokal für den besten Hersteller in Empfang. In diese Wertung fließen nach jedem Lauf die Ergebnisse der drei besten Fahrzeuge pro Hersteller ein. 18 Mal fuhr ein Mercedes-AMG GT3 in dieser Saison auf das Podium, darunter insgesamt sechs Mal zum Sieg.

Für den – bis vor dem letzten Saisonrennen Meisterschaftsführenden Liam Lawson – endete der Traum bereits nach 500 Metern im Staub der Grundigkehre. Zwar startete der Neuseeländer von der Pole, doch der Kiwi geriet in einen Hinterhalt des Südafrikaners van der Linde. Zum Unglück des jungen Neuseeländers wurde Lawsons Ferrari 488 GT3 Evo 2020 mit der Startnummer 30 von Red Bull in der ersten Kurve der ersten Runde von seinem ärgsten Konkurrenten Kelvin van der Linde aus Südafrika abgeschossen, nachdem er zu spät gebremst hatte. Van der Linde wurde mit einer 5-Sekunden-Strafe belegt, die dem Pflichtboxenstopp zugeschlagen wurde. Damit war der Südafrikaner noch gut bedient. Doch kurz vor Rennende fuhr Kelvin auch dem kommenden Meister Götz ins Auto, was jedoch der rechte Hinterreifen an Kelvins Audi R8 übel nahm. Nach zwei weiteren Runden endete der Meistertraum des Südafrikaners mit einem Dreher im Schöller-S

Obwohl er mit einem stark beschädigten Auto weiterfahren konnte und auf Platz 18 landete, kostete der Unfall Lawson letztlich die Trophäe der Fahrerwertung 2021, da Götz das zweite Rennen und den Titel mit nur drei Punkten Vorsprung gewann. Lawsons Landsmann Cassidy war am frühen Sonntag ebenfalls in einen Zwischenfall verwickelt und fiel ans Ende des Feldes zurück, kämpfte sich dann aber stark zurück und kollidierte auf dem Weg zu Platz 13 erneut mit einem anderen Auto.

Trotz der Enttäuschung beendete Rookie Lawson seine Debüt-Saison in der DTM auf einem beeindruckenden zweiten Platz in der Gesamtwertung, dank dreier Siege, vier Pole-Positions und 10 Podiumsplätzen, die ihm einen erstklassigen Junior-Titel einbrachten. Lawson erklärte: „Ich bin natürlich sehr enttäuscht und es tut mir leid für mein ganzes Team. Sie hätten diesen Titel wirklich verdient gehabt. Immer und immer wieder von demselben Kerl überholt zu werden, sagt alles. Die erste Kurve, die erste Runde des Rennens – was soll man da sagen? Ich fühle mich einfach schlecht für mein ganzes Team.“

Teamkollege Cassidy erklärte: „Es war großartig, an der Spitze zu starten. Leider haben uns einige Umstände, die wir nicht beeinflussen konnten, im Rennen nicht geholfen. Ich war wirklich zufrieden mit meiner Leistung, von einer halben Runde Rückstand auf P4 zurückzukommen. Die Pace des Autos war erstaunlich, und ich habe mein Bestes gegeben, um um den Sieg zu kämpfen. Am Ende hat es aber nicht sollen sein. Vielen Dank an das Team. Ich hatte eine Menge Spaß.“

Red Bull AlphaTauri AF Corse sicherte sich bei der achten und letzten Station auf dem Norisring in Deutschland den DTM-Team-Titel 2021, während Liam Lawson den Fahrertitel knapp verpasste. Red Bull AlphaTauri AF Corse ging mit einem gesunden Vorsprung in der Teamwertung in das Wochenende und sicherte sich den Titel 2021 dank des Ergebnisses im ersten Rennen am Samstag, als Lawson Dritter und sein neuer Teamkollege Nick Cassidy Fünfter wurden und sich damit eine beeindruckende Trophäe sicherten.

Der Südafrikaner aus dem Team ABT Sportsline erzielte vier Siege – so viele wie kein anderer Fahrer – und musste sich im Titelkampf erst im letzten Rennen geschlagen geben. Schon jetzt steht fest, dass der Youngster auch 2022 für die Allgäuer Mannschaft an den Start gehen wird. Auch van der Lindes Teamkollege Mike Rockenfeller stand in seiner letzten DTM-Saison für Audi auf dem Podium. Der DTM-Champion von 2013 verlässt Audi nach 15 Jahren und stellt sich neuen Herausforderungen. Doch Audi kann im kommenden Jahr auf einen starken Rückkehrer zählen. Der dreimalige DTM-Champion René Rast wird nach einem Jahr in der Formel E mit Audi in die Serie zurückkehren.

Ergebnis Rennen 1
1. Maximilian Götz (GER) – Mercedes-AMG Team HRT
2. Arjun Maini (IND) – Mercedes-AMG Team GetSpeed
3. Liam Lawson (NZL) – Red Bull AlphaTauri AF Corse

Ergebnis Rennen 2
1. Maximilian Götz (GER) – Mercedes-AMG Team HRT
2. Lucas Auer (AUT) – Mercedes-AMG Team Winward
3. Maximilian Buhk (GER) – Mercedes-AMG Team Mücke Motorsport

Endstand der DTM-Fahrerwertung 2021
1. Maximilian Götz (GER) – Mercedes-AMG Team HRT 230 Punkte
2. Liam Lawson (NZL) – Red Bull AlphaTauri AF Corse 227
3. Kelvin van der Linde (RSA) – Team ABT Sportsline 208
6. Alex Albon (THA) – Red Bull AlphaTauri AF Corse 130
16. Nick Cassidy (NZL) – Red Bull AlphaTauri AF Corse 11

Endstand der DTM-Teammeisterschaft 2021
1. Red Bull AlphaTauri AF Corse 368 Punkte
2. Team ABT Sportsline 296
3. Mercedes-AMG Team Winward 281

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