F1 Silverstone: Hamiltons umstrittener Sieg!

Lewis Hamilton erzielt mit einer mutigen Leistung seinen achten Sieg beim Großbritannien GP vor ausverkauftem Haus in Silverstone. Nach einem Knallhart-Zweikampf mit Lewis Hamilton fällt der WM-Führende Max Verstappen schon nach einer Runde aus. Der Weltmeister holt sich daraufhin den Sieg und feiert ausgelassen, was Verstappen respektlos und unsportlich findet!

Keine Frage. Wenn sich die zwei besten Rennfahrer der Welt mitten in der schnellsten Kurve der Saison so nahe kommen, ist ganz hohes Risiko vorprogrammiert. Beide hätten nachgeben können. Für mich war das ein typischer Rennunfall, der halbwegs glimpflich ausging. Beide Kutscher werden daraus etwas gelernt haben, hoffe ich mal. Nach einem Highspeed-Crash von Max Verstappen in Silverstone hat Lewis Hamilton den Formel-1-WM-Titelkampf wieder hochspannend gemacht. Der englische Lokalheld fing mit einem Hammer-Überholmanöver kurz vor dem Ende noch den führenden Ferrari-Fahrer Charles Leclerc ab. Nach dem Blitz-Aus von Verstappen verkürzte Mercedes-Pilot Hamilton trotz einer Zehn-Sekunden-Strafe mit seinem achten Heimsieg in England den Rückstand im Titelkampf auf nur noch acht Punkte.

Im England-Chaos vor der gigantischen Kulisse von rund 140.000 Fans wurde Hamiltons Teamkollege Valtteri Bottas Dritter. Sebastian Vettel kurvte nach einem selbstverschuldeten Dreher im Hinterfeld herum und musste später seinen Aston Martin wegen eines Defekts vorzeitig abstellen. Mick Schumacher schaffte es nach einer fast 40-minütigen Rennunterbrechung wegen des Verstappen-Hamilton-Unfalls in seinem unterlegenen Haas nur als Letzter ins Ziel. Verstappen stand unter Schock und wurde zur Vorsorge in einem Krankenhaus weiter medizinisch betreut. „Wir geben nie auf“, sagte Mercedes-Teamchef Toto Wolff und ergänzte sich nach dem Rennen: „Das war ein dramatisches und aufregendes Rennen, bei dem Lewis Charles am Ende überholte und damit erneut den Großbritannien Grand Prix gewinnen konnte. Heute war für jeden etwas dabei. Mit Blick auf den Zwischenfall zwischen Lewis und Max, muss ich sagen, dass immer zwei dazugehören und diese beiden Rennfahrer schenkten sich gegenseitig keinen Millimeter. Es ist eine schnelle Kurve und deshalb sieht es schlimm aus, aber es gibt ein klares Reglement, darin steht es schwarz auf weiß: Wenn die Vorderachse über der Mitte des Fahrzeugs auf der Außenseite ist, ist es deine Kurve. In dieser Saison kämpft der größte Fahrer der Geschichte, ein siebenmaliger Weltmeister mit einem Fahrzeug, das vielleicht nicht so gut wie das andere Auto ist, das von einem aufstrebenden Star gefahren wird, der versucht, der Saison seinen Stempel aufzudrücken. Und sie sind miteinander kollidiert und es kam zum Crash. Das haben wir schon in der Vergangenheit gesehen, bei all den großen Rivalitäten in der Geschichte dieses Sports und das ist auch heute wieder passiert. Das Wichtigste ist, dass Max in Ordnung ist und der Rest des Rennens war großartig!“

Nach neun Mercedes-Poles nacheinander hatte Verstappen die Silberpfeil-Serie in Silverstone durchbrochen. „Er hat gezeigt, wer Herr im Haus ist“, lobte Red-Bull-Motorsportberater Helmut Marko die Leistung des Niederländers. Mit dem Sieg der Sprint-Premiere über 17 Runden sicherte sich der 23-Jährige vor Hamilton zum vierten Mal am Stück die Pole Position und kassierte vorab drei Punkte. Mehr kamen für Verstappen nach seinem Unfall nicht mehr hinzu.

Festivalstimmung herrschte auf den Rängen – und bei den Fahrern. „Diese Flaggen zu sehen, diese Energie, diese Menschen, das verstärkt meine Liebe zum Sport noch“, schwärmte Hamilton beim Blick auf die Fanmassen vor dem Start. Voraussetzung für den Grand-Prix-Besuch waren bei den Ticketbesitzern entweder ein negativer Schnelltest oder der Nachweis über eine vollständige Impfung. „Ich gebe alles“, kündigte Hamilton an, der in der Startaufstellung Besuch von Hollywood-Star Tom Cruise erhielt. Und dann ging es knallhart los! Seite an Seite duellierten sich Verstappen und Hamilton, nachdem die Roten Ampeln erloschen waren. Nach nur einer Runde krachte es. In der Copse-Kurve, wo ein Tempo von etwa 290 km/h gefahren wird, touchierten sich der Führende Verstappen und Hamilton an den Reifen. Der Niederländer verlor die Kontrolle, schoss vom Asphalt ins Kiesbett und krachte in die Reifenstapel. Er konnte sichtlich mitgenommen aus dem Wagen jedoch selbst wieder aussteigen und winkte danach ins Publikum.

„Er hat einen Schock und ist richtig durchgebeutelt worden“, berichtete Marko im TV-Sender Sky. Er bewertete Hamiltons Manöver als „fahrlässiges bis gefährliches Verhalten“ und forderte eine Sperre. Verstappens Teamchef Christian Horner schimpfte: „Das ist ein enormer Unfall und es war zu 100 Prozent die Kurve von Max, Hamilton hätte nie in dieser Position sein dürfen. Das ist eine unglaublich schwierige Art und Weise, das britische Grand-Prix-Wochenende zu beenden, und es versteht sich von selbst, dass wir alle einfach nur dankbar sind, dass Max das Auto verlassen konnte, obwohl er später zu Vorsorgeuntersuchungen ins Krankenhaus gebracht wurde, wo er derzeit zur Beobachtung bleibt. Ich habe mir die Aufnahmen mehrmals angesehen und kann mich immer noch nicht des Eindrucks erwehren, dass es unvernünftig war, in Copse, einer der schnellsten Kurven dieser Weltmeisterschaft, ein Rad auf die Innenseite zu legen, und dass Lewis ein großes Risiko für beide Fahrer eingegangen ist. Er war nicht signifikant neben Max, wie man am Kontaktpunkt sehen kann, Lewis‘ vordere linke Seite zu Max‘ rechtem Heck. Die Bewegung war nie eingeschaltet und führte zu einem heftigen Einschlag für Max. Für Wir gehen mit einem knappen Vorsprung in beiden Meisterschaften aus dem Rennen und man kann sicher sein, dass dieses Wochenende, wenn wir erst einmal Zeit hatten, über den heutigen Tag nachzudenken, nur noch mehr Feuer in unseren Meisterschaftskampf bringen wird!“

51g hätten bei dem Einschlag geherrscht. Zum Vergleich: In Formel-1-Autos wirken in Kurven bei normaler Fahrt schon mal 5g auf die Piloten. Das Safety Car kam auf die Strecke, anschließend wurde das zehnte Saisonrennen aber unterbrochen. Verstappens Wagen war heftig demoliert, die Unfallstelle musste gesichert werden.

Mit einem stehenden Start ging das Spektakel weiter – diesmal mit Ferrari-Fahrer Charles Leclerc an der Spitze direkt vor Hamilton, dessen Auto bei der Kollision auch beschädigt worden war. Vettel leistete sich prompt einen Fahrfehler, drehte sich von der Strecke und wurde von Platz sechs ans Ende des Feldes zurückgeworfen. Hamilton musste nun Gas geben, war er doch von den Rennkommissaren mit einer Zehn-Sekunden-Strafe belegt worden. Vor ihm klagte Leclerc mehrmals über Leistungsaussetzer seines Motors. In Runde 28 kam Hamilton an die Box, saß seine Strafe ab und nahm nach 14,2 Sekunden Standzeit wieder die Verfolgung auf. Vettel und Schumacher mühten sich derweil am Ende des Feldes ab. Leclercs Stopp zwei Runden später lief reibungslos, der Monegasse gab vorne das Tempo vor. Vettel musste seinen Wagen enttäuscht in der Garage abstellen. Hamilton griff vehement an und war auf den letzten Kilometern nochmal dran – und schnappte sich vor Leclerc sogar den umjubelten Heimsieg.

Die ausgelassene Siegesfeier brachte Max Verstappen wiederum auf die Palme. „Bin froh, dass es mir gut geht. Ich bin sehr enttäuscht, dass ich so rausgenommen wurde“, schrieb der Red-Bull-Pilot in den Sozialen Medien. „Die erteilte Strafe hilft uns nicht weiter und wird der gefährlichen Bewegung, die Lewis auf der Strecke gemacht hat, nicht gerecht. Sich die Feierlichkeiten anzusehen, während man noch im Krankenhaus ist, ist respektloses und unsportliches Verhalten, aber wir machen weiter!“

Und Lewis Hamilton war nach dem Rennen mit sich und der Welt zufrieden: „Ich habe in der vergangenen Woche mein Bestes gegeben, in der Fabrik gearbeitet und zusammen mit den Jungs alles herausgeholt, um mehr Performance für das Auto zu finden. Ich bin unheimlich stolz auf alle, die immer weiter arbeiten, selbst als wir uns von einem Rückstand zurückkämpfen mussten. Wie immer habe ich auch heute versucht, das Rennen bedacht anzugehen, besonders im Kampf mit Max. Er ist sehr aggressiv, aber ich war voll neben ihm und er ließ mir keinen Raum. Unabhängig davon, ob ich mit der Strafe übereinstimme, ich akzeptierte sie und machte einfach weiter. Ich dachte mir: „Ich werde alles dafür geben, damit die Zuschauer das Wochenende, die Nationalhymne und die britische Flagge genießen können.“ Aber ich hätte es nicht ohne das großartige Teamwork von Valtteri und den fantastischen Einsatz des Teams schaffen können. Ich bin sehr dankbar dafür und überglücklich, dass wir dieses Ergebnis für das Team und die Fans eingefahren haben“!

Fotos (c) Daimler AG, Red Bull Content Pool