F1 Nürburgring: Hamilton knackt Schumis Rekord!

Lewis Hamilton hat mit seinem Triumph beim Großen Preis der Eifel den Siegrekord von Michael Schumacher eingestellt. Sebastian Vettel hingegen erlebt ein weiteres Debakel, Superjoker Nico Hülkenberg fährt von Startplatz 20 auf acht vor!

Auf der Heimatstrecke von Michael Schumacher hat Lewis Hamilton den für ewig gehaltenen Grand-Prix-Rekord der deutschen Formel-1-Ikone eingestellt. Der 35 Jahre alte Brite gewann am Sonntag bei der Königsklassen-Rückkehr auf den Nürburgring den Großen Preis der Eifel und feierte damit den 91. Rennsieg seiner Karriere. Ebensoviele hatte Schumacher geschafft, der vor 25 Jahren als erster Deutscher auf dem Traditionskurs in der Eifel siegreich gewesen war. „Was für ein Ergebnis, ich danke euch so sehr“, funkte Hamilton an die Mercedes-Box. Zur Saison 2013 hatte er Schumacher bei den Silberpfeilen abgelöst. Mit seinem Erfolg im elften Saisonrennen näherte sich Hamilton auch wieder dem siebten WM-Triumph und der nächsten Rekordmarke von Schumacher. Hamilton profitierte dabei auch von einem Defekt am Silberpfeil seines von der Pole gestarteten Teamkollegen Valtteri Bottas in dessen 150. Grand Prix.

Mit der Übergabe eines Helmes seines großen Vorbildes durch Mick Schumacher wurde Lewis klar, was er in diesem Sport erreicht hat. „Es fällt mir schwer, die Bedeutung dieses Rekords für mich in Worte zu fassen. Ich erinnere mich daran, wie Michael all diese Rennen gewonnen hat, als ich ein Kind war und mit meinem Bruder zusammen Rennspiele gespielt habe, in denen ich als Michael angetreten bin. Ich habe damals davon geträumt, selbst eines Tages dabei zu sein, aber niemand und ganz sicher nicht ich selbst hätten gedacht, dass ein anderer Fahrer jemals auch nur ansatzweise an Michaels Bestmarken herankommen würde. Noch nicht einmal in meinen kühnsten Träumen hätte ich gedacht, dass ich die Anzahl seiner Rennsiege erreichen würde, aber das zeigt, dass Träume wahrwerden können. Es ist eine unglaubliche Ehre und es wird eine Weile dauern, bis ich es verarbeitet habe. Aber ich hätte es niemals ohne dieses fantastische Team schaffen können. Jeder gibt alles und lässt niemals nach. Vielen Dank an jeden Einzelnen Zuhause in den Werken. Gleichzeitig habe ich einen enormen Respekt vor Michael und bin heute unheimlich dankbar.

Mit Blick auf das Rennen muss ich sagen, dass es hart war. Ich hatte einen guten Start und Valtteri hat sich in Kurve zwei stark verteidigt. Ich hatte nichts anderes von ihm erwartet. Danach ging es darum, herauszufinden, wie ich Valtteri schlagen konnte. Ich musste genau auf meine Reifen achten und sicherstellen, dass ich an ihm dranblieb. Ich konnte erkennen, dass er ein wenig zu kämpfen hatte und wusste, dass meine Chance kommen würde. Aber dann verbremste er sich. Danach konnte ich einen guten Vorsprung herausfahren, aber das Safety Car brachte das Feld wieder zusammen. Max war direkt hinter mir und ich wusste, dass ich einen starken Re-Start brauchte, um ihn hinter mir zu halten. Es ist mir gelungen, ihn abzuhängen – das ist immer schön und gab mir den nötigen Vorsprung, den ich brauchte. Aber jeder konnte die Pace sehen, die Red Bull gegen Ende hatte. Uns erwartet ein echter Kampf.

Zweiter wurde Max Verstappen im Red Bull, auf Rang drei schaffte es Daniel Ricciardo im Renault. Sebastian Vettel konnte wie befürchtet bei seinem Heimspiel im Ferrari nichts ausrichten und musste sich mit Platz elf begnügen. Landsmann Nico Hülkenberg durfte sich dagegen über seinen achten Rang freuen bei seinem erneuten Aushilfseinsatz für Racing Point – und das vom letzten Startrang aus. Im WM-Klassement baute Hamilton seine Führung mit dem siebten Saisonsieg weiter aus. Er kommt nun auf 230 Punkte, Bottas bleibt als Zweiter bei 161 Zählern. Verstappen sammelte bisher 147 Punkte.

Als zum ersten Mal nach 2013 die roten Lampen für ein Formel-1-Rennen ausgingen, suchte Hamilton seine Siegchance in der Attacke. In die enge Rechtskurve nach der kurzen Beschleunigung bog Hamilton mit minimalem Vorsprung vor Bottas ein, beide trug es weit raus, Bottas hielt dagegen. Fair, aber knallhart rasten sie nebeneinander.

Bottas’s Vorteil: Als nächstes kam eine Linkskurve, er war innen und behauptete damit nach dem packenden Zweikampf der Silberpfeile die Führung. Verstappen, der sich Hoffnungen gemacht hatte, das Duo splitten zu können, kam nicht ran, zusammen zogen die drei dem Feld danach aber schnell davon.

Auf die beiden deutschen Piloten mussten die etwa 15 000 Zuschauer zunächst noch etwas länger warten. Vettel, gestartet von Rang elf, kämpfte, um wenigstens in die Top Ten zu kommen, nachdem auch sein Start nicht optimal gelaufen war. Bei einem Überholversuch leistete sich der viermalige Weltmeister auch noch einen Verbremser und kam mit qualmenden Reifen von der Strecke ab. Danach musste er sich neue Reifen holen – und weiterkämpfen.

Hülkenberg konnt seine Ansage mit Augenzwinkern („Alles andere als der Rennsieg wäre eine Enttäuschung“) zwar nicht umsetzen. Vom letzten Rang nach seinem Blitzengagement gestartet, machte der 33-Jährige mit einer Werbefahrt in eigener Sache für einen Vertrag im nächsten Jahr aber Position um Position gut. In der 42. Runde kam es sogar zum deutschen Duell: Der Ersatzmann für Racing-Point-Pilot Lance Stroll, der wegen Magenbeschwerden passen musste, lag hinter Vettel, der zuvor schon über seine Reifen geklagt hatte. Problemlos passierte „Hulk“ im rosa Wagen des künftigen Vettel-Arbeitgebers (dann allerdings als Aston Martin) den Hessen im lahmen roten Ferrari. Und das alles ohne jede Vorbereitung für Hülkenberg.

Auch an der Spitze tat sich was, vorher schon. In der zwölften Runde verbremste sich Bottas, Hamilton ließ sich diese Gelegenheit nicht nehmen und überholte seinen Teamkollegen mit einem erneuten strammen Manöver. Trümmerteile nach einer Kollision sorgten für eine virtuelle Safety-Car-Phase. Alarm herrschte aber auch im Wagen von Bottas: „Ich habe keine Leistung mehr“, funkte der Finne. Kurze Zeit später kam der Bescheid vom Kommandostand: Aufgabe. Teamkollege Hamilton büßte beim nächsten Reifenwechsel über zwei Sekunden auf Mittlerweile-Verfolger Verstappen ein, verteidigte aber die Spitze. Bottas schaute gespannt zu. „Wenn Lewis das gewinnt, wird es ein bisschen schwierig für mich“, sagte er noch während des Rennens mit Blick auf die WM.

Doch es sollte nach mal richtig spannend werden. Durch einen Ausfall von Lando Norris im McLaren musste das Safety Car raus, das Feld rückte zusammen und die neu aufgezogenen Reifen kamen bei 16 Grad auf dem Asphalt nicht auf Temperatur. Hamilton ließ dem Feld aber keine Chance, als Bernd Mayländer das Safety Car wieder in den Garage steuerte, und fuhr zur souverän zur historischen Rekordeinstellung.

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