24 H Nürburgring: Der Jubiläumssieg!

Jubiläumssieg für BMW in der Grünen Hölle: Das ROWE Racing Team hat beim 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring für den 20. Triumph der Marke bei diesem Langstreckenklassiker gesorgt. 50 Jahre nach der ersten Auflage des Eifel-Marathons überquerte der BMW M6 GT3 mit der Startnummer 99 nach 85 Runden als Sieger die Ziellinie!

Nick Catsburg, Alexander Sims und Nick Yelloly hatten sich in einem turbulenten Regenrennen, das über Nacht wegen zu starken Regens für rund neun Stunden unterbrochen werden musste, am Steuer abgewechselt und durch eine starke Aufholjagd am Sonntag den ersten BMW Gesamtsieg seit 2010 möglich gemacht. Am Ende einer nervenaufreibenden Schlussphase hatte Catsburg 15,452 Sekunden Vorsprung auf den zweitplatzierten Audi. Als Dritter schaffte das BMW Team Schnitzer mit den Fahrern Augusto Farfus, Jens Klingmann, Martin Tomczyk und Sheldon van der Linde ebenfalls den Sprung auf dem Podium. Das Rennen bot ein Wechselbad der Gefühle. Am Samstag konnten die BMW M6 GT3 die Pace der Spitze im Regen nicht mitgehen und verloren an Boden. Als die Strecke zu nass und die Sicht zu schlecht wurden, unterbrach die Rennleitung das Rennen am späten Abend und setzte es erst am Sonntagmorgen um 8 Uhr wieder fort. Als die Strecke abzutrocknen begann, wurden die BMW Teams immer schneller und schlossen zur Spitze auf. In einer hochspannenden Schlussphase traf das ROWE Racing Team bei der Reifenwahl genau die richtigen Entscheidungen und übernahm dadurch die Führung, die Schlussfahrer Catsburg ins Ziel brachte. Hinter dem #42 BMW M6 GT3 vom BMW Team Schnitzer belegte das ROWE Racing Fahrzeug mit der Startnummer 98 und den Fahrern Lucas Auer, Tom Blomqvist, Philipp Eng und Marco Wittmann den vierten Platz. Der #101 BMW M6 GT3 von Walkenhorst Motorsport kam auf Position zwölf ins Ziel. Das AM-Fahrzeug mit der Nummer 100 wurde nach mehreren Zwischenfällen und einer langen Reparaturpause nicht gewertet.

Das BMW Junior Team beendete seine Premiere bei einem 24-Stunden-Rennen mit Bravour. Dan Harper, Max Hesse und Neil Verhagen leisteten sich trotz schwieriger Bedingungen so gut wie keine Fehler und kamen im #73 BMW M4 GT4 als Sieger in der Klasse SP8T und auf Position 19 im Gesamtklassement ins Ziel. Damit waren sie das beste nicht GT3-Team im gesamten Feld.

Das BMW M2 CS Racing Medienfahrzeug im speziellen Jubiläumsdesign wurde rund vier Stunden vor dem Ziel durch eine Kollision mit einem schnelleren Fahrzeug zurückgeworfen. Es konnte jedoch nach einer Reparaturpause des Einsatzteams Pixum CFN Adrenalin Motorsport weiterfahren und das Rennen beenden. Am Steuer wechselten sich die Profi-Rennfahrer Dirk Adorf und Tom Coronel mit den beiden Journalisten Christian Gebhardt und Niki Schelle ab.

Nach dem Sieg war die Stummung bei den Teamchef ausgelassen. Jens Marquardt, BMW Group Motorsport Direktor, sagte: „Was für ein fantastischer Sieg! 50 Jahre nach dem ersten Gesamtsieg für BMW bei den 24 Stunden auf dem Nürburgring schließt sich nun mit dem 20. Triumph ein Kreis. Herzlichen Glückwunsch an die gesamte Mannschaft von ROWE Racing sowie an die Fahrer Nick Catsburg, Alexander Sims und Nick Yelloly. Sie haben sich auch durch die Schwierigkeiten, die wir vor allem im Nassen hatten, nicht aus dem Konzept bringen lassen und in den letzten Stunden bei zunächst abtrocknender Strecke und dann wieder einsetzendem Regen eine grandiose Aufholjagd gezeigt. Dank einer perfekten Teamleistung haben alle Verantwortlichen immer zum richtigen Zeitpunkt die richtigen Entscheidungen getroffen. Die Schlussphase, in der es um jede Sekunde ging, war unfassbar nervenaufreibend. Wir haben mit dem BMW M6 GT3 bereits viele Anläufe genommen, dieses für BMW Motorsport extrem wichtige und traditionsreiche Rennen zu gewinnen. Nun hat es geklappt, und die Freude darüber ist riesig. Auch die Crews der Startnummern 42 und 98 haben sich herausragend ins Rennen zurückgekämpft und mit den Plätzen drei und vier sehr starke Ergebnisse erzielt. Gratulation an das BMW Team Schnitzer zum Podiumserfolg. Auch über den Klassensieg für den BMW M4 GT4 des BMW Junior Teams freue ich mich sehr. Die Jungs haben ihre Reifeprüfung bei extrem schwierigen Bedingungen bestanden und können stolz auf sich sein. Sie haben einen tollen Job gemacht. Ebenso wie die zahlreichen BMW M Customer Racing Teams, die trotz der außergewöhnlichen Umstände durch die Pandemie hier am Start waren. Auch wenn das diesjährige 24-Stunden-Rennen aufgrund der aktuellen Lage unter ungewöhnlichen Bedingungen stattgefunden hat und wir die zahlreichen Fans rund um die Strecke sehr vermisst haben, ist dieses Rennen für uns ein wahnsinnig emotionaler Höhepunkt in einem bis dato schwierigen Motorsport-Jahr. Vielen Dank an alle, die durch ihre harte Arbeit diesen Erfolg möglich gemacht haben!“

Auch Hans-Peter Naundorf, Teamchef ROWE Racing, war sichtlich zufrieden: „Es ist fantastisch, dass BMW das Rennen hier so gerockt hat. Wir haben gemeinsam gezeigt, was der BMW M6 GT3 wirklich kann. Der Schlüssel zum Erfolg waren die Teamleistung und unsere tolle Fahrerbesetzung, die sich keinen Fehler geleistet hat. Alle Piloten haben grandios gearbeitet und waren auch bei schwierigen Bedingungen am Limit unterwegs. Die Anspannung in den letzten Runden war dann natürlich sehr hoch, weil es einfach extrem eng zuging. Aber Nicky Catsburg hat das wahnsinnig gut zu Ende gebracht. Es war eines der härtesten Rennen, das wir je bestritten haben. Ein großer Dank geht an die Veranstalter, die anderen Teams und Hersteller sowie einfach alle Beteiligten, die das Event durchgezogen haben. Besser kann es nicht laufen, wir sind überglücklich!“

Das Team von Audi Sport Customer Racing musste sich mit dem zweiten Rang zufrieden geben, was angesichts der Zwischenfälle immer noch ein beachtliches Ergebnis ist. Denn Audi musste sich bei der turbulenten 48. Ausgabe der 24 Stunden auf dem Nürburgring im Kampf um den sechsten Gesamtsieg nur um Sekunden geschlagen geben. Die Audi Sport-Piloten Mirko Bortolotti, Christopher Haase und Markus Winkelhock überquerten die Ziellinie bei widrigsten Bedingungen in der Eifel im Audi R8 LMS als Zweite. Dieses Ergebnis erreichten sie zu dritt, nachdem ihr ursprünglich im Audi Sport Team Car Collection eingeplanter vierter Mitstreiter Robin Frijns wegen eines grippalen Infekts ausgefallen war.

Ein ständiger Wechsel zwischen Regen und Trockenheit, dazu eine Rennunterbrechung von 22.33 Uhr am Samstagabend bis 8 Uhr morgens und ein spannender Kampf zwischen Audi und BMW prägten die 24 Stunden Nürburgring 2020. 50 Jahre nach der ersten Ausgabe hat das Langstreckenrennen im Corona-Krisenjahr erstmals im Herbst stattgefunden. „Was für ein Rennen“, sagte Chris Reinke, Leiter Audi Sport customer racing. „Glückwunsch an BMW zum Gesamtsieg. Diesmal hat es nicht ganz gereicht, doch schon in vier Wochen wollen wir in Spa beim nächsten 24-Stunden-Rennen die Nase wieder vorn haben!“

Nordschleifen-Neuling Mirko Bortolotti und seine erfahrenen Audi Sport-Fahrerkollegen Christopher Haase und Markus Winkelhock hatten ein fehlerfreies Rennen bewältigt. Zu dritt waren sie im Audi R8 LMS Nummer 3 aus dem Audi Sport Team Car Collection von Platz elf gestartet und zählten in der zweiten Rennhälfte zu den Anwärtern auf den Sieg. In der heißen Phase lieferten sie sich einen spannenden Zweikampf mit dem BMW Nummer 99. Am Ende mussten sich die drei Audi Sport-Piloten nur um 15 Sekunden geschlagen geben.

Im Kampf um den Sieg hatte Audi noch zwei weitere Eisen im Feuer. Beim Restart am Sonntagmorgen nach der Rennunterbrechung waren die drei Audi R8 LMS der Audi Sport-Teams Phoenix, Land und Car Collection im Formationsflug an der Spitze des Feldes unterwegs. Zwei der drei Rennwagen mit den Vier Ringen erhielten am Sonntagvormittag allerdings eine 32-Sekunden-Strafe. Die Nummer 1 des Audi Sport Team Phoenix erhielt ihre Strafe für einen Fehler bei der Ausfahrt aus der Boxengasse. Von Platz zwölf kämpften sich Nico Müller/Frank Stippler/Dries Vanthoor/Frédéric Vervisch wieder vor, führten zeitweilig und beendeten das Rennen nach einem Ausritt und anschließendem Reifenwechsel in der Schlussphase schließlich auf Platz fünf. Die Stop-and-Go-Strafe für ein Missachten von Flaggensignalen warf die Startnummer 29 des Audi Sport Team Land von Mattia Drudi/Kelvin van der Linde/Christopher Mies/René Rast auf Platz zwölf zurück. Bis ins Ziel verbesserte sich das Team noch auf den sechsten Rang. Auch mehrere Privatfahrerteams von Audi trotzten den harten Bedingungen bis ins Ziel. Das Team Car Collection Motorsport erreichte mit Milan Dontje/Patric Niederhauser/Mike David Ortmann Gesamtrang 16 und war damit zweitbestes Team in der Pro-Am-Wertung. Das Team IronForce Racing erreichte mit Elia Erhart/Pierre Kaffer/Simon Reicher/Jan-Erik Slooten Position 18 und war damit viertbestes Pro-Am-Team. Das Team Giti Tire Motorsport by WS Racing gewann die Kategorie SP8 mit einem Audi R8 LMS GT4. Nachdem die Mannschaft im Vorjahr Rang zwei erreicht hatte, setzten sich diesmal Kari-Pekka Laaksonen, Kristian Jepsen, Jan Sørensen und Roland Waschkau trotz aufwendiger Fahrwerksreparaturen nach einem Ausritt am Samstagabend in ihrer Klasse durch.

Enttäuschend verliefen die 24 Stunden für Mercedes. Mercedes-AMG bleibt beim diesjährigen ADAC TOTAL 24h-Rennen hinter den hohen, selbstgesteckten Zielen zurück. Das Saisonhighlight auf dem Nürburgring war von extremen Wetterbedingungen gekennzeichnet, die für Favoriten-Ausfälle der führenden Mercedes-AMG GT3 Fahrzeuge sorgten und eine über neunstündige Rennunterbrechung nach sich zogen. Nach Wiederaufnahme des Rennens erzielten Patrick Assenheimer, Dominik Baumann, Maro Engel und Dirk Müller vom Mercedes-AMG Team HRT AutoArenA mit dem achten Rang das beste Resultat der GT3 aus Affalterbach. Den neunten Platz belegte das Schwesterfahrzeug des HRT Teams mit Nico Bastian, Yelmer Buurman, Hubert Haupt und Philip Ellis am Steuer. In der Klasse SP8T feierte das Black Falcon Team Textar mit seinem Mercedes-AMG GT4 einen zweiten Klassenplatz.

Das 24-Stunden-Rennen begann für Mercedes-AMG vielversprechend: In beiden Top-Qualifying-Sessions setzte Maro Engel in der Nummer 4 des Mercedes-AMG Team HRT die Bestzeit. Neben der Pole-Position für den AMG Markenbotschafter sicherten sich vier weitere Mercedes-AMG AMG GT3 Startplätze in den ersten fünf Reihen. Nach dem Rennstart etablierte sich rasch eine Doppelführung durch den HRT GT3 mit der 4 und die 9 des Mercedes-AMG Team GetSpeed, in der Raffaele Marciello einen starken ersten Doppelstint hinlegte. Als der Regen in den Nachtstunden stärker wurde, kam es zu turbulenten Szenen und zahlreichen Unfällen auf der Nordschleife. Davon betroffen waren sowohl die 4 als auch die 9, die jeweils in Führung liegend ausfielen. Sieben Stunden nach Rennbeginn entschied sich die Rennleitung zur Unterbrechung des Laufs mit Roter Flagge. Nach der Wiederaufnahme des Rennens am Sonntagmorgen kämpften drei noch in der Führunsgrunde liegende Mercedes-AMG GT3 um eine gute Platzierung. Die besten Karten hatte hierbei die 6 des Mercedes-AMG Team HRT AutoArenA mit Patrick Assenheimer, Dominik Baumann, Dirk Müller und Doppelstarter Maro Engel. In den Morgenstunden machte Engel als Fahrer des Re-Starts sofort Druck nach vorne und brachte die 6 bis auf die vierte Position. Reifenprobleme zwangen das Fahrzeug jedoch zweimal außerplanmäßig an die Box, so dass kein Angriff mehr auf die Podiumsplätze möglich war. Nach 85 Runde überquerte Schlussfahrer Assenheimer die Ziellienie auf dem achten Platz.

Als zweitbester Mercedes-AMG GT3 kam die Startnummer 2 des Mercedes-AMG Team HRT mit Nico Bastian, Yelmer Buurman, Hubert Haupt und Philip Ellis auf dem neunten Platz ins Ziel. Das Fahrzeug im auffälligen Design erlebte ebenfalls ein turbulentes Rennwochenende. Ein Unfall im zweiten Qualifying am Donnerstag stellte das Team vor die Aufgabe, in kürzerster Zeit eine aufwändige Reparatur zu stemmen. Rechtzeitig zum Top-Qualifying am Freitagabend stand das Fahrzeug wieder in der Startauftstellung und wahrte so seine Chancen. Stefan Wendl, Leiter Mercedes-AMG Customer Racing analysierte das Rennen nüchtern: „Angesichts des späten Termins und der Wettervorhersage war im Vorfeld klar, dass dieses 24-Stunden-Rennen eine ganz besondere Herausforderung für Fahrer und Teams werden wird. Darauf haben wir uns alle sehr gut vorbereitet. Umso ärgerlicher natürlich der Rennverlauf und unser Abschneiden, zumal wir uns im Qualifying sehr gute Ausgangspositionen geschaffen haben. Nachdem wir im Nassen das Rennen lange Zeit dominieren konnten, sind uns gerade diese wechselhaften Bedingungen leider kurz vor der Rennunterbrechung zum Verhängnis geworden. Natürlich ist das gesamte Resultat enttäuschend, da uns die nötige Portion Glück an diesem Wochenende nicht vergönnt war!“

Dauerregen, Unfälle, Rennabbruch über fast neun Stunden. Porsche hat mit seinen Kundenteams trotz schwerster Bedingungen beim 24-Stunden-Rennen auf der Nürburgring-Nordschleife sechs der sieben 911 GT3 R ins Ziel gebracht. Als bestes Auto hat die Startnummer 31 von Frikadelli Racing mit dem französischen Werksfahrer Mathieu Jaminet, den Deutschen Lars Kern und Lance David Arnold sowie dem Belgier Maxime Martin Platz sieben erreicht. Die Startnummer 25 von Huber Motorsport mit Patrick Kolb, Marco Holzer, Nico Menzel und Lorenzo Rocco di Torrepadula konnte die gesonderte Pro-Am-Wertung in der GT3-Klasse für sich entscheiden.

Ständig wechselnde Witterung mit zum Teil heftigem Starkregen sorgte in der Nacht für eine knapp neunstündige Unterbrechung des Langstreckenklassikers. Schon im Vorfeld stand der Sportwagenhersteller vor großen Herausforderungen: Nach drei positiven Covid-19-Test innerhalb des Teams bei den 24 Stunden von Le Mans hatte Porsche Motorsport als Vorsichtsmaßnahme die Anreise aller dort beschäftigten Mitarbeiter zum Nürburgring ausgeschlossen. Dies betraf auch alle Fahrer mit Werksvertrag. Daraufhin mussten in kürzester Zeit nahezu alle 911 GT3 R-Crews neu besetzt werden. Das von den Fans ‚Grello‘ genannte Kult-Auto von Manthey-Racing konnte gar nicht an dem Nürburgring-Saisonhöhepunkt teilnehmen.

Fotos (c) BMW AG, Daimler AG, Ferdi Kräling Motorsportbild GmbH, Porsche AG