WRC Estland: Heimsieg für Tänak!

Sechs Monate nach dem letzten Meisterschaftslauf in der WRC, damals im März bei der Rally Mexico, war Hyundai Motorsport bei der Rally Estonia wieder im Geschäft und mit einem fantastischen Doppelsieg auch wieder auf der Erfolgsspur!

Die Esten Ott Tänak und Copilot Martin Järveoja, die an ihrer vierten Veranstaltung für das Hyundai Team – und ihrem Heimatlauf – teilnahmen, holten sich im i20 Coupe WRC ihren ersten Sieg. Es war eine meisterhafte Vorstellung, wie sie dem Druck standhielten. „Die erste WRC-Veranstaltung in Estland war eine, die ich gewinnen musste, auch im Bewusstsein, dass es mein erster Sieg mit Hyundai Motorsport sein würde“, sagte Ott Tänak. „Ich konnte mir keine Fehler erlauben, keine Risiken eingehen und musste dennoch mit dem für einen Sieg erforderlichen Tempo fahren; all dies unter einen Hut zu bringen, war eine echte Herausforderung!“ Das Ergebnis markierte – nach den zweiten Plätzen in Schweden und Mexiko – das dritte aufeinander folgende Podium der Crew und beförderte Ott Tänak auf den dritten Platz in der Fahrerwertung. „Wir mussten diese Chance nutzen, um wieder Punkte für die Meisterschaft zu holen, und zum Glück konnten wir sie gut nutzen“, sagte er.

Die irische Crew mit Craig Breen und Paul Nagle landete auf dem zweiten Platz und holte ihr erstes Podium für das Team aus Alzenau und damit dieses besondere Gefühl, das nur ein Doppelsieg verleiht. Im Ergebnis sind wir bis auf fünf Punkte an den Führenden in der Herstellerwertung herangekommen. „Welch ein unglaubliches Wochenende“, sagte Craig. „Ab den ersten Kilometern der Rallye lief alles einfach glatt. Das Auto hat alles genau so gemacht, wie ich es von ihm verlangte, und es hat mir das Vertrauen gegeben, das ich benötigte!“

Leider war das Wochenende für Hyundai Chefpilot Thierry Neuville und seinen Co Nicolas Gilsoul eines, das sie lieber schnell vergessen wollen, nachdem sie am Samstag auf der Etappe von Prangli von der Ideallinie abkamen. Auf der Power Stage von Kambja erlitten sie dann ein mechanisches Problem, was sie zur Aufgabe auf dem Straßenabschnitt zwang. „Das war definitiv nicht unser Wochenende“, sagte ein niedergeschlagener Thierry. „Unser heutiges Ziel war, auf der Power Stage ein paar Punkte zu holen, aber wir hatten vor dem Start ein Problem, weshalb wir nicht mit dem erforderlichen Tempo fahren konnten. Enttäuschend, aber nächstes Mal wird es besser!“

Der intensive und herausfordernde Zeitplan der Rally Estonia sah 17 Etappen vor, die hauptsächlich an zwei Tagen stattfanden. Alle drei Hyundai-Crews holten am Samstag Etappensiege (drei für Tänak, zwei für Breen und einer für Neuville), während der abschließende Tag etwas vorsichtiger und gemäßigter ablief, jedoch mit einem großartigen Ergebnis für das Team. Hyundai Teamdirektor Andrea Adamo blickte auf ein emotionales Ergebnis zurück: „Nach Mexiko standen wir alle vor einer schwierigen Zeit. Sechs Monate später hier in Estland einen Doppelsieg zu feiern, ist ein unglaubliches Gefühl. Ich weiß, wie sehr ich meine Leute unter Druck gesetzt habe, während ich versuchte, angesichts der ungewissen Situation ruhig zu bleiben. Ich bin auf sie alle stolz und glücklich, dass wir dieses Ergebnis gemeinsam feiern können!“

Mit einem Podiumsplatz beendet das Toyota Gazoo Racing World Rally Team die Zwangspause in der FIA Rallye-Weltmeisterschaft WRC. Sébastian Ogier landete bei der Rallye Estland auf dem dritten Rang und baute seine Führung in der Fahrerwertung aus. Der ärgste Verfolger bleibt Teamkollege Elfyn Evans, der beim vierten Lauf im Toyota Yaris WRC auf Position vier durch das Ziel fuhr. Nach dem Corona-bedingten Neustart erwischte Toyota einen nahezu perfekten Finaltag: Sechs von sechs Prüfungssiegen am Sonntag fuhr ein Toyota Yaris WRC ein. Ogier und sein Beifahrer Julien Ingrassia erzielten zwei Prüfungssiege und sicherten sich den dritten Gesamtrang, nur 4,7 Sekunden hinter dem zweiten Platz. Die erste Prüfung des Tages entschieden Elfyn Evans und Co-Pilot Scott Martin für sich, die mit ihrem zweiten Platz in der abschließenden Power Stage das Podium knapp verpassten. In der Fahrerwertung fehlen nun neun Punkte auf den Teamkollegen.

Auch der dritte Stammfahrer durfte sich freuen: Kalle Rovanperä und Beifahrer Jonne Halttunen gewannen drei der Sonntagsprüfungen und insgesamt fünf über das gesamte Wochenende. Bei seinem erst vierten Start in der höchsten Rallye-Klasse bewies Rovanperä einmal mehr, dass er mit seiner Geschwindigkeit um Siege mitkämpfen kann. Am Samstagmorgen führte er sogar zum ersten Mal einen WM-Lauf an, bevor er rund 30 Sekunden wegen eines Reifenproblems und eine Minute wegen einer Zeitstrafe für einen Verstoß in einer Zeitkontrolle verlor. Durch den Triumph in der Power Stage landete er trotzdem auf einem starken fünften Platz mit nur 1:18,7 Minuten Rückstand auf den Sieger.

Takamoto Katsuta, Nachwuchstalent aus dem Toyota Gazoo Racing WRC Challenge Programm, begann den Abschlusstag als Fünfter im Gesamtklassement. Nachdem er seine bisher beste Leistung im Rallyesport gezeigt hatte, musste er das Rennen jedoch vorzeitig beenden.

„Das Ergebnis der Rallye Estland ist sehr gut für das gesamte Team und hält uns sowohl in der Fahrer- als auch in der Hersteller-Meisterschaft an der Spitze“, freut sich Teamchef Tommi Mäkinen. „Dennoch sind wir mit unserer Leistung nicht ganz zufrieden. Unsere Abstimmung war nicht ideal für die Bedingungen, die wir hier vorfanden und die von den Testfahrten abwichen. Unter den schnelleren Bedingungen heute konnten alle unsere Fahrer die schnellsten Zeiten fahren. Kalles Geschwindigkeit ist für einen so jungen Fahrer besonders beeindruckend. Er kann seine beste Leistung offenbar dann abrufen, wenn er wie hier in der Power Stage unter großem Druck steht. Ohne das Reifenproblem gestern hätte er sogar noch ein viel besseres Gesamtergebnis erzielen können!“

M-Sport Ford hat in Estland beim Restart der Rallye-Weltmeisterschaft nach der gut halbjährigen Corona-Pause die Plätze sechs, sieben und acht eingefahren. Teemu Suninen und Beifahrer Jarmo Lehtinen konnten sich mit ihrem über 385 PS starken Fiesta World Rally Car (WRC) auf den 17 Wertungsprüfungen (WP) rund um die Universitätsstadt Tartu knapp gegen ihre finnischen Teamkollegen Esapekka Lappi/Janne Ferm und die britische Nachwuchs-Crew Gus Greensmith/Elliott Edmondson durchsetzen. Mit einer WP-Gesamtlänge von gut 234 Kilometern und einem Zweitagesformat war die Rallye Estland einer der kürzesten WM-Läufe in der Geschichte des 1973 gegründeten Championats. Dabei hatte die erste WM-Rallye in dem nordöstlichsten der drei Baltenstaaten für M-Sport vielversprechend begonnen: Lappi/Ferm setzten auf der ersten Prüfung am Freitagabend auf den Straßen von Tartu die Bestzeit, Suninen/Lehtinen belegten kaum 1,5 Sekunden langsamer Rang zehn. Mit dem Start in die Samstagsetappe büßten beide Fiesta WRC-Besatzungen auf den rasant schnellen Schotterpisten jedoch den Anschluss zur Spitzengruppe ein. Zur Mittagspause rangierte Lappi auf Platz acht, Wahl-Este Suninen lag mit 6,9 Sekunden Rückstand gleich dahinter auf der neunten Position. Am Nachmittag lief es für beide besser und sie konnten sich auf die Plätze sieben und acht verbessern. Gus Greensmith hatte zu diesem Zeitpunkt den Sprung in die Top 10 geschafft.

Am Sonntag musste Lappi eine Schrecksekunde meistern, als sich sein Turbo-Allradler in einer Spurrille verfing und zu einem Dreher ansetzte. Die ungewollte Einlage kostete den 29-Jährigen aus Pieksimäki rund zehn Sekunden Zeit und die sechste Position, denn Suninen konnte sich mit immer stärker zurückkehrendem Vertrauen speziell in den Highspeed-Passagen gegenüber dem Vortag deutlich verbessern. Auch Greensmith zeigte im Laufe der Veranstaltung eine deutliche Leistungssteigerung und stellte damit seine Lernfähigkeit einmal mehr unter Beweis. In der WRC2-Kategorie fuhren Adrien Fourmaux und Copilot Renaud Jamoul mit ihrem Ford Fiesta Rally2 nach einer beeindruckenden Vorstellung gegen harte Konkurrenz auf Rang zwei vor. Auch dieser Turbo-Allradler wird von einem 1,6 Liter großen Ford EcoBoost-Motor angetrieben. Er leistet rund 300 PS.

„Dass Esapekka Lappi am Freitagabend mit dem Fiesta WRC die Bestzeit geholt hat, darüber haben wir uns natürlich sehr gefreut“, erklärt M-Sport-Teamchef Richard Millener. „Danach erwies sich die Rallye für uns aber zunehmend als schwierig. Sicher konnten wir nicht so viel Testen wie unsere Kontrahenten, aber dennoch hatten wir uns etwas mehr ausgerechnet. Unsere drei Fahrer waren froh, endlich wieder hinter dem Volant zu sitzen. Alles in allem sind wir aber froh, dass der Rallye-WM der Neustart gelungen ist. Die Veranstalter der Rallye Estland haben einen tollen Job gemacht. Wir blicken jetzt den bevorstehenden WM-Läufen entgegen, bei denen wir wieder besser abschneiden sollten.“

Weiter geht es im modifizierten WRC-Kalender mit der Rallye Türkei (18. bis 20. September): Rund um Marmaris an der Mittelmeerküste messen sich die Teams auf steinigen Schotterstraßen. Hohe Temperaturen machen diese Veranstaltung zu einer besonderen Herausforderung.

Endgültige Gesamtwertung – Rally Estonia
1 O. Tänak / M. Järveoja (Hyundai i20 Coupe WRC) 1:59:53.6
2 C. Breen / P. Nagle (Hyundai i20 Coupe WRC) +22.2
3 S. Ogier / J. Ingrassia (Toyota Yaris WRC) +26.9
4 E. Evans / S. Martin (Toyota Yaris WRC) +41.9
5 K. Rovanperä / J. Halttunen (Toyota Yaris WRC) +1:18.7
6 T. Suninen / J. Lehtinen (Ford Fiesta WRC) +2:39.6
7 E. Lappi / J. Ferm (Ford Fiesta WRC) +2:52.0
8 G. Greensmith / E. Edmondson (Ford Fiesta WRC) +4:53.8
9 O. Solberg / A. Johnston (Volkswagen Polo R5) +7:38.6
10 M. Østberg / T. Eriksen (Citroën C3 R5) +8:17.3

FIA Rallye-Weltmeisterschaft 2020 – Herstellerwertung nach Runde 4

1 Toyota Gazoo Racing World Rally Team 137
2 Hyundai Shell Mobis World Rally Team 132
3 M-Sport Ford World Rally Team 83

FIA Rallye-Weltmeisterschaft 2020 – Fahrerwertung nach Runde 4

1 S. Ogier 79
2 E. Evans 70
3 O. Tänak 66
4 K. Rovanperä 55
5 T. Neuville 42
6 T. Suninen 34
7 E. Lappi 30
8 C. Breen 25
9 S.Loeb 8
10 T. Katsuta 8

Fotos (c) Hyundai Motorsport GmbH, Toyota Deutschland, Toyota Gazoo Racing WRT, Ford Werke GmbH