98. Race To The Clouds: Clints Tag!

Für die Fans des mit Abstand größten Bergrennens der Welt war der vergangene Sonntag eine Enttäuschung mit Ansage. Wegen der Covid-19 Pandemie wurde das Rennen auf den 30. August verschoben. es waren nur 44 Teilnehmer am Start. Große Hersteller fehlten völlig. Zuschauer und die spektakuläre Motorradklasse waren ebenso untersagt. Trotzdem wurde es für einen Piloten ein großartiger Tag!

Es war ein großartiger Tag auf ‚America’s Mountain‘ für den erfahrenen Bergsteiger Clint Vahsholtz, der mit seinem Ford Open-Wheeler bei seinem 29. Berglauf beim Pikes Peak International Hill Climb seinen 24. Sieg – und seinen ersten Gesamtsieg – erzielte. Vahsholtz gewann in 9.35,490 Minuten und setzte sich damit nur 0,691 Sekunden vor seinem Landsmann Paul Dallenbach aus Colorado in einem weiteren Open-Wheel-Einsatz durch. In einem für das altehrwürdige Bergrennen herausfordernden Jahr, in dem Zuschauer wegen der COVID-19-Pandemie verboten waren und keine Motorräder am Start waren, war der Sieg von Vahsholtz ein notwendiger emotionaler Impuls und fügte der Geschichte der Familie Vahsholtz beim ‚Race To The Clouds‘ eine weitere Geschichte hinzu. Seit 1977 war mindestens ein Familienmitglied der Colorado-Familie im Rennen, und Clint, heute 47 Jahre alt, hält mit 24 Siegen in Autos und Motorrädern die meisten Divisions- und Klassensiege in Pikes Peak von allen Konkurrenten aller Zeiten. Aber insgesamt hatte er noch nie gewonnen – bis gestern.

Dritter in der Gesamtwertung und Sieger in der Klasse Time Attack 1 war David Donner, der in seinem 2019er Porsche GT2 RS Clubsport eine 9.356,559 Minuten fuhr und damit die Pikes Peak Hall von Famer Jeff Zwart zu Klassenerfolgen machte. Zwart, Fünfter in der Gesamtwertung, erreichte die Spitze in 9.43,921 Minuten in seinem Porsche 935-19. „Ich habe versucht, so gut wie möglich zu laufen, aber ich weiß, dass noch etwas auf dem Tisch lag“, sagte Vahsholtz nach seinem Lauf. „Aber größtenteils war es einer meiner Top-Fünf-Läufe, und das Auto hat wirklich gut abgeschnitten. Die letzten drei oder vier Jahre war die Strecke sehr rau, dieses Jahr vielleicht an einigen Stellen etwas schlechter, aber vielleicht an anderen Stellen sogar etwas besser. Aber so ist das mit dem Berg!“

Vahsholtz‘ Sohn Codie gehörte zu jenen, die bei der diesjährigen Veranstaltung ins Abseits gedrängt wurden, nachdem die Rennoffiziellen nach dem Tod des Motorradrennfahrers Carlin Dunne bei der letztjährigen Veranstaltung beschlossen hatten, die Motorrad-Kategorie wegen Sicherheitsbedenken zu streichen. Der ältere Vahsholtz drückte die Hoffnung aus, dass die Motorräder zurückkommen werden.

„Codie hat mir heute geholfen, und er war diese Woche deprimiert“, sagte sein Vater. „Hoffentlich können sie die Probleme, die mit den Motorrädern passiert sind, lösen. Ich bin mit Motorrädern aufgewachsen – ich bin ein Motorradrennfahrer der ersten Generation hier oben und ich denke, dass sie hier sein müssen, sie müssen nur noch die Details ausarbeiten.

Das Berg-Rennen Pikes Peak in den Rocky Mountains im US-Bundesstaat Colorado ist doch noch zu einem Erfolg für zwei der drei Teams geworden, die mit dem Tesla Model 3 dort antraten – und auf gewisse Weise noch stärker für Tesla selbst und die Gemeinschaft, die sich um seine Elektroautos gebildet hat. Denn zum einen waren zwei modifizierte Tesla Model 3 Performance bei dem Rennen am Sonntag die schnellsten ihrer Klasse, und das erste stellte darin einen neuen Elektroauto-Rekord auf. Fast ergreifend ist aber die Geschichte hinter dem zweiten Tesla: Mit dem hatte der Rennfahrer Rand Pobst im Training einen schweren Unfall und dachte, er müsse aufgeben. Doch mit reichlich Unterstützung auch von Tesla-Technikern wurde sein Model 3 rechtzeitig wieder fertig und Pobst konnte es bis zum Ziel in 4300 Metern Höhe jagen.

Der konzertierte Einsatz ab Freitag brachte ihn dann zurück ins Rennen. Und angesichts der Tatsache, dass Pobst kaum trainieren konnte, schlug er sich am Sonntag hervorragend: 11 Minuten, 4 Sekunden und 13 Hundertstel brauchte er für den gesamten Weg, nur etwa 1,3 Sekunden länger als das andere Model 3 Performance. An dessen Steuer saß Blake Fuller, der mit einem Tesla Model S Performance schon der bisherige Rekord-Halter für Serien-Elektroautos bei dem Rennen war. Die eigene Bestzeit aus 2016 verbesserte er jetzt um rund 45 Sekunden. Und auch Pobst hätte vielleicht noch schneller sein können, aber wie in einem Video aus seinem Tesla zu sehen ist, zeigte das Model 3 schon bald nach dem Start und deshalb wahrscheinlich nicht korrekt eine rote Batterie und eine Warn-Meldung an.

Den absoluten Rekord in Pikes Peak hält auch nach Sonntag ebenfalls ein Elektroauto, und zwar ein deutsches: der VW ID.R, der aber eigens für diesen Zweck gebaut wurde und deshalb in einer anderen Klasse fährt als die Teslas. Im Jahr 2018 schaffte er es in 7 Minuten 57 Sekunden und 14 Hundertstel nach ganz oben.

Fotos (c) KRDO, Porsche USA