F1 Spanien: Hamilton und die Langeweile!

Er kämpft. Er schimpft. Er rettet Rang sieben. Fast so etwas wie ein Erfolgserlebnis für Vettel. Der Kollege kommt gar nicht ins Ziel. Sieger: Hamilton. Zweiter: Verstappen. Wirklich spannend geht anders. Sebastian Vettel hat beim Formel-1-Langweiler von Barcelona eine Alles-oder-Nichts-Taktik zumindest vor dem erneuten Absturz ins Niemandsland bewahrt. Der viermalige Weltmeister versuchte mit einer waghalsigen Ein-Stopp-Strategie, wenigstens ein paar Punkte am Sonntag beim Großen Preis von Spanien zu retten und landete am Ende beim vierten Saisonsieg im sechsten Rennen des Titelverteidigers und WM-Spitzenreiters Lewis Hamilton auf dem siebten Platz. Teamkollege Charles Leclerc schaffte es im Ferrari nicht mal ins Ziel wegen eines Elektronik-Defekts!

Vorne feierte Hamilton seinen 88. Karrieresieg. Der Mercedes-Pilot verwies in einem unspektakulären Rennen auf dem Circuit de Barcelona-Catalunya WM-Verfolger Max Verstappen von Red Bull auf den zweiten Rang, Dritter wurde der WM-Dritte Valtteri Bottas. Lewis war nach dem Rennen sichtlich zufrieden und sagte: „Das ist ein fantastisches Gefühl. Ich war wie in meiner eigenen Welt und bemerkte gar nicht, dass es die letzte Rennrunde war. So konzentriert war ich. Ich kann mich nicht daran erinnern, wann ich das zuletzt gefühlt habe. Das war etwas Besonderes und eine echte Überraschung, nachdem wir erst kürzlich Reifenprobleme hatten. Wir haben alle Lehren vom vergangenen Wochenende eingebracht und das sorgte dafür, dass wir heute gut abgeschnitten haben. Das war eine großartige Mannschaftsleistung und ich bin dankbar für die harte Arbeit, die alle leisten. Vielen Dank an jeden Einzelnen in unseren Werken. Ich hatte einen perfekten Start, danach drehte sich alles um das Reifen-Management. Es war sehr heiß und fordernd, aber ich konzentrierte mich voll darauf, achtsam mit meinen Reifen umzugehen und das Auto nach Hause zu bringen. Was für ein fantastisches Ergebnis!“

Valtteri Bottas war das schlechte Abschneiden trotz kämpferischer Leistung anzumerken: „Das Ergebnis ist natürlich enttäuschend. Ich bin nicht hier, um Dritter zu werden. Der Start war entscheidend für mein Rennen. Er war einfach nicht gut genug und ich habe viele Plätze verloren. Wir werden uns das jetzt ansehen, aber die Fahrer hinter mir hatten einen guten Windschatten und konnten mich überholen. Auf einer Strecke wie dieser, auf der das Überholen im Rennen schwierig und die Streckenposition entscheidend ist, erlebst du nach Platzverlusten ein sehr hartes Rennen. Mit einem anderen Start hätte das Ergebnis sicher anders ausgesehen. Ich musste im ersten Stint alles geben, um Boden gutzumachen, was gut funktioniert hat. Im zweiten Stint lag ich beinahe die ganze Zeit direkt hinter Max, aber hier ist das Überholen so schwierig, dass man dafür einen großen Zeitunterschied benötigt. Am Ende hatten wir den Vorsprung für einen zusätzlichen Boxenstopp, sodass ich auf frischen Reifen die schnellste Rennrunde fahren konnte. Alles in allem hatte ich mir das Rennen anders vorgestellt, aber heute hat es nicht sollen sein. Jetzt werden wir das genau studieren und uns auf das nächste Rennen konzentrieren!“

Vettel überstand den Start mitten im Feld von Rang elf immerhin unbeschadet. Plätze gut machen konnte der zum Mittelfeldfahrer in seinem Ferrari degradierte Deutsche da aber noch nicht. Vettel hatte allerdings auch die etwas härtere Mischung aufziehen lassen, die nicht so schnell, dafür aber haltbarer ist. Bei leicht bewölktem Himmel, aber einer höheren Asphalttemperatur kam es einmal mehr auf das richtige Reifenmanagement an.

Darum ging es vor allem auch bei Verstappen, der am vergangenen Sonntag die massiven Probleme der beiden Mercedes mit Blasen auf den Reifen ausgenutzt und das Rennen gewonnen hatte. Startplatz drei hinter Hamilton und Bottas. Das Freitagstraining hatte aber gezeigt, dass der Red Bull über die Renndistanz gleichauf mit den weiterhin schwarz lackierten Silberpfeilen ist.

Hamilton gelang ein sauberer Start, der 35 Jahre alte Brite verteidigte die 92. Pole seiner Karriere souverän. Ganz anders Bottas: Der 30 Jahre alte Finne, der vor einem Jahr die Pole nicht zum Sieg hatte nutzen können, wurde von Verstappen und auch Lance Stroll von Racing Point überholt. Das Mercedes-Duo gesprengt, auch wenn Bottas zunächst wieder auf Platz drei vorfahren konnte. Gut für Verstappen, der sich vor vier Jahren in Spanien als jüngster Grand-Prix-Gewinner der Formel 1 verewigen konnte. Verstappen blieb auch in Sichtweite, der 22 Jahre alte Niederländer ließ sich aber nicht täuschen. Hamilton fahre vorn „super langsam“, funkte er an seine Box. Als der Brite mal etwas aufdrehte, wuchs der Vorsprung prompt auf über fünf Sekunden. Der Kurs wurde seinem Ruf als Rennstrecke, auf der nur sehr schwer überholt werden kann, wieder einmal gerecht. Action auf der Strecke Fehlanzeige.

Vettel sollte von den Reifenwechseln zunächst profitieren, als Elfter hatte er freie Wahl der Gummis gehabt und konnte länger draußen bleiben als einige der Rivalen. In Runde 30 von 66 Umläufen holte sich Vettels Teamkollege Leclerc dann neue Reifen, die ganz weichen waren am Ende. Die etwas härteren von Vettel überraschend allerdings auch. Der 33 Jahre alte Heppenheimer kam ebenfalls rein und wurde mit der weichsten Mischung zurück auf die Strecke geschickt, Rang 14. Damit war eigentlich klar: Vettel müsste noch mal reinkommen. Oder?

Die Gründe blieben zunächst unklar. Teamchef Mattia Binotto hatte aber zuvor in einem Interview der „Bild am Sonntag“ schon betont: „Wir helfen ihm, wo es nur geht. Wir stehen zu Sebastian, so wie er auch zu Ferrari und unserer ganzen Mannschaft an der Strecke steht.“ Er meinte auch: „Ich verstehe, dass in Deutschland jetzt viel über angebliche Spannungen zwischen ihm und uns geschrieben wurde, aber das ist alles totaler Schwachsinn.“

Dunkle Wolken zogen trotzdem auf. Nach Tagen gleißenden Sonnenscheins drohte auf einmal Regen. Für Leclerc war es aber noch im Trockenen vorbei. Der Wagen drehte sich auf einmal, der Motor ging aus. Leclerc brachte das Auto noch mal ans Laufen, fiel aber auf den letzten Platz zurück und schleppte seinen defekten Ferrari in die Box. „Dummerweise war das Rennen schon gelaufen, bevor der Motor ausging.“

Vettel arbeitete sich durch weitere Reifenwechsel der Rivalen weiter nach vorn und wollte von der Box wissen, wieviel Gas er geben könnte, während vorn Verstappen erneut zum Reifenwechsel reinkam und zunächst auf Rang drei abrutschte. Eine Antwort blieb aus. Dann funkte auf einmal die Box und fragte Vettel, ob er mit den Reifen zu Ende fahren wolle. „Das hab ich euch doch vorhin gefragt“, konterte Vettel, und ein Teil seiner Antwort wurde überpiept.

Der Große Preis von Spanien war alles andere ans spannend und spektakulär. Ganz im Gegensatz zum Sonntagslauf der DTM auf dem Lausitzring. Dort ging es von der ersten bis zur letzten Runde drunter und drüber. Doch dazu morgen mehr!

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