F1 Budapest: Hamilton unschlagbar!

Weltmeister Lewis Hamilton fährt auf dem Hungaroring sein eigenes Rennen im Rennen und der staunenden Konkurrenz bleibt auch in Ungarn nur der Kampf um den Platz hinter dem brilliant fahrenden Mercdes-Piloten!

Lewis Hamilton hat auf seiner atemberaubenden Jagd nach sämtlichen Bestmarken der Formel 1 einen weiteren Rekord von Michael Schumacher eingestellt und dabei nicht nur Sebastian Vettel und Ferrari auf Platz sechs zu Statisten degradiert. Mit erdrückender Dominanz gewann Hamilton in seinem unschlagbaren Mercedes zum achten Mal den Großen Preis von Ungarn – acht Siege auf derselben Strecke hatte zuvor nur Schumacher in Magny-Cours geholt. Kaum vorstellbar, dass dessen Rekord von sieben WM-Titeln Hamiltons Ansturm über das Saisonende hinaus standhält. „Ob ihr es glaubt oder nicht, ich musste trotzdem Gas geben“, sagte Hamilton den Medien. „Es ist eines meiner Lieblingsrennen, ich habe fast mein eigenes Rennen fahren können. Aber ohne dieses Team und dieses Auto hätte ich es nicht geschafft. In den letzten beiden Rennen war alles fantastisch, auf den Punkt. Wir hatten heute eine klasse Pace, brillante Boxenstopps, eine fantastische Strategie und nachdem ich eine sehr lange Zeit auf meine Medium-Reifen geachtet hatte, war es genau der richtige Zeitpunkt, um auf einen frischen Reifensatz zu wechseln und mir den Zusatzpunkt für die schnellste Runde zu holen. Das gesamte Wochenende über lief alles perfekt und wir müssen versuchen, genauso weiterzumachen. Jetzt kann ich Silverstone kaum noch erwarten. Natürlich werde ich den Boost der Fans vermissen, aber ich hoffe, dass ich auch dort für sie meine Leistung abrufen kann, denn ich weiß, dass sie mir von Zuhause aus zusehen werden!“

Für Vettel, der zwölf Runden vor Ende des Rennens von Hamilton überrundet wurde, sich trotz der Unterlegenheit des Ferrari aber bravourös schlug, war das Podium in unerreichbarer Ferne. Bezeichnend: Rang sechs bedeutet das beste Saisonergebnis des viermaligen Weltmeisters. Die Plätze zwei und drei belegten Max Verstappen im Red Bull und Hamiltons Teamkollege Valtteri Bottas, der nach einem durchwachsenen Start noch eine Aufholjagd startete. Zufrieden war Bottas mit seinem Rennen aber trotzdem nicht. „Das war ein hartes Rennen. Vom zweiten Startplatz hatte ich mir natürlich den Sieg zum Ziel gesetzt, aber ich hatte einen schlechten Start und habe dadurch einige Positionen verloren. Ich reagierte nicht auf die Startampel, sondern auf ein Licht an meinem Lenkrad, das anging. Dadurch schaltete sich das Anti-Stallsystem des Autos ein, ich musste den Start wiederholen und habe an Boden verloren. Danach erwartete mich ein sehr schwieriges Rennen, in dem ich bis zum Ende kämpfen musste. Es war sehr eng gegen Max und ich glaube, dass es das Risiko wert war, einen späten Boxenstopp einzulegen. Das brachte mir einen Vorteil bei den Reifen, aber leider ist es am Ende nicht aufgegangen. Ich konnte aber trotzdem eine gute Punkteausbeute mitnehmen und an diesem Wochenende viel für Silverstone lernen!“

Verstappen erklärte: „Zweiter zu werden unter diesen Umständen ist wie ein Sieg. Wir haben es geschafft, zwischen die Mercedes zu fahren.“ Bottas hingegen haderte: „Ich habe es beim Start schon verloren. Es war ein schlechtes Rennen.“ Vettel hingegen schöpfte nach desolaten Spielberg-Tagen neue Hoffnung. „Es war ein besseres Wochenende als zuletzt, aber wir haben noch viel Arbeit vor uns“, sagte Vettel: „Mercedes fährt nicht auf einem eigenen Planeten, sondern in einem ganz anderen Universum.“

Das Universum bedankte sich gewohnt wortreich bei seiner Crew. „Es erfüllt mich mit Demut, weil ich mit so einer fantastischen Gruppe zusammenarbeiten darf“, sagte Hamilton: „Vielen, vielen Dank an jeden Zuhause und hier an der Strecke, mein Auto läuft wie auf Schienen.“ Auf dem nur 4,3 km langen Kurs hatte der sechsmalige Champion lange Zeit mehr als 25 Sekunden Vorsprung, sodass er sich kurz vor Rennende noch bequem einen weiteren Reifenwechsel leisten konnte – um den Rundenrekord zu brechen. 90 Minuten vor dem Start hatte heftiger Regen über dem Hungaroring eingesetzt, die Strecke trocknete nicht rechtzeitig ab, sodass fast alle Fahrer auf Intermediate-Reifen setzten. Bottas und Perez kamen beim Start überhaupt nicht vom Fleck, dafür machten Vettel und sein Teamkollege Charles Leclerc richtig Tempo.

Nach vier Runden hatten sich die Verhältnisse so verändert, dass die Mehrzahl auf Slicks wechselte. Der Verkehr in der Boxengasse kostete vor allem Vettel viel Zeit, er brauchte danach einige Runden, um sich wieder heranzukämpfen, steckte aber nie auf.

An der Spitze zog Hamilton mit einer Rundenbestzeit nach der anderen einsam seine Kreise. Dahinter etablierte sich Verstappen, dessen Teilnahme nach einem Crash in der Anfahrt zur Startaufstellung in Frage gestanden hatte. „Es ist die Aufhängung“, funkte Verstappen in die Box, rettete sein demoliertes Auto aber an den Start, wo die Mechaniker in einer Hau-Ruck-Aktion den Boliden klar machten.

Mit dem reparierten Auto biss sich Verstappen dann entschlossen hinter Hamilton fest, ohne den Weltmeister zu irgendeiner Zeit gefährden zu können. „Wir können uns eigentlich nur selbst gefährlich werden“, hatte Mercedes-Teamchef Toto Wolff vor dem Start bei Sky gesagt.

Vettel gelang es, vor Leclerc, der elfter wurde, ins Ziel zu kommen. Im nächsten Jahr sind die beiden Ferrari-Fahrer voraussichtlich Konkurrenten in verschiedenen Farben, welche Vettel dann vertreten wird, blieb auch in Ungarn offen. Seinen Flirt mit Racing Point, das 2021 im Aston-Martin-Werksteam aufgehen wird, wollten weder er selbst noch RP-Teamchef Otmar Szafnauer bestätigen. „Es ist gerade aufregend, es ergeben sich immer neue Möglichkeiten“, sagte der Hesse im Gespräch mit Sky: „Was es dann am Ende wird, weiß ich wirklich noch nicht, vielleicht bleibe ich in der Formel 1, vielleicht fahre ich in einer anderen Rennserie, vielleicht ziehe ich mich auch eine Weile zurück.“

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