WTCC Porto: Auf und davon

Guten Morgen aus Düsseldorf!
Ein Chevrolet-Dreifachsieg im ersten Rennen, ein Doppelsieg im zweiten Rennen. Wer am Wochenende auf eine Überraschung gesetzt hat, wurde entäuscht. Alain Menu und Rob Huff gingen in Porto als Sieger vom Platz und Stephan’s RaceBog fragt sich: Fahren die Chevrolet der Konkurrenz auf und davon? Die Antwort ist einfach: Ja, aber… Chevrolet ist in der WTCC zur Zeit das Maß aller Dinge. Eric Neve und seine Truppe fährt mit dem Nimbus der Unbesiegbarkeit, selbst wenn es manchmal den Anschein hat, der Chevy Blue Train läuft Gefahr, sich selbst aus ein Bein zu stellen. Bisher ging alles gut, auch in Porto. Selbst wenn Rob Huff a.k.a. Rob Rough a.k.a Rob Tough wieder mal den Attacke-August spielte.

Die WTCC-Saison ist 12 Läufe alt, wir haben Halbzeit. Da mutet die Chevy-Siegesserie schon fast überirdisch an. Mit Ausnahme des zweiten Laufes in Zolder, den gewann Gabriele Tarquini, siegte einer der Chevrolet-Piloten. Rob Huff sechsmal, Alain Menu dreimal und Yvan Muller zweimal. Eine beeindruckende Statistik, die aber langsam müde macht. Im gesamten WTCC-Feld ist auf nahe Zukunft und damit meine ich den Rest der Saison, kein Team und kein Fahrer in der Lage, den Chevy-Boys den Schneid abzukaufen. Zwar mangelt es nicht am Fighting Spirit, so gesehen bei Stefano D’Aste, der im zweiten Durchgang von Porto heftige Gegenwehr leistete und sein Comeback mit einer couragierten Leistung krönte. Doch letzten Endes ist gegen die Chevrolet kein Kraut gewachsen. Der Grund liegt auf der Hand: Chevrolet begann bereits vor einem Jahr mit der Weiterentwicklung des Cruze im Hinblick auf das neue Benziner-Regelwerk. Zu dieser Zeit werkelten noch alle anderen Hersteller fleissig am Diesel oder dachten bereits an Rückzug. Inzwischen ist der technische Vorsprung von Chevrolet zwar ein wenig geschmolzen. Die Konkurrenz liegt aber noch Lichtjahre hinter dem einzig echten Werksteam zurück. Aber so ist das im Motorsport. Chevrolet hat einen verdammt guten Job gemacht und dominiert nach Belieben. Das ruft zwangsläufig Bedenkenträger auf den Plan, die fordern, Chevrolet jetzt künstlich einzubremsen. Das ist natürlich Unfug. Schließlich haben Chevrolet und das RML-Team um Eric Neve einen fantastischen Job gemacht. Doch die Anzeichen mehren sich, das die Konkurrenz aufholt. Volvo und PoleStar Racing haben mit dem 1.6 Liter Turbo ein gutes und kräftiges Aggregat. Das Team um Fahrer Robert Dahlgren taucht inzwischen regelmäig in den Top Ten auf. Kleine Fehler, wie der mißlungene Start beim zweiten Lauf von Porto, gehören einfach zu diesem guten Entwicklungsprozess. Auch BMW vermeldet Fortschritte. Man arbeitet an der Lösung, das Turboloch und die plötzlich einsetzende Leistung in den Griff zu bekommen.

 

Aber zurück zu Chevrolet. Hut ab vor Eric Neves Einstellung. Trotz der Überlegenheit läßt er seine Jungs frei fahren. Rob Huff nutzt dieses Angebot weidlich zum Punktesammeln aus. Auch am vergangenen Wochenende ließ es der Brite wieder krachen. Der Leidtragende ist zwar in der Regel der Teamkollege, aber die Spannung bleibt, selbst wenn sich die Chevys wieder einmal ein Rennen im Rennen liefern. Ich finde, Eric Neves Entscheidung verdient Respekt. Es gäbe ganz sicher auch Teamchefs, die ihre Kutscher schön brav wie an der Perlenschnur über die Piste düsen ließen und ein generelles Überholverbot aussprechen würden.

Respekt verdienen aber auch die Organisatoren des Rennens von Porto. Der Umbau hat dem Kurs gut getan. Porto galt seit seiner Einführung vor vier Jahren als Safety-Car Piste mit einen überdurchschnittlich hohen Schrottfaktor. Am Wochenende war davon nichts mehr zu sehen. Das Safety-Car hatte frei, die Rennen verliefen nahezu unfallfrei, sieht man einmal von ein paar Dellen im Blech ab. Spannend war es allemal, zumindest im zweiten Lauf. Dafür sorgten Stefano D’Aste, Yvan Muller und Rob Huff, die sich fröhlich befehdeten. Dumm nur, das D’Aste schon vor Rennbeginn ein wenig Nerven zeigte. Am Vorstart würgte der Italiener seinen BMW ab, reihte sich zwar wieder ganz vorne ein um dann seine Startbox zu überfahren. Resultat der Aktion war ein klassischer Fehlstart. Wacker kämpfend konnte der Wiechers-Pilot seine Führung bis zur dritten Runde verteidigen, danach übernahm Yvan Muller das Zepter. Doch Yvans Führungsrolle hielt nicht lange. Rob Huff flog heran, kassierte erst D’Aste und machte Jagd auf seinen Teamkollegen. In der neunten Runde ließ sich Huff auch vom Teamkollegen nicht mehr aufhalten. Muller und Huff schossen nebeneinander über die Gegengerade. Vor der Schikane erwischte Muller das Heck seines Stallgefährten. Huff vermied weiteren Kontakt und wich über die Abkürzung aus. Die Rennleitung nahms gelassen und Huff sicherte sich weitere 25 Punkte auf dem Weg zum Titel. Denn das Rob Huff in diesem Jahr Tourenwagen-Weltmeister werden will, steht wohl ausser Frage. Hier noch die vollständigen Resultate aus Porto und das Video von Tom Coronels Abenteuern in Porto.

 

 
PS: Technisch gab’s heute ein kleines Problem. Deshalb konnten die Fotos im Text nicht verlinkt werden.
 

 

1 Kommentar

  1. Dominic

    Die Chevrolet Dominanz ist wirklich nervig, aber dafür können die Chevys nicht. Aber immerhin machen die Chevys untereinander Action und auch hinter ihnen geht es mächtig ab!

    Ich fand die Strecke jetzt nicht ganz so gut, aber gerade Rennen 2 war doch durchaus spannend. Und Dahlgren auch wieder in den Punkten. Was will man mehr?

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