Aus WTCC wird WTCR!

Die Tourenwagen-Weltmeisterschaft WTCC ist Geschichte. Eingeführt 2005, starb die einstmals so großartigen Serie einen schleichenden Tod. Nun werden die teuren TC1-Autos eingestampft oder wandern ins Museum. 2018 kommt etwas neues. Aus der WTCC wird der FIA World Touring Car Cup WTCR. Zum Auffangbecken wird die TCR International Series!

Auch bei den Sportgeräten wird sich viel ändern. Gefahren wird die neue Meisterschaft mit den weitaus preiswerteren Autos nach TCR-Regeln. Um den Teilnehmern eine Planungssicherheit zu geben, wurde das TCR Regelwerk für zwei Jahre eingefroren. Auf den ersten Blick eine gute Entscheidung, selbst wenn der Tourenwagen-Sport sein WM-Format verliert. TCR-Rechteinhaber Marcello Lotti soll sich diesen Deal übrigens gut bezahlt haben. Die akutelle Ausgabe der Motorsport aktuell beziffert eine Summe von 18 Millionen Euro, die sich der Erfinder der TCR gutschreiben liess. WTCC-Boss Francois Ribeiro steht nun mit leeren Händen da. Ein Grund: Die Kostenexplosion der Boliden unter dem von Citroen favorisierten TC1-Reglement. Citroen dominierte die Serie drei Jahre lang und zog sich wieder zurück. Lada gab seinen Werkseinsatz ebenfalls auf. So blieben Honda und Volvo, die nun auf ihren bis zu 750.000 Euro teuren Werkswagen sitzen bleiben. Die hohen Kosten schreckten weitere Hersteller ab und die Organisatoren mussten handeln. Nach dem langweiligen WM-Finale von Katar war es soweit. Das von Informanten an die Touring Car Times durchgestochene Ende der WTCC traf pünktlich ein. Die FIA war bereit die Tourenwagen-WM auf eine neue Umlaufbahn zu führen. Die Lösung lag auf der Hand. Eine WTCR nach den Regeln der TCR-Serie.

Damit öffen sich die Türen für mehr Privatiers, denn die erhalten mehr Rennzeit. Drei Rennläufe pro Wochenende sind wohl vorgesehen. Ein Rennen am Samstag, zwei Rennen am Sonntag, davon eins mit Reverse Grid, sollen für Spannung sorgen. Der Kalender soll weitgehend beibehalten werden. Das Finale in Katar wird wohl nicht neu aufgelegt. Stattdessen soll der Saisonabschluß in Macau zelebriert werden. Ein Fragezeichen steht nachwievor hinter dem Rennen an der Nordschleife. Selbst zu WTCC-Zeiten war dieser Lauf nur ein langatmiger Lückenfüller im Vorprogramm des 24-Stunden-Rennens. Die langamen TCR-Autos haben auf der Norschleife nichts zu suchen. Sollte es im angedachten Rennkalender mit zehn Wochenenden keine Nordschleife mehr geben, wäre das kein Verlust.

Maximal 13 Teams werden die Saison in Angriff nehmen. Jedes Team muss zwei Autos für die Saison melden. Für die Ausgeglichenheit soll ein Balance Of Performance System sorgen. All das muss natürlich noch vom FIA Weltrat abgenickt werden. Das sollte eine Formsache sein! Spannend bleibt allerdings die Rekation des aktuellen WTCC-Champions Volvo. Das britische Fachblatt Autosport berichtete, das Polestar Cyan Racing bereits an einem TCR-Auto arbeitet. Im ersten Quartal 2018 soll es weitere Informationen geben, ließ Polestar Motorsportchef Alexander Schedvin durchblicken. Auch die DTM liegt im Blickfeld der Schweden. „Wir haben die DTM bereits gewonnen, also wäre eine neue Herausforderung vielleicht ganz gut“, erklärte der Polestar-Motorsportchef in der Speedweek. Vor rund 30 Jahren dominierte der schwedische Premium-Hersteller mit dem Volvo 240 Turbo den Tourenwagen-Motorsport in Deutschland und Europa.

Die WTCC ist Geschichte. Was bleibt ist ein kleiner Foto-Rückblick auf die letzten zehn Jahre der Tourenwagen-WM!

Fotos (c) FIA WTCC, DPPI, Castol Honda Racing WTCC, Citroen Racing, Stephan Kremer