WTCC Vila Real: Sticht der Joker?

Am kommenden Sonntag überraschen uns die bunt lackierten Mittelklassewagen der WTCC mit einer Weltneuheit. Beim WM-Lauf im portugiesischen Vila Real erleben wir die Premiere der Joker Lap, einem Spannungsmoment, das eigentlich im Rally Cross beheimatet ist. Nun soll also auch der Tourenwagensport durch eine neue Attraktion bereichert werden. Dabei ist der Stadtkurs von Vila Real eigentlich schon Spektakel genug!

Nach dem Reifenchaos auf dem Nürburgring mit der Prozession über die Nordschleife wartet auf die Freunde der WTCC der echte Höhepunkt des Jahres. Zum Abschluß der Europasaison gastiert die Tourenwagen-Weltmeisterschaft in Portugal. Auf dem Stadtkurs von Vila Real, etwa 100 Kilometer östlich von Porto, wurden bereits im Jahr 1931 erste Rennen ausgetragen. Der ehemals 7,6 Kilometer lange Straßenkurs wurde bis 1991 befahren. Nach einem tödlichen Unfall endeten die Rennaktivitäten. Im Jahr 2007 wurde die Strecke umgebaut und auf 4,6 Kilometer gekürzt. Geblieben ist der Charakter des alten Straßenkurses, der mich auch in der WTCC-Version immer noch ein wenig an den altehrwürdigen Masaryk-Ring von Brünn erinnert. Dort fuhr die Tourenwagen-Europameisterschaft bis zum Jahr 1986. Brünn war nichts für Sicherheitsfanatiker und auch der Kurs von Vila Real bietet keinen Platz für Fehler. 24 Kurven, zum Teil sehr schnell, wechseln sich ab mit Bergauf- und Bergabpassagen, die zum Teil sehr hohe Geschwindigkeiten erlauben. Für die WTCC-Piloten ein Mix aus Pau und Macao, nur eben ein bisschen schneller! 2015 debütierte die Tourenwagen-WM in Vila Real und lieferte die erwartete Mischung aus Action, Show und Chaos. Nur ein Jahr später plätscherten die zwei WTCC-Läufe dann leider ereignislos vor sich hin. Einzige Ausnahme: Die Siegesfahrt von Tiago Monteiro, der vor frenetisch jubelnden Fans das Hauptrennen für sich entscheiden konnte.

2017 erwartet die Kutscher eine neue Herausforderung. Die Joker Lap ist im Tourenwagensport angeboten. Eigentlich sollte diese Idee bereits zum Saisonauftakt in Marrakesch eingesetzt werden, doch die Organisatoren fanden auf dem Straßenkurs keine sichere Lösung. Nun also Vila Real. Die Macher haben die letzte Schikane zum Schauplatz dieses Experimentes ausgesucht. Der Kreisverkehr vor Start und Ziel bietet ideale und sichere Voraussetzungen. Anstatt links in die Boxengasse einzubiegen, zirkeln die Piloten rechts in den Kreisel und kommen mit einer um etwa 2 Sekunden langsameren Rundenzeit auf die Strecke zurück. Das einmalige Fahren der Joker Lap für alle Piloten ab der dritten Runde verpflichtend. Ähnlich wie auch im Rally Cross werden vermutlich strategische Überlegungen darüber entscheiden, wann ein Pilot die Joker Lap im Rennen antreten wird. Der WM-Zweite Tiago Monteiro ist zuversichtlich, das die Idee funktioniert. „Es ist toll, neue Dinge und Optionen auszuprobieren“, sagte der Local Hero den Medien. Ob die Joker Lap wirklich die Spannung aufbaut, die sich die Organisatoren von ihr versprechen?

Die Idee der Joker Lap im Tourenwagensport ist ein Experiment. Es zu versuchen, ist durchaus eine gute Idee. Ober der Joker sticht um in der WTCC Fuß zu fassen, wird die Manöverkritik zeigen. Dafür muss sie aber auch dem TV-Zuschauer schmackhaft gemacht werden. Wir werden sehen ob das gelingt. Eurosport1 überträgt am Sonntag ab 17:30 Uhr MESZ beide WTCC-Läufe aus Vila Real live.

Im Vorprogramm lädt sich morgen ab 14:55 Uhr die Formel 1 in die Wohnzimmer ein. Die schnellste Stadtrundfahrt der Welt steht an. Das Rennen in Baku war im vergangenen Jahr an Langeweile kaum zu überbieten. Kommt 2017 mehr Spannung auf? Wir werden es erleben!

Fotos ( c) FIA WTCC Media/DPPI