WRC Portugal: Großer Sport zum Fünfzigsten!

Die besten Piloten der Welt treffen sich in Portugal und geben ihren World Rally Cars die Sporen. Die Rallye Portugal feiert ihr fünfzigjähriges Jubiläum. Nirgendwo auf der Welt ist die Dramatik des Rallyesports so spürbar, wie auf den Schotterpisten Portugals!

Im vergangenen Jahr stürmte Kris Meeke in Portugal zum Sieg. Mit Können, einem fein abgestimmten Citroen, aber auch dank optimaler Startposition. Acht Etappensiege konnten sich Meeke und Copilot Paul Nagle an die Fahnen heften. Als am Samstag der Vorsprung über eine Minute betrug, ging Kris Meeke auf Nummer Sicher und verwaltete sein Zeitguthaben clever und gekonnt. Am Ende waren es 29,7 Sekunden, die das Citroen-Duo vor dem heranstürmenden Volkswagen Polo R WRC mit Andreas Mikkelsen und Copilot Anders Jäger ins Ziel rettete. Meeke ist natürlich wieder dabei, doch der Mexiko-Sieger und sein Arbeitgeber Citroen halten den Ball flach. Nach dem Desaster in Argentinien ist der Lack erstmal ab. Selbst der sonst so souverän auftretende Teamchef Yves Matton verschlug es nach dem sündhaft teuren Doppelausfall von Südamerika die Sprache. Dazu herrscht im Entwicklungsteam Alarmstufe Rot. Waren doch Craig Breen und Stephane Lefebre im alten DS3 WRC schneller als Kris Meeke im aktuellen C3 WRC. Schnell brodelte die Gerüchteküche, schließlich sucht mit Andreas Mikkelsen ein ganz erfahrener Mann händeringend ein WRC-Cockpit. Für Portugal rüstet Citroen Racing zwar fahrerisch auf, doch mit Khalid Al Qassimi stößt eher Quantität als Qualität zum Team. Der Sponsor will schließlich auch mal ins Lenkrad greifen. Wenige Tage vor dem sechsten WM-Lauf der Saison ist zumindest von Matton wieder etwas zu hören. Von seinem Vier-Wagen-Team erwartet der Patron, das sie es ins Ziel schaffen. „Wir hoffen, das wir zwei C3 WRC in den Top 5 sehen werden, ergänzte der Teamchef weiter.

Der Kampf um das Podium wird in Portugal hart geführt, denn Thierry Neuville und Hyundai können vom Siegen nicht genug kriegen. Nach Korsika und Argentinien hat das Team aus Alzenau genügend Selbstvetrauen, die Scharte aus dem Vorjahr bestmöglich auszuwetzen. Zwar wurde Dani Sordo 2016 vierter, dafür verlor Hyundai Motorsport aber Hayden Paddon, Thierry Neuville und Kevin Abbring durch zum Teil dumme Fehler. So blieb Neuville im Kampf um Platz fünf ohne Benzin liegen. In diesem Jahr steht die Rallye für Hyundai unter einem besseren Stern. Teamchef Michel Nandan will die Siegesserie unbedingt fortsetzen. Thierry Neuville sowieso. Hayden Paddon muss sich in Portugal allerdings an einen neuen Copiloten gewöhnen. John Kennard wird wegen einer Hüfterkrankung pausieren. Seb Marshall übernimmt den heißen Sitz und bildet damit in Portugal eine englisch-neuseeländische Aufstellung. Hyundai Motorsport schickt drei Hyundai i20 WRC Coupe in die Schlacht. Die teaminterne Favoritenfrage ist inzwischen längst zugunsten von Thierry Neuville geklärt. Der Belgier ist gleichzeitig ein ernsthafter Anwärter auf den Gesamtsieg!

Auch Toyota Gazoo Racing hat in Portugal drei World Rally Cars im Aufgebot. Neben Jari-Matti Latvala und Juho Hänninen gehören Esapekka Lapii und sein Copilot Janne Ferm zum Kader. Der dritte Yaris WRC übernimmt in Portugal die Rolle des Experimentalautos. Lappi und Ferm sollen wichtige Daten und Informationen sammeln, um Toyota den nächsten Entwicklungssprung zu ermöglichen. Teamchef Tommi Mäkinen weiß um die Probleme, die auf sein Team warten. Die Rallye Portugal gilt mit ihren herausfordernden und technischen Etappen als besonders anspruchsvoll. Sandige und steinige Streckenabschnitte wechseln sich ab. Gerade auf dem weichen Untergrund in der ersten Rallye-Phase ist mangelnder Grip ein Problem. Im zweiten Teil müssen die Teilnehmer mit Steinen und tiefen Furchen rechnen. Auch die Reifenwahl wird ein schwieriger Kompromiss. Profitierten sollte Toyota dabei von der großen Erfahrung des Nummer-1-Piloten im Team. Jari-Matti Lavala hat die Rallye im Jahr 2015 gewonnen. Juho Hännen kennt das schwierige Geläuf rund um Porto noch nicht. Der Finne war zuletzt 2014 in Portugal. Damals fand die Rallye im Süden des Landes statt.

M-Sport und Sebastien Ogier haben in Portugal das Podium fest im Blick. Der Weltmeister startet in einem frisch aufgebauten Ford Fiesta RS WRC. Mit dem jüngsten M-Sport World Rally Car will der Franzose die Unfahrbarkeit des Vorgängerautos endlich vergessen. Allerdings muss der WM-Führende am Freitag als erster auf die Piste. Den Nachteil sollte der Champion eigentlich in den Griff bekommen. „Es wird dadurch sicherlich härter, aber wir kommen nach Portugal mit großen Zielen und konzentrieren uns darauf, dass wir unsere WM-Führung erneut ausbauen können“, sagte der 33-jährige, der die Rallye Portugal bislang vier Mal gewinnen konnte. Teamintern wartet mit Ott Tänak und Elfyn Evans starke Konkurrenz, die Ogier in Portugal bereits früh unter Druck setzen können. Unter Druck steht auch die komplette Crew inclusive Teamchef Malcolm Wilson. Die britische Rallyeschmiede debütiert in Portugal mit dem Ford Fiesta R5 Evo 2, der die WRC2-Klasse aufmischen soll.

In der ‚kleinen Liga‘ erwartet uns ebenfalls ein Megaduell, denn Skoda Motorsport schickt eine Doppelspitze, die bei fünf Läufen fünf Siege einfuhr. Andreas Mikkelsen und Co Anders Jaeger gewannen die Rallye Monte Carlo und die Korsika-Rallye, Pontus Tidemand und Navigator Jonas Andersson waren in Schweden, Mexiko und Argentinien nicht zu schlagen. In Portugal erwartet Skoda Motorsport-Chef Michal Hrabánek einen intensiven Kampf um die Siegertrophäe. Für Mikkelsen ist Portugal möglicherweise der letzte WM-Lauf in einem WRC2-Auto. Der Norweger bemüht sich intensiv um ein World Rally Car und wird inzwischen unter der Hand mit Citroen in Verbindung gebracht.

Fazit: Auf die Freunde des gepflegten Rallyesports wartet ein megaspannendes Wochenende, das bereits am Donnerstagabend auf dem Rallycross-Track in Lousada startet. Hier schon einmal ein Blick auf die 19. Wertungsprüfungen und den Zeitplan. Mit dabei sind natürlich wieder die Klassiker, die die Rallye Portugal so besonders machen. Die Fafe-Prüfung mit der gewaltigen Sprungkuppe wird am Sonntag gleich zweimal passiert. Neu im Roadbook ist der 1,9 Kilometer lange Stadtkurs im historischen Zentrum von Braga.

Donnerstag, 18. Mai
08:30 Uhr – Shakedown Paredes – 4,60 Km.
20:03 Uhr – WP1, Lousada – 3.36km. – LIVE ab 19:45 Uhr auf lequipe21.fr & WRC+

Freitag, 19. Mai
11:09 Uhr – WP2, Viana do Castelo 1 – 26.70km.
12:06 Uhr – WP3, Caminha 1 – 18.10km.
12:46 Uhr – WP4, Ponte de Lima 1 – 27.46km.
17:09 Uhr – WP5, Viana do Castelo 2 – 26.70km.
18:06 Uhr – WP6, Caminha 2 – 18.10km.
18:46 Uhr – WP7, Ponte de Lima 2 – 27.46km.
20:03 Uhr – WP8, Braga Street Stage 1 – 1.90km. – LIVE ab 20:00 Uhr auf lequipe21.fr & WRC+
20:28 Uhr – WP9, Braga Street Stage 2 – 1.90km. – LIVE ab 20:25 Uhr auf lequipe21.fr & WRC+

Samstag, 20. Mai
10:08 Uhr – WP10, Vieira do Minho 1 – 17.43km.
10:46 Uhr – WP11, Cabeceiras de Basto 1 – 22.30km.
12:04 Uhr – WP12, Amarante 1 – 37.55km.
16:08 Uhr – WP13, Vieira do Minho 2 – 17.43km. – LIVE ab 15:50 Uhr auf Red Bull TV & WRC+
16:46 Uhr – WP14, Cabeceiras de Basto 2 – 22.30km.
18:04 Uhr – WP15, Amarante 2 – 37.55km.

Sonntag, 21. Mai
10:08 Uhr – WP16 – Fafe 1 – 11.18km.
10:30 Uhr – WP17, Luilhas – 11.91km.
11:20 Uhr – WP18, Montim – 8.66km.
13:18 Uhr – WP19 – Power Stage Fafe 2 – 11.18km. – LIVE ab 13:00 Uhr auf Sport1+ & WRC+

Fotos (c) Citroen Racing, Hyundai Motorsport GmbH, Toyota Gazoo Racing, Skoda Auto Deutschland