WTCC Marrakesch: Starker Auftakt!

Tiago Monteiro führt Honda zum Doppelsieg im Hauptrennen und beantwortet damit die Frage nach dem Top-Favoriten der Tourenwagen-WM des Jahres 2017. Der zweite Anwärter auf den Titel geht in Marrakesch unter. Doch Rob Huff versteht zu kämpfen!

Die WTCC ist wieder zurück und die Saison begann mit einem Paukenschlag. Im ersten Rennen des Tages holte sich ein Argentinier den Sieg. Esteban Guerrieri im eigentlich völlig veralteten Chevrolt Cruze setzte Polesitter Tom Coronel mächtig unter Druck. Der Start aus der ersten Reihe war für die beiden Chevy-Kutscher ein echter Glückfall. Denn erst durch das nachträgliche Streichen der Q2-Zeiten von Rookie Yann Ehrlacher und dem Honda-Piloten Ryo Michigami erbte Coronel die Pole und Guerrieri den zweiten Startplatz. Auf dem 2,9 Kilometer langen Kurs von Marrakesch ein nicht zu unterschätzender Vorteil. Überholen war Glücksache und mit ein wenig Geduld erbte Guerrieri auch die Spitzenposition. Tom Coronel kämpfte mit Bremsproblemen und rutschte nach einigen kämpferischen Runden von der Strecke. Der fliegende Holländer konnte das Rennen zwar fortsetzen, musste sich aber im Verlauf des 20-Runden-Rennens weiteren Gegnern geschlagen geben. Mit Rang acht war Coronel am Ende noch gut bedient. An der Spitze sorgte Guerrieri für einen kleinen ‚Pechito-Effekt‘ und trug den Sieg sicher ins Ziel. Maßarbeit für den Argentinier, der mit altem Auto und wenig Sponsorengeld für große Aufmerksamkeit sorgte. Bis zum Heimrennen in Argentinien ist Guerrieris Etat gesichert. Nach dem Auftaktsieg sollte es aber doch möglich sein, ein paar zahlungskräftige Sponsoren aufzutreiben. Eine volle Saison für Esteban wäre eine Berreicherung für die WTCC.

Für das Münnich-Team und Rob Huff wurde der Saisonauftakt dagegen zum Debakel. Ausgestattet mit dem Citroen C-Elysee, dem Überauto der vergangenen Saison und technisch auf dem neuestem Stand, hätte Huffy eigentlich von Beginn an vorne mitfahren müssen. Doch bereits die technische Abnahme wurde zur (fast) unüberwindlichen Hürde für das deutsche Team. Im Prinzip war eigentlich alles in Ordnung an Huffs Dienstagen. Nur das Gurtsystem entsprach nicht den Vorschriften. In einer Nacht-Und-Nebel-Aktion wurden beim Gurthersteller Sabelt neue Teile aus Großbritannien eingeflogen. Im zweiten Training konnte Huff dann endlich Gas geben. Perfekt angegurtet, versteht sich. Die vierte Trainingposition wurde im Rennen allerdings nicht belohnt. Nach einer Kollision in der Startphase machte die Servolenkung an Huffys Citroen schlapp. Die vorzeitige Aufgabe war nötig, doch der Service fand unter Ausserkraftsetzung der Parc-Fermé Regeln statt. Erneutes Pech für Huff, der das Hauptrennen vom letzten Startplatz in Angriff nehmen musste.

Doch Rob Huff verstand zu liefern. Mit der ganzen Routine aus 12 Jahren WTCC-Erfahrung und einem Weltmeistertitel legte Huff los. Erst im Heck von Tom Coronels Chevrolet Cruze war Huffs Aufholjagd beendet. Das rundenlange Duell zwischen Huff und Coronel war der mit Abstand beste Fight des gesamten Rennwochenendes. Formatfüllend klebte der Brite hinter dem Holländer, wild zackend und auf einen Fehler Coronels hoffend. Doch Tom tat Rob diesen Gefallen nicht und einige Beobachter waren davon überzeugt, das entweder Huff oder Coronel, womöglich sogar alle beide, das Rennen nicht beenden würden. Aus dem prophezeiten Crash wurde aber nichts. Beide Piloten kamen ins Ziel. Tom Coronel wurde achter mit Rob Huff im Schlepptau. Münnich-Teamchef Dominik Greiner war nach dem Rennen gar nicht mal schlecht gelaunt: „Es ist nicht das, was wir erhofft hatten, aber wenigstens haben wir noch ein bisschen was mitgenommen. Und wir waren zu 80 Prozent im Bild“, zitiert die aktuelle MSa den quirligen Nienburger.

Bleibt noch der Blick auf Honda und Volvo, deren Abschneiden hier im Dorf mit wohliger Freunde zur Kenntnis genommen wurde. Topfavorit Tiago Monteiro wahrte im Qualifying und im Hauptrennen alle Chancen. Von der Pole gestartet, gab der Portugiese den Sieg zu keiner Zeit aus der Hand. Teamkollege Norbert Michelisz folgte Tiago wie ein Schatten und machte den Doppelsieg für das Castrol Honda Team perfekt. Der Abstand zum besten Volvo fiel aber dann doch deutlicher aus als gedacht. Nestor Girolami und Nicky Catsburg fehlten im Ziel 2,1 beziehungsweise 3,7 Sekunden auf das Honda-Pärchen. Die Leistung des Teams von Polestar Cyan Racing war auf dem winkelingen Kurs aber trotzdem beachtlich. Über den Winter wurde der Volvo S60 konsequent weiterentwickelt. Edeltester Yvan Muller trieb dem Schwedenhammer vor allem die Defizite beim mechanischen Grip aus. In Marrakesch kämpften die Volvo-Piloten allerdings mit einer nicht optimalen Bremskraftverteilung. Mit dem Auftakt in die Saison ist man in Schweden aber überaus zufrieden. Immerhin führt Volvo punktgleich mit Honda die Herstellerwertung an.

Am 30. April gastiert die WTCC auf dem ultraschnellen Kurs von Monza. Nach dem überaus guten Auftakt der WTCC wird das Rennen im königlichen Park bereits jetzt mit Spannung erwartet!

Fotos (c) FIA WTCC Media/DPPI, Castro Honda Racing/David Noels