F1 Shanghai: Langeweile 2.Teil?

Am Wochenende gastiert die Formel 1 in Shanghai. Droht in China der nächste Langweiler? Die so aggressiv dreinblickenden F1-Boliden haben ein Überholproblem. Wer sich das Rennen nicht antun mag, für den gibt es mit dem Saisonstart der WTCC eine Alternative!

Der mit Pauken und Trompeten angekündigte Saisonauftakt der Formel 1 wurde zur Enttäuschung. In Melbourne wurden gerade einmal fünf Überholmanöver aktenkundig. Im Vorjahr waren es noch 37. Dazu war die Ausfallquote überdurchschnittlich hoch. Spannung geht anders und Pessimisten sprechen bereits von einer F1-Mogelpackung. Die ausgefeilte Aerodynamik und die höheren Kurvengeschwindigkeiten lassen kaum noch Überholvorgänge zu. Lewis Hamilton hing in Melbourne rundenlang hinter Max Verstappen fest und das obwohl der Silberpfeil-Pilot mit frischen Reifen unterwegs war. Die neuen 2017er Pirelli-Reifen bauen einfach nicht stark genug ab, um mehr Überholmanöver zu fördern. Das muss aber in der Zukunft kein Nachteil sein. Schließlich ist der Kurs im Albert Park von Melbourne nur bedingt vergleichbar mit den Grand Prix Tracks, die nun folgen. Spezial in Shanghai, mit seinen langen Geraden, sollte Überholen mit DRS möglich sein. Im Vorjahr gab es in Shanghai erstaunliche 181 Überholmanöver. Es gab sogar Stimmen, die besagten, dass Shanghai aufgrund der vielen Positionswechsel im vergangenen Jahr ein ‚Fake Rennen‘ gewesen sei. Die Autos mussten nur ins DRS-Fenster kommen und konnten dann auf der langen Gegengeraden überholen. Während eine solche Zahl unter normalen Umständen (im letzten Jahr gab es eine chaotische erste Runde, eine frühe Safety Car-Phase und die Aufholjagd von Lewis vom Ende des Feldes) schwierig zu erreichen sein wird, sind die 28 Manöver von 2015 ein vernünftiges Ziel. In Shanghai werden wir zum ersten Mal erleben, was die F1 2017 wirklich zu bieten hat.

Wem am Sonntagmorgen ab 8 Uhr allerdings nicht der Sinn nach Formel 1 steht, der kann sich auf den späten Nachmittag freuen. Die Tourenwagen-Weltmeisterschaft ist zurück und startet in Marrakesch am Sonntag um 17 Uhr in die neue Saison.

Die Vorzeichen stehen auf Spannung. Der werksseitige Ausstieg von Citroen und der Abgang vom dreifachen Weltmeister Jose-Maria Lopez wird den Kampf um Punkte und Meisterschaft neu entfachen. Volvo, Honda und die Mannschaft von All-Incl.com werfen sich in die Schlacht. „Die WTCC 2017 wird der wohl engste Wettbewerb seit Jahren zwischen Fahrern, Teams und Herstellern“, sagte All-Incl. Pilot Rob Huff dem WTCC-Mediendienst. Huffy pilotiert den von All-Incl. und Münnich Motorsport vorbereiteten Citroen C-Elysee und ist überzeugt, das die Konkurrenz den Vorsprung dieses Autos auch 2017 nicht einholen kann. Die Gegner, insbesondere die Werksteams von Volvo und Honda, sehen das naturgemäß anders. Honda hat mit Tiago Monteiro und Norbert Michelisz zwei absolute Top-Piloten im Team. Bei Volvo setzt man auf den zweimaligen argentinischen Tourenwagenmeister Nestor Girolami sowie Nicky Catsburg und Routinier Thed Björk. Rob Huff gilt unter Beobachtern als der Favorit auf den Titel. Ich möchte das nicht unterschreiben und rechne mit Tiago Monteiro und Honda.

Doch auch der Kampf um die Privatfahrerwertung bietet 2017 viel Spektakel. Da ist das Team von Sebastien Loeb Racing, das mit drei Citroen C-Elysee antritt und die Autos Tom Chilton, Mehdi Bennani und John Filippi anvertraut. Routinier Tom Coronel wird sich im veralteten Chevrolet Cruze sehr anstrengen müssen, obwohl das Team von ROAL-Motorsport bei de Vortests in Monza ein gute Figur abgab. Interessant wird auch der Einsatz des einzig verbliebenen Lada Vesta. RC Motorsport hat mit dem 20-jährigen Yann Ehrlacher einen Nachwuchsmann engagiert. Der Neffe von Yvan Muller wird sich im Feld der 15 gemeldeten Piloten aber zu Beginn noch schwer tun. Als Geheimtipp für die Zukunft gilt Ehrlacher aber bereits jetzt!

Fotos (c) Daimler AG, FIA WTCC Media, Jean Michel Le Meur, Francois Flamand / DPPI