Dakar 2017: Noch 4787 Kilometer!

Knapp die Hälfte der Dakar 2017 ist geschafft. Hinter den Teams liegen 4.036 Kilometer, davon waren 1.386 Kilometer knochenharte Sonderprüfungen. Bei der härtesten Dakar seit Jahren haben sich Piloten, Navigatoren und Teams den Ruhetag in La Paz redlich verdient. Schließlich wird der Rückweg nach Buenos Aires zu einer weitaus größeren Herausforderung!

Noch stehen 4.787 Kilometer in den Roadbooks. Dabei gilt es sechs Sonderprüfungen mit einer Gesamtlänge von 2.052 Kilometern zu zu bewältigen. Da war der Ruhetag in La Paz nur ein kleine Pause während der größten Marathon-Rallye der Welt. Von echter Entspannung kann allerdings kaum die Rede sein. Alle Top-Teams hatten am Sonntag auf über 3.000 Metern Seehöhe einen dicht gedrängten Kalender mit PR- und Presseterminen. Auch die Mechaniker hatten keine Gelegenheit zum Ausruhen. Nahezu jedes Bauteil in den Fahrzeugen wurde ausgebaut, geprüft und ersetzt. Die Dakar des Jahres 2017 fordert ihren Tribut und der längere Teil liegt noch vor den Teams. Da war es für die Crews ein Glück, das die Etappe mit Ziel La Paz aufgrund der heftigen Regenfälle komplett gestrichen wurde. Für nahezu alle Beobachter war die Absage am Samstag die richtige Entscheidung. Speziell die Navigatoren waren dankbar, denn ihre Arbeit hat sich im Vergleich zu den Vorjahren dramatisch intensiviert. Das Suchen der Wegpunkte entscheidet über Wohl und Wehe, über Erfolg und Niederlage.

Alle Teams kämpfen mit den neuen Navigationregeln, die das vom Veranstalter erlaubte GPS-System erst 300 Meter vor dem Wegpunkt aktiviert. In den Jahren zuvor waren es 800 Meter. Dirk von Zitzewitz, Copilot von Giniel de Villiers im Gazoo Toyota Hilux und einer der besten Dakar-Navigatoren überhaupt, beschrieb die Probleme gestern so: „Erst einmal ist die Navigation an sich schon hier und da von Natur aus richtig knifflig. Dazu kommt, dass das Roadbook an vielen Stellen sehr unpräzise oder schlichtweg falsch ist. In diesen Fällen muss man das Glück der Tüchtigen haben – etwa von Verfahrern der Vorderleute profitieren, die einem entgegenkommen. Oder was Etappensiegern auch schon passiert ist: So dermaßen falsch navigieren, dass man mit Glück wieder auf die richtige Route kommt. Das alles erklärt am Ende auch, warum alle Top-Duos mit den neuen Navigationsregeln kämpfen!“ Mit über einer Stunde Rückstand auf die Spitze gibt sich die Toyota-Crew allerdings noch nicht geschlagen. In der zweiten Woche kann der südafrikanische ‚Bakkie‘ sein Potential voll ausschöpfen. „Der Toyota Hilux läuft richtig gut. Damit ist das Podium aus eigener Kraft möglich“, sagte Dirk in La Paz!

Mit der siebten Etappe beginnt heute um 15:10 Uhr MEZ die erste von zwei großen Marathon-Etappen auf einem Höheprofil von über 3.500 Metern Seehöhe. Die Route führt von La Paz nach Uyuni und weist eine Gesamtlänge von 622 Kilometern aus. Die Sonderprüfung wurde allerdings aufgrund des anhaltend schlechten Wetters auf 161 Kilometer gekürzt und besteht zum größten Teil aus verschlammten Sandpisten. Der Haken: Am Abend ist der Service nur durch die Piloten und Navigatoren erlaubt. Die Service-Crew muss in der Kaserne von Uyuni bleiben und darf nicht unterstützend eingreifen. Fahrer und Beifahrer sind gezwungen, mit ihren menschlichen und materiellen Ressourcen schonend umzugehen. Maximal sieben Reifen haben Teams an Bord. Die müssen nicht nur für heute, sondern auch für den zweiten Teil der Marathonetappe am Dienstag reichen. Das Material an Bord muss also zwei Tage und 1.514 Kilometer klaglos überstehen. Eine äußerst schwere Aufgabe, die durchaus Einfluß auf die Gesamtwertung haben kann. Noch ist die Dakar längst nicht entschieden!

Fotos (c) Peugeot Sport, DPPI, Toyota Gazoo Racing, Maxxis Team Dakar, Iveco Media, Team Kamaz Master, Tatra Buggyra Racing