DTM & WTCC: Clowns und Helden!

Wer sich am vergangenen Wochenende auf die Saison-Highlights der DTM und der WTCC freute, der wurde ein wenig enttäuscht. Die Rennen am Norisring und in Vila Real waren ereignislos, zum Teil sogar langweilig. Nur Mattias Ekström sorgte für Wirbel. Der Schwede verwechselte vor lauter Eifer die DTM mit der Rallyecross-WM!

A166360_largeZum ersten Mal seit 2002 ging der Stern von Untertürkheim am Norisring unter. Bereits am Samstag führte Edo Mortara seine Marke Audi zum Doppelsieg vor Paul di Resta im besten Mercedes-Benz. Am Sonntag sonnte sich Audi-Pilot Nico Müller im Glanze des Sieges. BMW fuhr mit einem starken Tom Blomqvist und einem gut aufgelegten Maxime Martin auf die Plätze. Und wer war Schuld am Benz-Desaster? Mattias Ekström! Der ‚Eki‘ machte sich in Nürnberg gleich zweimal zum Clown und zog die Wut seiner Fahrerkollegen auf sich. Selbst die ARD bekam den Wutanfall von Christian Vietoris nicht mehr in den Griff, der am Samstag Ekström als das „… Mattias Ekströmallergrößte Arschloch…“ bezeichnete. „Erst macht er auf Sonnyboy im Fahrerlager, dann räumt er alle ab“, ergänzte Vietoris. Verständlich, denn Vietoris und sein Teamkollege Robert Wickens lagen am Samstag in Führung, als Ekström den Hammer auspackte. Der Schwede war vermutlich vollgepumpt mit Adrenalin und heiß auf seinen ersten Norisring-Sieg, als die Pferde mit ihm durchgingen. Beim Anbremsen der Grundigkehre, in der von 260 auf etwas über 50 k/mh verzögert wird, rasselte Ekström in den Benz von Wickens, der korrekte Bremspunkt war dahin und als Zugabe rauschte Ekström mit Anlauf ins Heck von Vietoris Benz-Coupe. Vietoris gelag es zwar, das Rennen wieder aufzunehmen, der mögliche Sieg wurde ihm aber aus den Händen gerissen. Am Ende reichte es gerade für den zehnten Platz. Wickens und Ekström mussten ihre Diestwagen an der Box abstellen und trollten sich. Vermutlich besser so, denn die Aufarbeitung dieses Desasters kostete Mercedes-Teamchef Ulrich Fritz einige Nerven: „Ich glaube, so etwas hat mit fairem Sport nichts zu tun und ich denke auch nicht, dass die Fans so etwas sehen wollen. Nach Spielberg hat er andere Fahrer als Clowns beschimpft. Ich denke, heute hat er eine rote Nase verdient“, sagte Fritz im Daimler-Mediendienst.

Ekström entschuldigte sich brav, doch weder Vietoris noch Wickens stand der Sinn nach Schulterklopfen. Ekström sah die Schuld nämlich nicht nur bei sich: „Wickens hat in dieser Runde kein DRS verwendet. Deswegen kam ich neben ihn. Ich hab normal gebremst, doch Robert zog nach links. Sonst hätte der Bremsweg ausgereicht“! Für Audi-Teamchef Dieter Gass war die Sache ebenso klar wie eindeutig: „Die Kollision zwischen Wickens und Ekström war ein Rennunfall, wie er am Norisring häufig vorkommt. Eki hat uns schon oft mit seinen Überholmanövern begeistert, dieses Mal ging es schief, was nicht seine alleinige Schuld war“! Die Sportkommissare sahen Ekströms Aktion ein klein wenig anders und versetzten den Schweden für das Sonntagsrennen um drei Plätze nach hinten. Das hätten sie besser nicht getan, denn Ekström fuhr Pole und musste nun vom vierten Startplatz ins Rennen. Von da kommend sorgte ‚Eki‘ erneut für Wirbel und Schäden.

Playboy Audi Audi RS 5 DTM #51 (Audi Sport Team Abt), Nico MüllerWieder war der Tatort die Grundigkehre und wieder suchte sich Ekström einen Mercedes als Opfer. Paul di Resta hieß der Leidtragende, dem Ekström voll ins Heck rauschte. Ekström musste seinen Audi erneut abstellen, ein Schaden am Kühler machte eine Fortsetzung des Rennens unmöglich und wieder wie Mattias die Schuld von sich: „Ich war eigentlich vorsichtig, aber die anderen waren extrem langsam“, zitierte die aktuelle MSa den ambitionierten Rallycross-Kutscher, der am Norisring ein Wochenende zum Vergessen erlebte. Mit Nico Müller war es wieder ein Audi-Pilot, der die oberste Treppe des Podiums erklimmen konnte. Doch Müller hatte im Sonntagsrennen völlig andere Gegner. Die erstarkten BMW trumpften auf und wäre Tom Blomqvist nicht über die Reifenstrategie bezwungen worden, hätte womöglich ein BMW den zweiten Audi-Triumph des Wochenende verhindern können. Was natürlich jetzt wieder die Gegner der Lex BMW auf den Plan ruft, denn die BMW M4 von Blomqvist und Martin waren 12,5 Kilogramm leichter als die Audi-Konkurrenz. Damit erklärt sich auch der knappe Abstand zwischen Müller, Blomqvist und Martin, die innerhalb von 1,5 Sekunden ins Ziel kamen.

Hoffmann Group Audi RS 5 DTM #53 (Audi Sport Team Rosberg), Jamie GreenWas bleibt vom Norisring? Das Wetter spielte mit, die Tribünen waren voll und es gab zwei Rennen, die man sich in voller Länge hier und hier nochmal anschauen kann! Der Rest ist für die Geschichtsücher, denn so wie sich Mattias Ekström in Nürnberg zum Clown machte, wird er das Rennen am Dutzendteich wohl nie gewinnen. Robert Wickens ging übrigens noch einen Schritt weiter und sagte in der MSa: „So wie der derzeit fährt, gewinnt er nie mehr eine Meisterschaft“! Ich denke, Wickens irrt ein wenig! Ekström hat seinen Fahrstil nur perfektioniert. Im World Rallycross darf man das und da stehen Ekströms Meisterschaftschancen verdammt gut! Übrigens, es gab in Nürnberg noch jemanden, der sich zum Clown machte. Die Rennleitung! Mit ihrer 3.000 Euro Strafe gegen Christian Vietoris bewiesen die SpoKos, das sie keinen Spaß verstehen. Dirty Talk gehört in vielen Sportarten zum Tagesgeschäft. Wenn einem kreuzbraven Piloten wie Vietoris emotionsgeladen und vor laufender Kamera das A-Wort herausrutscht, dann sollte man nicht so kleinlich sein!

Wer nun am Sonntagnachmittag auf knackige WTCC-Action hoffte, der wurde leider enttäuscht. Die Entscheidung in der Tourenwagen-WM ist längst gefallen. Jose-Maria Lopez ist der dritte Titel in Folge nicht mehr zu nehmen.

03715011_0374-1024x683Doch allein der spektakuläre Stadtkurs von Vila Real und die frenetischen Fans lohnten das Einschalten, selbst wenn beide Läufe ereignislos vor sich hin plätscherten. Das lag zu einem gewissen Teil auch am Kalender der WTCC. Unmittelbar nach dem Rennen wurden die bunt lackierten Mittelklassewagen bereits Richtung Südamerika verschifft. Da wollten die Teams keinerlei Risiken eingehen. Eine tolle Show gab es aber trotzdem, denn im Eröffnungsrennen bewies Tom Coronel, das er immer noch eine Hausnummer ist. Der fliegende Holländer flog von der Reverse-Pole zum Sieg und machte alles richtig. Hochkonzentriert kämpfte Tom mit seinem ehemaligen Teamkollegen Tom Chilton. Der Brite, inzwischen in Diensten von Sebastien Loebs Citroen-Team, hatte aber gegen Coronel keine Chance. Zwar ritt Chilton ein paar kleinere Attacken, die blieben aber gefahrlos. Am Ende freundete sich Chilton mit dem zweiten Platz an und freute sich über die Punkte und ein heiles Auto. Ähnlich sah das wohl auch Nick Catsburg, der im mit 70 Kilo Kompensationsgewicht beschwerten Lada dritter wurde

Das Hauptrennen wurde zur Herzensangelegenheit von Tiago Monteiro. Der Portugiese wurde bei seinem Heimrennen zum Helden und belohnte sich und seine frenetisch feiernden Fans mit einem Sieg. Die Bilder, die Eurosport während Monteiros Auslaufrunde in die Wohnzimmer lieferte, waren einfach sensationell. Ganz Vila Real kam aus dem Feiern und Jubeln nicht mehr heraus, von Tiago Monteiro ganz zu schweigen. Der Liebling der Massen ließ sich von einer beeindruckenden Menschenmasse feiern und war nach dem Rennen einfach nur überwältigt. „Das ist ein Moment, den ich nie vergessen werde“, grinste der Ex-F1 Pilot bei der Pressekonferenz!

Citroen kämpfte in Vila Real wieder einmal auf verlorenem Posten. Jose-Maria Lopez kam im Eröffnungsrennen nicht über den fünften Rang hinaus, noch hinter Privatier Mehdi Bennani. Im Hauptrennen versuchte Yvan Muller erst gar nicht, Tiago Monteiro zu attackieren. Der Elsässer nahm den zweiten Platz kampflos mit und wird sich wohl über ein halbwegs solides Wochenende gefreut haben. Trotzdem dürfte für Muller der WTCC-Zug abgefahren sein. Ich kann mir nicht vorstellen, das der viermalige Tourenwagen-Weltmeister im nächsten Jahr noch eine Saison dranhängt. Auch um Jose-Maria Lopez Zukunft kochen derzeit viele Gerüchte. Geht der Argentinier in die WEC oder in die Formel E? Oder tut er das einzig richtige und wechselt im Jahr 2017 zu Volvo? Die Schweden könnten einen so erfahrenen Piloten wie Lopez händeringend gebrauchen, denn in Vila Real blieben die blauen Schwedenhappen ziemlich farblos.

Fotos (c) Audi Communications Motorsport, Daimler AG, BMW AG, FIA WTCC Media, DPPI, Honda Racing WTCC