WTCC Nürburgring: Vernichtendes Urteil gegen Honda!

WTCC_Norbert_MicheliszDas Honda-Werksteam erlebt am Nürburgring ein Desaster am grünen Tisch. Die Sportkommissare der WTCC entscheiden, das die drei Werks-Honda sowie der Civic des privaten Zengö-Teams aus der Wertung der Rennen in Budapest und Marrakesch ausgeschlossen werden. Der Grund: Ein regelwidriger Unterboden!

Die zwei FIA-Stewards Paolo Longoni und Tim Schenken sowie ASN-Steward Achim Loth trafen sich am Abend des 26. Mai am Nürburgring und untersuchten die technischen Berichte der Rennen von Budapest und Marrakesch, die vom Technischen Delegierten der FIA vorbereitet worden waren. Im Zuge der Untersuchung kamen auch die Vertreter der betroffenen Teams an zu Wort. Die Stewards kamen zu dem Schluss, dass Teile des flachen Unterbodens von Auto Nummer 5 (Norbert Michelisz, Honda Racing Team JAS), 12 (Rob Huff, Honda Racing Team JAS), 18 (Tiago Monteiro, Honda Racing Team JAS) und 55 (Ferenc Ficza, Zengö Motorsport) nicht dem Technischen Reglement der FIA World Touring Car Championship 2016 entsprachen. Somit wurden alle vier Autos rückwirkend von den Rennen in Ungarn und Marokko ausgeschlossen. Honda verliert gleichzeitig den Dreifachsieg von Marrakesch. Die Beanstandung beim Unterboden wurde in der Entscheidung der FIA Stewards wie folgt begründet:

  1. Es ist anders als das homologierte Bauteil im Anhang A-5747 210/07 ER, aber auch als das Teil, das beim Homologierungsprozess vorgelegt wurde. Das ist ein Verstoß gegen die Artikel 263.003 und 263.004 von Anhang J.
  2. Die Konstruktion ist nicht konform mit der Definition von Kompositanwendungen zum Zeitpunkt der Homologation laut Anhang A5747 210/07 ER (Artikel 251.2.1.11 von Anhang J). Damit wird gegen Artikel 263.902 von Anhang J verstoßen.

Das Honda Team JAS hat bereits mitgeteilt, dass man gegen die Entscheidung der Stewards Einspruch erheben wird. In einem Statement erklärte das JAS-Team: „Wir sind vollständig überzeugt, dass unser flacher Unterboden dem Technischen Reglement der FIA World Touring Car Championship entspricht. Deswegen werden wir gegen alle Entscheidungen Einspruch einlegen!“ Bereits beim Rennen in Budapest beäugten die technischen Kommissare die Unterböden aller Hondas. Nach einer ausführlicher Untersuchung fanden die Sportkommissare aber keine Unregelmäßigkeiten. „The technical examination of the Civics‘ floors has been completed and the parts comply fully with the regulations„, meldete das Honda-Team via Twitter aus Ungarn. Jetzt, nach über vier Wochen, finden die Stewards also doch etwas und schlagen mit aller Härte zu. Leider muss ich es so direkt ansprechen. Die Entscheidung stinkt zum Himmel und reiht sich ein in eine Kette von Fehlentscheidungen, die der Tourenwagen-WM nicht gut tun!

WTCC_Jose_Maria_LopezTrotz dieses Rückschlages besiegte Honda beim MAC3-Zeitfahren die Konkurrenz von Citroen. Norbert Michelisz führte seine Honda Teamkollegen Tiago Monteiro und Rob Huff zu einer Zeit von 8:47.920 Minuten. Auf der einzigartigen 25,278 Kilometer langen Nordschleife wurde das MAC3 statt der üblichen zwei nur über eine Runde geführt. Bei Citroën fuhr Yvan Muller mit seinen Teamkollegen José Maria López und Mehdi Bennani. In einem engen Duell waren sie um 1,564 Sekunden langsamer und somit holte Honda den zweiten Saisonsieg im von der Tour de France inspirierten Zeitfahren. Lada konnte am MAC3 nicht teilnehmen, nachdem Hugo Valente eines der drei Autos im vorangegangenen Qualifying bei einem Unfall beschädigt hatte. Im zuvor absolvierten Abschlußtraining blieb Jose-Maria Lopez der Pole King am Ring. Lopez bezwang die grüne Hölle in einer Zeit von 8.35,541 Minuten. Damit war der Argentinier 3,573 Sekunden schneller als sein Citroën Teamkollege Yvan Muller und verbesserte seinen eigenen Qualifying Rekord von 2015 um 1,8 Sekunden. Auch Tom Coronel zeigte eine außergewöhnliche Qualifying Performance, um als bester WTCC Trophy Fahrer mit seinem ROAL Motorsport Chevrolet Cruze Platz drei zu erobern. Er war eine halbe Sekunde schneller als Honda-Pilot Norbert Michelisz, der einen vergleichbaren Vorsprung vor Tom Chilton hatte. Der Brite vom Team Sébastien Loeb Racing verlor die Vormachtstellung in der WTCC Trophy an seinen ehemaligen Teamkollegen Coronel.

Die beiden WTCC-Läufe auf der Nordschleife starten heute um 11:20 Uhr und 12:45 Uhr und werden gemeinsam mit dem ETCC-Feld ausgetragen. Start zum 44. ADAC Zurich 24h Rennen ist um 15:30 Uhr. Aber dazu dann nächste Woche mehr!

Fotos (c) FIA WTCC Media, DPPI