WTCC Budapest: Nass und wild!

Wer sich am Hungaroring auf einen erneuten Citroen-Durchmarsch freute, der wurde überrascht. Bei zwei ziemlich verrückten Rennen waren die Autos mit dem Doppelwinkel zwar wieder die schnellsten, doch Mehdi Bennani düpierte im ersten Lauf die komplette Citroen-Werkstruppe. Die pokerten mit den Reifen und steckten eine ziemliche Schlappe ein!

WTCC_Race_of_Hungary_Norbert_MicheliszDer Hungaroring im Regen ist immer ein Garant für jede Menge Action. Das war seinerzeit bei der Formel 1 so und auch die bunt lackierten Mittelklassewagen der WTCC hielten sich an die Faustregel. Der Nieselregen trieb Teamchefs und Piloten die Sorgenfalten auf die Stirn. In den Tagen vor dem Rennen war kein einziger Tropfen auf den brandneuen Asphalt des 4,381 Kilometer langen Kurses gefallen. Vor dem Start war also meteorologische Kernkompetenz gefragt, kombiniert mit dem Know How einer perfekten Reifenwahl. Doch die Problemlösung ging bei einigen Teams völlig in die Hose. Citroen entschied sich für Slicks, dummerweise an beiden Autos. Einige Teams wähnten sich schlauer und setzten auf Full Wets oder auf Mischbereifung. Eine spannende Ausgangslage für die zahlreichen Fans, die einem Podesterfolg ihres Local Hero entgegen fieberten. Doch ein Technik-Gremlin in Norbert Michelisz Honda entschied sich anders. Bereits in der ersten von zwei Einführungsrunden stieg der Turbolader an Norbis Honda aus und verteilte eine riesige Wolke aus weißem Rauch. Pech für Michelisz und seine treuen Fans, doch die sollten später noch ihre helle Freude an Norbi haben.

WTCC_Race_of_Hungary_Opening_Race_startOhne Michelisz machte sich das Feld auf die Reise und Mehdi Bennnani nutzte seine Pole perfekt aus. Der Marokkaner behielt die Oberhand auch in den ersten Kurven und setzte sich langsam vom Feld ab. Dahinter kämpften diverse Kutscher mit mangelndem Grip, es wurde angeklopft, ausgeteilt und überall im Feld kam es zu Kontakten. Yvan Muller und Jose-Maria Lopez hatten in der frühen Phase des Rennens aber bereits fertig. Beide Citroen-Piloten ‚vergassen‘ einen Wechsel auf Regenreifen, so wie in Lada-Pilot Gabriele Tarquini einleitete und wurden durchgereicht. Für Citroen wurde der erste Lauf zum Desaster. Yvan Muller gab entnervt auf. Weltmeister Lopez biss auf die Zähne und spulte seine Runden ab. An der Spitze hatte der Citroen von Mehdi Bennani dagegen alles unter Kontrolle. Der Marokkaner in Diensten von Sebastien Loeb Racing fuhr ein cleveres Rennen, auch das Team machte in Ungarn einen perfekten Job. Die Reifenwahl stimmte, auch der Tanz mit den richtigen Reifendrücken und dem optimalen Setup beherrschten die Semi-Privatiers par excellence. Bennanis erster Gesamtsieg war somit nur eine Frage der Zeit. Nach 14 fehlerfreien Runden war es soweit. Dahinter komplettierte Tom Chilton die perfekte Ausbeute für Loeb Racing. Chilton knackte auf seiner Fahrt den Volvo von Ekblom und wenig später Nick Catsburg im Lada. Ein feiner Erfolg für den Briten, der erst das dritte Rennwochenende im Citroen C-Elysee saß.

Zwischenzeitlich machte ein weiterer Lada auf sich aufmerksam. Gabriele Tarquini griff in Budapest wieder einmal tief in seine Trickkiste. In der Einführungsrunde wechselte Tarquini auf Regenreifen und stürmte dem Feld hinterher. Nach 8 Runden war Tarquini der schnellste Mann auf der Bahn und eroberte den fünften Rang hinter Fredrik Ekblom und vor Hugo Valente im dritten Lada. Das Team aus Togliatti brachte alle drei Autos in die Top 6 und erreichte das bisher beste Ergebnis in der Geschichte des Teams. Honda kam dagegen nicht in Schwung. Ferenc Ficza im privaten Zengo-Honda wurde neunter und ließ die Werks-Armada weit hinter sich. Rob Huff und Tiago Monteiro verzockten sich bei der Reifenwahl und eierten auf die Ränge 11 und 12. Enttäuschend!

WTCC_Race_of_Hungary_Main_Race_startAuch das zweite Rennen wurde zum Wet Race, wenn auch mit umgekehrten Vorzeichen in Sachen Citroen-Werksteam. Jose-Maria Lopez nutzte seine Pole clever aus und versuchte sich abzusetzen. Doch plötzlich war da Yvan Muller, der einen Blitzstart hinlegen konnte. Auch Bennani kam gut weg und so bildete sich ein Rudel, das sich nicht lange mit dem Vorspiel aufhalten wollte. Es wurde angeklopft und im strömenden Regen kam es zu sehenswerten Duellen. Huff versuchte Lopez unter Druck zu setzen, dahinter kämpften Muller und Kollegen mit der Linie und den Gegnern. Es dauerte dann auch nicht lange, bis die Rennkommissare die roten Karten zückten. Mehdi Bennani wurde per Durchfahrtsstrafe zur Ordnung gerufen. Korrekte Entscheidung? Eher nicht, denn die Verhältnisse auf der Strecke waren ziemlich tricky. Auf eine solche Strafe hätten die Spokos durchaus verzichten können. Als sich in der dritten Runde George Demoustiers mit einem heftigen Einschlag abmeldete, sorgte das Safety Car ein paar Umläufe lang für Ruhe, zumindest auf der Strecke.

Auf den Tribünen machten dagegen die zahlreichen Michelisz-Fans gewaltig Krawall. Nach dem Laderschaden hatten die Honda-Mechaniker den Wagen des Ungarn repariert und der revanchierte sich mit einem sagenhaften Rennen. Vom letzten Platz gestartete stürmte Michelisz durchs Feld und schnupfte Gegner um Gegner auf. Ein Fest für die knapp 65.000 Zuschauer. Auch der Kampf an der Spitze war sehenswert. Yvan Muller rückte seinem Teamkollegen auf den Pelz, doch Lopez ließ sich nicht in einen Fehler treiben. Dieses Duell kostete Zeit und so gelang es Honda-Pilot Rob Huff auf die beiden Citroen aufzuschließen. Ein feiner Dreikampf entwickelte sich, Huff schnupfte Muller gekonnt auf und machte nun Jagd auf Lopez. Doch wieder einmal spielten die Rennkommisare Schicksal. Auch Huffy musste zur Durchfahrtsstrafe antreten. Wegen einer Nichtigkeit beim Überholmanöver gegen Yvan Muller. Grober Unfug, wie ich finde!

Dadurch war das Rennen an der Spitze entschieden. Lopez gewann den zweiten Lauf vor Muller und Tiago Monteiro. Dafür sorgte der dritte Honda mit Norbert Michelisz für ordentlich Action. Inzwischen auf Rang 6 angekommen, biß der Ungar regelrecht ins Lenkrad. Vielleicht ein wenig zuviel, den beim Angriff auf Tom Chilton ging Norbert zu weit. Einige Karosserieteile gingen fliegen und in der letzten Runde des Rennens machte dann auch noch die rechte Hinterradaufhängung schlapp. Norbi ging quer durchs Kiesbett, rettete sich zurück auf die Strecke und wurde mit heftig angeschlagenem Auto noch zehnter. Ein Riesenerfolg für den Ungarn, der bei seinem Heimrennen vom Pech verfolgt war.

Die WTCC in Budapest, das waren zwei nasse und wilde Rennen, ganz nach dem Geschmack der Tourenwagenfans. Und die nächste Show läßt nicht lange auf sich warten. Vom 6. bis 8. Mai gastiert die WTCC auf dem umgebauten Stadtkurs in Marrakesch, der von 4,6 auf 3,0 Kilometer verkürzt wurde!

Fotos (c) FIA WTCC Media, DPPI