WTCC Slovakiaring: Lopez zittert sich zum Sieg!

Auch auf dem Slovakiaring lieferten sich die bunt lackierten Mitelklassewagen der WTCC wieder zwei unterhaltsame Läufe, die beide in einem packenden Finish mündeten. Honda-Pilot Tiago Monteiro gewann das Eröffnungsrennen. Im Hauptrennen zitterte sich Jose-Maria Lopez mit angeschlagenem Citroen zum Sieg!

2016_wtcc_slovakiaring_slovakia_1208Die Tourenwagen-WM 2016 nimmt inzwischen Fahrt auf. Die beiden Läufe auf dem technisch anspruchsvollen Slovakiaring boten erneut spannenden Rennsport, jede Menge Action und zwei dramatische Zieleinläufe. Tiago Monteiro gewann auf seinem Honda Civic R das Eröffnungsrennen. Der Portugiese musste sich aber lange hinter dem Citroen C-Elysee von Mehdi Bennani anstellen. Der Marokkaner in Diensten von Sebastien Loeb Racing fuhr mit 80 Kilogramm Zusatzgewicht, umso beeindruckender war seine Führungsarbeit. Bennani kämpfte wacker, musste sich aber in der neunten von elf Runden geschlagen geben. Monteiro zog vorbei und setzte sich direkt ab. Dem Marokkaner gelang es aber, den heranstürmenden Rob Huff im zweiten Honda hinter sich zu halten. Ein Klasserennen für Bennani, der mit seinem zweiten Platz auch über den dritten Sieg in der Privatfahrerwertung jubeln durfte. Gekämpft wurde aber nicht nur um den Gesamtsieg. Auch im Verfolgerfeld kam es immer wieder zu sehenswerten Attacken. Mittendrin Seat-Pilot Gabriele Tarquini. Der Tourenwagen-Haudegen lieferte sich einen beherzten Zweikampf mit Hugo Valente und knallte kurz vor Rennende auch noch dem amtierenden Weltmeister die Türe zu.

WTCC_Race_of_Slovakia_Jose_Maria_LopezDer zweite Lauf sollte – so die Prognose – das Rennen des Weltmeisters werden. Doch Jose-Maria Lopez machte es allen nicht leicht. Zwar ging der Argentinier souverän in Führung und düpierte dabei seinen Teamkollegen Yvan Muller, doch mit Beginn der vierten Runde musste ‚Pechito‘ um seinen Sieg zittern. Starke Vibrationen und eine hässlisch kreischende Geräuschkulisse liessen den Schluß zu, das an Lopez Citroen etwas nicht stimmen konnte. Kurzzeitig verlor der Argentinier gar die Führung an Nicky Catsburg im Lada Vesta, dessen Reifen aber über die Distanz immer schwächer wurden. Lopez gelang es, sich auf seinen angeschlagenen Dienstwagen einzustellen und eroberte die Führung zurück. Bis ins Ziel mit einem angeschlagenen Auto kämpfend, holte sich Lopez seinen 23. WTCC-Sieg und jubelte frenetisch, als hätte er gerade seine erste Weltmeisterschaft gewonnen. Eine Klasseleistung von Lopez, den angezählten Citroen zum Sieg zu fahren. Grund des technischen Defektes: Ein Problem am linken Hinterrad, vermutlich ausgelöst durch eine durchgeschliffene Felge. Doch selbst auf der Pressekonferenz war sich Lopez nicht ganz sicher. Vielleicht war es auch der Stabilisator. Zweiter im Hauptrennen wurde übrigens Tiago Monteiro, der für das zweite Honda-Podium des Wochenendes sorgte. Nicky Catsburg fuhr den Lada Vesta auf den dritten Rang.

WTCC_Fredrik_EkblomVolvo erlebte auf dem Slovakiaring ein durchwachsenes Wochenende. Zwar waren die beiden Polestar-S60 durchgehend schnell, im Rennen musste Thed Björk allerdings eine bittere Pille schlucken. An Björks Volvo wurde ein Luftmengenbegrenzer entdeckt, der einen größeren Innendurchmesser als die erlaubten 46 Millimeter hatte. Björk wurde disqualifiziert. Polestar Cyan Racing hat das Urteil der Kommissare akzeptiert. „Die Entscheidung ist richtig, wir legen keinen Einspruch ein“, erklärt Motorsportchef Alexander Schedvin. „Als Neuling in der Meisterschaft muss man damit rechnen, dass sie das neuen Auto besonders genau kontrollieren. Wichtig ist jedoch, was wir von diesen Rennen mitnehmen. Was Zuverlässigkeit, Leistung und Ergebnisse betrifft haben wir eine gute Ausgangsposition. Und das haben wir alles sportlich fair erreicht.“ Ein korrektes Statement, denn Volvo war auch am Slovakiaring beachtlich gut sortiert. Vermutlich ist es nur noch eine Frage Zeit, bis der erste Volvo Kurs auf das Podium nimmt. Die Messdifferenz am Luftmengenbegrenzer ist inzwischen auch geklärt. „Die Temperatur des Motors und Luftmengenbegrenzers war bei einer Messung nach dem zweiten Rennen in der Slowakei deutlich höher als während des Rennens“, erklärte Mattias Evensson, Leiter der Motorenentwicklung bei Volvo. Man muss also davon ausgehen, das sich das beanstandete Bauteil aufgrund der hohen Temperaturen zu stark ausgedehnt hat. Der zweite Volvo S60 mit Fredrik Ekblom gelang im Eröffnungsrennen ein neunter Platz. Im Hauptrennen wurde Ekblom achter.

Für die Privatiers war der Slovakiaring kein gutes Pflaster. Die Chevrolet Cruze von John Filippi, Tom Coronel und James Thompson hatten im Kampf gegen die Werksteams keine Chance. Im Main Race kämpfte Tom Coronel aber wacker und konnte mit dem neunten Rang noch Punkte abgreifen. James Thompson wurde elfter. Bereits in einer Woche steuert die Tourenwagen-Weltmeisterschaft ihrem ersten Höhepunkt entgegen. Dank Local Hero Norbert Michelisz werden auf dem Hungaroring nahe Budapest bis zu 60.000 Zuschauer erwartet!

Fotos (c) FIA WTCC Media, Castrol Honda Racing