WTCC: Knackiger Auftakt macht Lust auf mehr!

Der Auftakt zur Tourenwagen-WM 2016 im südfranzösischen Le Castellet bot alles, was der Racerherz braucht. Spannende Tür-An-Tür-Duelle und jede Menge Action. Das frisch verjüngte Honda-Team bestätigte die guten Testergebnisse mit einem Sieg und vier Podiumsplätzen. Polestar-Volvo lieferte ein solides Debüt und bei Citroen hängt alles an ‚Pechito‘ Lopez!

Jose_Maria_Lopez_DHL_Pole_Position_AwardDer argentinische Tourenwagen-Weltmeister Jose-Maria Lopez ließ sich in Le Castellet nicht lange bitten. Der Superstar im Citroen-Werksteam langte trotz des 80-Kilo Gewichtshandicaps bereits im Qualifying zu und holte mit einer Traumrunde die Pole Position. Der Citroen-Truppe reichte der Erfolg aber noch nicht. Im brandneuen MAC3-Teamzeitfahren behielt die Equipe ebenfalls die Oberhand. Lopez und Yvan Muller erhielten Verstärkung durch Privatier Mehdi Bennani und setzten beim Debüt des ‚Manufacturers Against The Clock‘ – Wettbewerbes eine weitere Duftmarke. Eigentlich kein Wunder, denn die Citroen-Piloten kennen den Kurs von Le Castellet schließlich wie ihre Westentasche. Auf Citroens Haus- und Hofstrecke fanden quasi die gesamten Vorbereitungen und Testfahrten zum Einstieg in die WTCC statt. Jetzt, im letzten Jahr der Citroen-Beteiligung, lief im MAC3 zwar wieder alles nach Plan, Citroen musste sich allerdings strecken. Schließlich kamen die drei gelben Vesta des Lada-Teams nur 0,030 Sekunden hinter den Franzosen ins Ziel. Honda fiel beim Teamzeitfahren dagegen durch. Zwar ging die Generalprobe für das Honda JAS-Team schief, im Rennen lief es dafür umso besser.

2016_wtcc_le_castellet_france_0040(1)Mit frischem Design und zwei hochmotivierten Neuzugängen legte Honda bereits bei den Vorsaisontests die Latte hoch. Rob Huff und Norbert Michelisz wurden engagiert und gesellten sich zu Honda-Stammfahrer Tiago Monteiro. Das ausgerechnet ‚Huffy‘ bei seinem ersten Honda-Einsatz über sich hinaus wachsen würde, hatten die zahlreichen Fans des Briten insgeheim gehofft. Das Huff aber souverän den erste Laufsieg holte, war so sicher nicht absehbar. Im ersten Heat mit Reverse Grid setzte sich Huff gleich mal vom Feld ab und kontrollierte das 16-Runden-Rennen. Hinter dem Tourenwagen-Weltmeister von 2012 ging es dagegen ordentlich zur Sache. Ekblom im blauen Volvo legte sich mit Nick Catsburg im gelben Lada an. Dahinter bildeten sich feine Kampfgruppen, die sich mehr als nur Windschattenschlachten lieferten. Tourenwagen-Action vom feinsten und mittendrin die beiden Citroen von Lopez und Yvan Muller. Der Elsässer war allerdings schnell raus aus der Nummer. Mullers Frühstart war unübersehbar, die Durchfahrtsstrafe folgte unmittelbar.

Tom_Coronel_WTCC_action_imageBei allen Teams war der Fehdehandschuh das Kleidungsstück des Tages. Tom Coronels Fight mit Catsburg und Monteiro wurde zum guten Beispiel, wenn auch unterbrochen von einer Schrecksekunde. Ekblom drehte sich und Coronel musste ausweichen. Die Chance für Catsburg sich mit seinem holländischen Landsmann einen feinen Zweikampf zu liefern. In dieses Duell mischten sich auch noch Gabriele Tarquini, Gregoire Demoustier und der zweite Volvo mit Thed Björk ein. Der Lada von Tarquini fiel der Rangelei zum Opfer, doch das war längst nicht alles. Norbert Michelisz und Tiago Monteiro verbissen sich rundenlang in Hugo Valente. Und auch Tom Coronel fand sich wieder mit Nick Catsburg zum Tête-à-Tête ein. Die beiden lieferten sich einen herzerfrischenden Schlagabtausch bis in der vorletzten Runde der Volvo S60 von Björk formatfüllend auftauchte. Im letzten Umlauf war eine Entscheidung fällig. Catsburg klopfte an Coronels Heck, der Chevrolet von Major Tom ging quer. Björk nutzte die Chance eiskalt und zog innen an den holländischen Kampfhähnen vorbei auf den siebten Platz. Der Fight zwischen Coronel und Catsburg ging derweil noch ein paar Kurven weiter. Im Türklinkenduell mit Landsmann Tom fuhr der Lada-Youngster überragend und zog im entscheidenden Moment innen an Coronel vorbei. Klasse Racing! Vorne war derweil alles klar: Rob Huff gewann den ersten Lauf vor einem stark fahrenden Mehdi Bennani und Norbert Michelisz.

WTCC_Main_Race_actionDer zweite Lauf des Tages fiel erwartungsgemäß ein wenig ruhiger aus. Jose-Maria Lopez profitierte am Start von seiner Pole Position, musste aber im Laufe des Rennens jenen 80 Kilogramm Tribut zollen, die an den Reifen des Citren C-Elysee zerrten. Tiago Monteiro im dritten Werks-Honda machte im Verlauf der 17 Runden viel Boden auf Lopez gut und knabberte gegen Rennende am Heck des Weltmeisters. Eine Überholchance bot sich Monteiro aber nicht. Der Portugiese sicherte den zweiten Rang vor Norbert Michelisz. Yvan Muller wurde vierter und zementierte damit seine Statistenrolle im Citroen-Team. Citroen-Teamchef Yves Matton wird sich ziemlich zügig auf einen Nummer-1-Fahrer festlegen müssen. Das es sich dabei um Lopez handeln wird, sollte klar sein. Schließlich ist Honda inzwischen stark genug, die Franzosen gehörig unter Druck zu setzen. Insgeheim traue ich Rob Huff sogar dem Weltmeistertitel zu. Volvo machte beim Debütrennen eine gute Figur, hielt locker mit und dürfte mit fortschreitender Entwicklung die Hände in Richtung Podium ausstrecken. Bei den Privatiers legte Mehdi Bennani einen Traumstart hin. Der Marokkaner im Team von Sebastien Loeb Racing fuhr einen brillianten ersten Lauf, geriet aber im Hauptrennen unter Druck von Tom Chilton. Tom Coronel konnte im Hauptrennen keinen Stich mehr landen. Am Start ging die Drehzahl in den Keller und Coronel kam nur langsam in Schwung. Dann verabschiedete sich an Toms Chevrolet Cruze auch noch die Servolenkung…

Die WTCC des Jahres 2016 legte einen grandiosen Start hin und macht Lust auf mehr. Auf die nächsten Läufe (17. April, Slovakiaring und 24. April, Hungaroring) darf man wirklich gespannt sein!

Richtig zur Sache geht es aber bereits schon wieder am kommenden Wochenende. Rund um Belfast wird der 85. Circuit Of Ireland ausgetragen. Hier im Dorf fragen sich einige, warum der ultraschnelle Rallye-EM-Lauf bisher nie wirklich die Chance auf einen WM-Status hattte. Verdient hätten es die Macher des Circuit allemal. Am Start ist die gesamte EM-Elite und natürlich auch die Youngster von Opel-Motorsport. Aber dazu morgen mehr!

alle Fotos (c) FIA WTCC Media, DPPI, Castrol Honda Racing