WTCC Porto: Die Crash Corrida

Guten Morgen aus Düsseldorf!

Die WTCC in Porto, da fliegt Dir doch das Blech weg….

Bereits bei der Premiere vor 2 Jahren war der Circuito Da Boavista echtes Adrenalin für Tourenwagenkutscher und Zuschauer. Doch am Wochenende setzten die Herren noch einen drauf und teilten richtig aus. Zwei Rennen, viel Schrott und zwei rote Flaggen waren die Folge.

Bereits unmittelbar beim fliegenden Start des ersten Laufes kam es zum Paukenschlag. Jaap van Lagen im Lada und Sergio Hernandez’s BMW verhakten sich im Getümmel. Hernandez flog dabei so heftig in die Betonwand, das sich das getroffene Betonelement um einen halben Meter verschob. Die Zielgerade war blockiert, doch das Hauptfeld flog munter weiter um den Kurs. In der Anfahrt zur Avenida Do Parque zwängte sich Gustl Farfus neben Alain Menu und rutsche auf der noch feuchten Piste in Menus Stoßstange. Menu drehte sich und blockierte die Fahrbahn. Das nachfolgende Feld versuchte sich in hektischen Ausweichbewegungen, doch am Ende war die Strecke mit querstehenden Fahrzeugen dicht. Rote Flagge – Rennabbruch.

 

Nach einer Reparaturpause gings es dann hinter dem Safetycar wieder auf die Reise. Doch die Positionen waren nach dem Neustart bezogen. Tarquini ließ in Führung liegend zwar eine eine Schikane aus, doch der kleine Regelverstoß blieb für den Italiener folgenloss. Gustl Farfus dagegen wurde nach seinem Manöver gegen Menu mit einer Boxendurchfahrt bestraft und nach hinten durchgereicht. Im Kampf um den Fahrertitel griff BMW nun in die Trickkiste und plötzlich verloren Priaulx und Müller ihren bis dahin guten Speed. Die offensichtliche Teamorder funktionierte für Farfus perfekt. Priaux und Müller fielen aus den Punkten und Farfus sicherte sich mit dem achten Platz die begehrte Pole fürs zweite Rennen. Sieger des 99. Laufes zur Tourenwagen WM war übrigens Gabriele Tarquini. Das komplette Rennergebnis des ersten Laufes

.
 

 

Farfus katapultierte sich mit einem Raketenstart in das zweite Rennen, verfolgt von einem Seat-Viererzug. Doch die WTCC-Piloten hatten ihr Mütchen nur kurz unter Kontrolle. Im dritten Umlauf konnten sich Larini und Tarquini nicht über die Vorfahrt einigen und rasselten in die Streckenbegrenzung. Mehdi Bennani umkurvte die Unfallstelle und torpedierte nach Rückkehr auf die Strecke den Seat von Tom Boardman. Das Safetycar bremste das Feld ein und die Overtüre für den zweiten Rennabbruch konnte beginnen. Nach dem Neustart zog Farfus in den engen Ecken den Verfolgern davon. Die Seat Meute hatte zwar auf den langen Geraden ein wenig mehr Topspeed, doch der Gustl fuhr ein kontrolliertes Rennen und konterte mit schnellen Runden die Angriffe von Rickard Rydell. Das Rennen plätscherte so dahin, doch zwei Runden vor Schluß kam was kommen musste. Privatier Franz Engstler verfing sich im Chevrolet von Alain Menu, der dabei heftig in die Leitplanken einschlug und seine Einzelteile auf der Strecke verteilte. Rote Flagge – Rennabbruch.

Und so ging es nach einer weiteren Aufräumpause noch einmal für zwei Runden im Renntempo um den Kurs. Gustl Farfus sicherte sich den Sieg im Jubiläumsrennen und ist nun der WTCC Fahrer mit den meisten Siegen (11) und den meisten Poles (9). Yvan Muller wurde Zweiter. Platz drei ging an Rickard Rydell. Andy Priaulx und Jörg Müller liefen als Siebter und Achter im Ziel ein. Ein kleiner Trost für die entgangenen Punkte im ersten Rennen, die der Teamorder zum Opfer fielen. Das komplette Ergebnis des zweiten Laufes gibt es hier.

Für BMW lief es in Porto ordentlich. Seat war zwar schnell, doch die Ecken des Stadtkurses lagen den Drei-Zwanzigern aus München besser. Gut, die Teamorder im ersten Lauf hat für mich einen bitteren Nachgeschmack. Doch die Verwertung der Stallregie gab BMW im Nachinein recht. Gustl Farfus machte im zweiten Lauf alles richtig. Der Brasilianer fuhr clever, schnell und liess keine Zweifel am Sieg aufkommen. Als BMW Speerspitze setzte sich der Mann aus Porto Alegre auf den dritten Tabellenplatz, umringt von einer Seat-Armada. Wenn in zwei Wochen die WTCC auf dem alten Grand Prix Kurs von Brands Hatch gastiert bin ich mal gespannt, was sich BMW da einfallen läßt.
Das Jubiläumsrennen in Porto war die zu erwartende Crash Corrida. Allerdings war auch die Rennleitung nicht ganz schuldlos daran. Nach dem Startcrash in Lauf 1 lief das Feld zu lange mit Volldampf um die Strecke. Gelbe Flaggen waren Fehlanzeige, die hätten bereits viel früher geschwenkt werden müssen. Gustl Farfus Durchfahrts-strafe erinnert mich eher an die Entscheidung eines DTM-Sport-kommissars, die war mit Verlaub Blödsinn. Und Schikanen-Verpasser Tarquini hatte Glück, das die Spokos in seinem Fall ein wenig blind waren.

Alles in allem, das hundertste WTCC Rennen in Porto war spektakulär und die Zuschauer am TV und an der Strecke hatten ihren Spaß. Ein DTM-Spoko hätte dieses Rennen sicher als jugendgefährdet eingestuft, aber mir hat’s Spaß gemacht. Erinnerungen an die DTM Salzburg 1988 wurden wach…..

 

Und sonst…..

Beim Indycar Lauf in Watkins Glen gewann Justin Wilson und sicherte seinem Dale Coyne Team den ersten Sieg in der Indycar-Geschichte. Paul Tracy beendete seinen ersten Watkins Glen Einsatz in der Wiese. Der Kanadier wird am kommenden Wochenende hoffentlich besser motiviert sein. Dann ist Tracys Heimrennen in Toronto und da erwartet Tracys Fanblock einen hoffentlich besseren Start.

In diesem Sinne, einen guten Start in die Woche!

 

 

 

 

5 Kommentare

  1. Julius

    Also ich fand das Rennen wirklich spektakulär und sehr amüsant. Natürlich bleibt die Sportlichkeit bei solchen Rennen teilweise auf der Strecke ( im wahrsten Sinne des Wortes ), doch Niemand kann sich davon freisprechen, dass ein Crash wirklich einen Adrenalinschub gibt und man sich auf jeden Fall gut unterhalten fühlt. Im Prinzip geht es bei solchen Rennen ja zum Großteil um Unterhaltung und diese war definitiv gegeben.
    Vielleicht sollten die Fahrer aber wirklich lieber an einem Stock-Car Rennen teilnehmen um ihre Agressionen auzulassen 🙂

  2. Renngemeinschaft Koeln Marsdorf

    WTCC Porto: Punkte aus 100 möglichen!

    Crashfaktor 90 Punkte
    Spaßfaktor: 60 Punkte
    Sportfaktor: 30 Punkte

    Kurz und knackig ist ja gut, aber das war doch mal too much! In den Seifenkisten kann man sich nämlich auch weh tun, wissen die das nicht? Sergio Hernandez hat da wirklich Glück gehabt.

    Und die Aktion von BMW war m.V. ne miese Nummer. Das Tourenwagenbüro sollte sich der Sache einmal annehmen. Sonst bleibt irgendwann der Sport auf der Strecke. Der Turbostreit zwischen Seat und BMW hat schon genervt, jetzt auch noch so eine richtig doofe Stallorder.

    Hart fahren ist ja okay, aber was da in Porto ablief war für meine Begriffe einfach zu sehr Attacke bis das Blech fliegt. Alain Menu kann ein Lied davon singen. In beiden Rennen wurde der Schweizer böse abgeschossen. Mal sehn, was morgen die MSa dazu sagt.

    Gruß aus Köln, wir basteln schon fürs Heimrennen am Wochenende!

  3. Chris

    Also ich fand es mehr als unsportlich, was BMW da gezeigt hat. Man sieht, da nehmen sich die Rennserien alle nichts. Ob DTM, WTCC oder auch die WRC, wo man gerne mal ups, in der WP einfach stehen bleibt… So was will ich nicht sehen.
    Fand die Art und Weise am Wochenende aber besonders unschön. Da fallen auf einmal 2 Fahrzeuge zurück und sogar die Reporter rätseln was da wohl los ist. Muss ich nicht haben.
    Und ich habe als bekennender Nicht-WTCC-Fan wieder festgestellt, mir sind die Autos einfach zu unspektakulär, wenn auch die Rennen vom Zweikampf usw. in Ordnung gehen.

  4. deXXXa

    An sich ein gutes Rennen, wenn da nicht ein bitterer Nachgeschmack wegen der Stallorder von BMW und der Renndirektion bleiben würde. Aber wer Crashs und Chaosrennen mag ist wiedereinmal voll auf seine Kosten gekommen.

    Ich war zwar anfangs ein bisschen angenervt wie das Rennen abgelaufen ist, aber im grossen und ganzen war das doch ein recht gutes Rennen.

  5. Porsche Cup Sieger

    Guten Morgen,

    hab die WTCC ja erst sein nem Jahr wahrgenommen, doch die Äktschn ist nicht schlecht. Porto war ja wohl der Kracher. Helm auf, Visir runter, Gehirn ausschalten und drauf halten.

    Können von Glück reden, das sich der Hernandez nicht verletzt hat. Das war ein heftiger Einschlag. Aber es ist ja alles gut gegangen und die Rennen waren schon okay, Stadtkurs halt…

Kommentare sind geschlossen.