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Die erste Entscheidung des Wochenendes

Guten Morgen aus Düsseldorf!

Die erste Entscheidung des Wochenendes liegt bereits vor. Ed Carpenter sicherte sich zur Überraschung aller die Pole zum drittletzten Indycar-Lauf des Jahres.

Carpenters Pole ist eine Sensation. Der 29-jährige aus Indianapolis galt eigentlich schon als “aussortiert”, bewies aber bei seinem Comeback vor Wochenfrist, das er auf den Ovalen immer noch zu den Schnellsten gehört. Der zweite Startplatz ging an Will Power, der in Kentucky um seine Tabellenführung kämpfen muß. Powers Vorteil; Titelkonkurrent Dario Francitti kam im entscheidenden Qualifying nicht auf Tempo und startet heute Nacht nur von Startplatz Elf. Hier das komplette Lineup. Rennstart ist am frühen Sonntagmorgen gegen 2 Uhr. Das Rennen gibts live auf indycar.com.

Das “Restprogramm” des Wochenendes hat es allerdings auch in sich. Zu allererst ist da die WTCC, die in Oschersleben fährt. Andy Priaulx und BMW haben sich in der Mageburger Börde natürlich wieder viel vorgenommen. Immerhin, von den bisher zehn Rennen in Oschersleben konnte BMW neun gewinnen! Ich rechne fest mit BMW auch an diesem Wochenende! Eine interessante Aussage traf übrigens BMW Sportdirektor Dr. Mario Theissen. In einem Interview sprach Theissen über die WTCC als “Leitserie für den Tourenwagen-Sport!”. Da würde es mich schon sehr wundern, wenn BMW das WTCC-Engagement zugunsten der DTM komplett einstampfen würde. Spannung und Dramatik ist vorprogrammiert, wenn die 21 Starter am Sonntag ins Rennen gehen.

Da ist natürlich der Linksknick nach Start/Ziel. Eine Ecke, wie gemacht für den gepflegten Lackaustausch. Ingesamt 14 Kurven, mit zum Teil schnellen Passagen. Ein ideales Geläuf für die Tourenwagen der WTCC, die mit dem Rennen ihre Sommerpause beenden. Der Kampf um die WM-Punkte wird in Oschersleben mit Sicherheit spannend.

Ganz im Gegensatz zur DTM, die auch am Wochenende unterwegs ist. Ekström, Spengler und Co. fahren mit ihren fragilen Kisten auf dem Indy-Circuit von Brands Hatch, den man auch straflos als Micky-Maus-Kurs bezeichnen kann. 98 Runden lang müssen die Kutscher den Kurs umkreisen. Was das heißt, dürfte klar sein. Die Herren in der Race Control werden wieder gefordert. Blaue-Flaggen-Alarm in der Grafschaft Kent, den kann der GEZ-Gebühren zahlende Motorsportfreund auch durchaus mal verschlafen. Übrigens, das Ergebnis des DTM-Laufes Zandvoort hat Bestand. Der DMSB bestätigte Timo Scheiders dritten Platz, der wegen eines fehlenden Barcodes auf einem Reifen zwei Wochen um sein Ergebnis zittern mußte.

Und dann ist da noch…

Audi! Die Ingolstädter haben ihr Kommen bestätigt und starten am nächsten Wochenende in der ILMC. Der International Le Mans Cup soll endlich wieder anknüpfen an die guten alten Zeiten jener “Marken-Weltmeisterschaft”, deren spektakuläre Rennen in den Geschichtsbüchern Staub ansetzen. Drei Rennen in diesem Jahr…

  • Silverstone - 12 September
  • Road Atlanta - 2. Oktober
  • Zuhai - 7. November

sollen den Auftakt zu einer weltumspannenden Prototypenserie bilden, die im kommenden Jahr aus sieben Rennen gebildet werden soll.

  • 12 Stunden Sebring - im März
  • Spa 1000 Km - im Mai
  • 24 Stunden Le Mans - im Juni
  • Silvstone 1000 Km - im September
  • Petit Le Mans Roda Atlanta - im Oktober
  • Mount Fuji 1000 Km - im Oktober
  • 1000 Km Rennen in China - im November

 

Audis Fahrer-Team für den ILMC Einsatz 2010 steht übrigens bereits fest:

1.000 Kilometer Silverstone (GB), 12.09.

  • #7 Tom Kristensen (DK)/ Allan McNish (GB)
  • #8 Timo Bernhard (D)/ Dindo Capello (I)

 Petit Le Mans, Road Atlanta (USA), 02.10.

  • #7 Dindo Capello (I)/Tom Kristensen (DK)/ Allan McNish (GB)
  • #9 Marcel Fässler (CH)/André Lotterer (D)/ Benoît Treluyer (F)

 6h Zhuhai (CN), 07.11.

  • #7 Tom Kristensen (DK)/ Allan McNish (GB)
  • #8 Dindo Capello (I)/ Romain Dumas (F)

Bleibt zu hoffen, das sich der ILMC 2011 wirklich etablieren kann und das sich neben Audi und BMW nun auch Peugeot und Aston Martin werksseitig engagieren werden.

Das wars auch schon für heute. Viel Spaß bei den Rennen und ein schönes Wochenende!

Das läuft am Wochenende!

Guten Morgen aus Düsseldorf!

Das Wochenende steht vor der Tür. Zeit, einen kleinen Blick auf das Renngeschehen am TV oder am PC zu werfen. Schließlich ist einiges geboten. WTCC und Formel 2 in Oschersleben. Die DTM fährt mit ihren Rahmenrennen in Brands Hatch. Dazu volles Nachtprogramm aus den USA mit Indycar und NASCAR, die britische Tourenwagenmeisterschaft auf dem schottischen Kurs von Knockhill und die Superleague Formula auf dem Adria Raceway.

Hier das TV-Listing für die kommenden Tage:

 

Freitag, 3. September

  • 16:15 Uhr - Indycar, Training 1, Kentucky Speedway - indycar.com LIVE
  • 18:00 Uhr - Indy Lights, Qualifying, Kentucky Speedway - indycar.com LIVE
  • 19:30 Uhr - Indycar, Qualifying, Kentucky Speedway - indycar.com LIVE

 

Samstag, 4. September

  • 01:00 Uhr - Indycar, Training 2, Kentucky Speedway - indycar.com LIVE
  • 11:30 Uhr - Formel 3 Euro, Rennen 1, Brands Hatch - n-tv LIVE
  • 11:30 Uhr - Formel 2, Rennen 1, Oschersleben - Eurosport 2 LIVE
  • 13:30 Uhr - DTM, Qualifying, Brands Hatch - ARD LIVE
  • 14:00 Uhr - Renault World Series, Rennen 1, Hockenheim - Eurosport LIVE
  • 15:00 Uhr - WTCC, Qualifying, Oschersleben - Eurosport LIVE
  • 22:30 Uhr - NASCAR, Qualifying, Atlanta - Speed TV LIVE
  • 23:30 Uhr - Indy Lights, Rennen, Kentucky Speedway - indycar.com LIVE

 

Sonntag, 5. September

  • 02:00 Uhr - Indycar, Rennen, Kentucky Speedway - indycar.com LIVE
  • 11:00 Uhr - Superleague Formula, Rennen 1, Adria Raceway - superleagueformula.com LIVE
  • 11:30 Uhr - Seat Leon Euro, Rennen 2, Oschersleben - Eurosport 2 LIVE
  • 11:50 Uhr - Formel 3 Euro, Rennen 2, Brands Hatch - n-tv LIVE
  • 12:45 Uhr - WTCC, Rennen 1, Oschersleben - Eurosport LIVE
  • 12:45 Uhr - BTCC, Rennen 1, Knockhill - ITV4 LIVE
  • 13:45 Uhr - DTM, Rennen, Brands Hatch - ARD LIVE
  • 13:45 Uhr - Formel 2, Rennen 2, Oschersleben - Eurosport LIVE
  • 14:00 Uhr - Superleague Formula, Rennen 2, Adria Raceway - superleagueformula.com LIVE
  • 14:15 Uhr - Renault World Series, Rennen 2, Hockenheim - Eurosport 2 LIVE
  • 14:45 Uhr - WTCC, Rennen 2, Oschersleben - Eurosport LIVE
  • 15:10 Uhr - BTCC, Rennen 2, Knockhill - ITV4 LIVE
  • 16:05 Uhr - Porsche Carrera Cup, Rennen, Brands Hatch - motorvision.tv LIVE
  • 18:00 Uhr - BTCC, Rennen 3, Knockhill - ITV4 LIVE

 

Montag, 6. September

  • 01:00 Uhr - NASCAR, Rennen, Atlanta - ESPN LIVE

 

Ich denke, da ist viel spannendes dabei, sieht man einmal von der DTM ab!

1985: Der Sommer, der die Träume raubte.

Guten Morgen aus Düsseldorf, 

es gibt Sommer, die man nie vergisst! Der Sommer des Jahres 1985 war ein tragischer Sommer. Ein Sommer, der sich unauslöschlich in meine Erinnerungen gebrannt hat.

Nach dem schrecklichen Unfalltod von Manfred Winkelhock soll das letze Augustwochenende des Jahres 1985 wieder ein “Back To Normal” sein. Im belgischen Spa-Francorchamps steht der 7. Lauf zur FIA Langstrecken-Weltmeisterschaft auf dem Programm. Zum 1000-Kilometer-Rennen präsentiert sich der Ardennenkurs von seiner besten Seite. Strahlender Sonnenschein und angenehme Temperaturen lassen Vorfreude auf ein großes Rennen aufkommen, obwohl es bereits erste Rufer gibt, die die Sicherheit der damaligen Gruppe C Fahrzeuge kritisieren. Porsche arbeitet mit Hochdruck an Lösungen und präsentierte bereits im Jahr 1984 des Typ 962C, dessen Karrosserie steifer ist und dessen Pedalerie hinter die Vorderachse verlegt wurde. Während das Rothmans-Porsche Werksteam bereits auf den 962C setzt, treten in Spa nahezu alle Privatteams mit dem Typ 956C an. Dieses Fahrzeug ist zwar modifiziert, entspricht aber nicht mehr den aktuellen Sicherheitsnormen. Im Qualifying dominiert Lancia. Das Trio Riccardo Patrese, Alessandro Nannini und Mauro Baldi stellen den LC2 mit Ferrari-Turbomotor auf die Pole Position. Ein Resultat, das bei Porsche und den Porsche-Kundenteams keinerlei Anlaß zur Sorge aufkommen lässt. Die Lancia LC2 sind als “Show-Cars” bekannt. Eine schnelle Pole, ein paar Führungsrunden, dann folgt meist der Ausfall mit technischen Problemen. Den zweiten Startplatz sichert sich der Werks-Porsche mit Derek Bell und H.J. Stuck am Steuer. Und bereits auf Platz 3 folgt der private Brun-Porsche mit Thierry Boutsen und dem deutschen Shooting-Star Stefan Bellof am Steuer.

Stefan Bellof, am 20. November 1957 in Giessen geboren, ist zu jener Zeit das Wunderkind des deutschen Motorsports. Bereits mit 6 Jahren kommt Stefan mit Autos in Berührung, fährt Kart und Formel Ford. Nach erfolgreichen Formel 3 und Formel 2 Einsätzen wird Porsche auf das Ausnahmetalent aufmerksam. 1983 wird Bellof Mitglied im Porsche-Werksteam und gewinnt an der Seite von Routinier Derek Bell drei WM-Läufe. Unvergessen ist bis heute Bellofs Nordschleifen-Rekordrunde von 6:11,13 Minuten, die am 28. Mai 1983 den Zuschauern am Ring den Atem stocken lässt. Kein Pilot vor Bellof und kein Pilot nach ihm hat jemals die Nordschleife mit einem Schnitt von über 200 km/h bezwungen.

 

Bellofs hohe Konzentration, die Fokussierung auf seine Aufgaben, die Leichtigkeit, aber auch sein grenzenloses Selbstbewußtsein öffnen dem jungen Giessener die Herzen und die Türen der Motorsportwelt. Und nachdem der Porsche Werksvertrag für das Jahr 1984 in festen Tüchern ist, klopft Ken Tyrrell an. Auch die Tür zur Formel 1 steht Bellof nun offen. Bellof nutzt seine Chance erneut und nimmt Platz im unterlegenen Tyrrell-Cosworth, wohl wissend das mit diesem Auto nur bei widrigen Verhältnissen etwas zu gewinnen ist. Am 3. Juni 1984 ist die F1-Saison gerade einmal 5 Rennen alt. Nach seinem 6. Platz beim Grand Prix von Belgien und dem 5. Rang von Imola ist Bellofs Stunde gekommen. Monaco ertrinkt im Regen und Bellof hat mit seinem leistungsschwachen Aggregat endlich eine Chance gegen die über 400 PS stärkeren Turbos.

Ich erlebte dieses Rennen unmittelbar am Eingang zur Schwimmbad-Passage, und war Augenzeuge der Geburt einer Supernova. Nach einer Startverzögerung von 45 Minuten hämmerte Bellof von letzten Startplatz durchs Feld, in einer Art, die traumwandlerisch sicher war. Kein Pardon vor den Stars und etablierten Teams, Bellofs Überholmanöver gegen Rene Arnoux in der Mirabeau ging zu Recht in die Geschichte ein. Bellof fuhr weltmeisterlich und legte sich bereits den zweitplazierten Ayrton Senna zurecht, als das Rennen von Rennleiter Jacky Ickx vorzeitig abgewunken wurde. Alain Prost gewann, wenn auch umstritten, Senna wurde Zweiter und Stefan Bellof geriet durch diese Fahrt in den Fokus des großen Enzo Ferrari. Die Tyrrell-Tankaffäre führte zwar zum Ausschluß von Bellof und Tyrrell, doch Stefan gewann 1984 als erster deutscher Rennfahrer den Titel des Sportwagen-Weltmeisters und wurde Deutscher Rennsport Meister.

1985 konzentriert sich Stefan auf die Formel 1 und fährt “nebenher” Sportwagenrennen im Team des Schweizers Walter Brun. Als Stefan Ende August nach Spa kommt, hat er bereits einen Vorvertrag mit Ferrari in der Tasche. Die Zukunftaussichten des fröhlichen Hessen sind rosig. Denn welcher junge Rennfahrer träumt nicht davon, seine Motorsport-Karriere mit einem Formel 1 Vertrag bei Ferrari zu krönen. Aber es sollte anders kommen.

1. September 1985, 77. Runde. Der Werks-Porsche mit Jacky Ickx am Steuer wird schon rundenlang von Stefan Bellof bedrängt, der offensichtlich schneller fahren kann und den Belgier, so scheint es dem Beobachter, auf seiner Paradestrecke düpieren will. Einen Umlauf später versucht Bellof das Unmögliche. Auf der Anfahrt zur Eau Rouge zieht Ickx nach rechts an die Boxenmauer, Bellof sieht seine Chance und setzt zum Überholmanöver an. Am Kurveneingang kollidieren beide Autos und Stefans Porsche 956 schlägt mit ungeheurer Wucht frontal in die Streckenbegrenzung ein. Ickx’ Porsche bleibt, ebenfalls schwer beschädigt, im oberen Teil von Eau Rouge liegen. An Bellofs Wagen bricht Feuer aus, das schnell erstickt wird. Doch Stefan Bellof hat nicht den Hauch einer Überlebenschance und verstirbt im völlig zerstörten Auto.

Die unvollendete Karriere des Stefan Bellof läßt viele Fragen offen. Der Unfallhergang wird bis heute lebhaft diskutiert, doch eine Frage stellt sich weder für mich noch für die viele Zeitzeugen, die Bellof ein Stück weit begleitet haben: Stefan Bellofs Ausnahmetalent hätte ihn ohne Zweifel Ende der Achtziger Jahre zum Weltmeistertitel der Formel 1 geführt. Doch nach den tödlichen Unfällen von Manfred Winkelhock und Stefan Bellof im Sommer des Jahres 1985 war nichts mehr wie es war.

Der Sommer des Jahres 1985 war der Sommer, der die Träume raubte.

 

Zum heutigen 25. Todestag von Stefan Bellof gibt es auch im Web einige lesenwerte Informationen:

Website des Hessischen Rundfunks zum 25. Todestag von Stefan Bellof

Die offizielle Stefan-Bellof Website

Japanische Website mit der 1986 ausgestrahlten Dokumentation “Stefan Bellof - eine unvollendete Karriere” von Wolfgang Avenarius (45 Min, deutsch)

NASCAR Nationwide: Montreal Race Rewind

Guten Morgen aus Düsseldorf! 

Letzten Sonntag in Montreal. Die Zutaten für einen Nationwide - Sieg von Jacques Villeneuve waren vorbereitet: 100.000 Zuschauer, Sonnenschein, zwar startete der Ex-Weltmeister nur vom zweiten Startplatz, doch das tat der Stimmung keinen Abbruch.

Am Ende dieses waschechten Trhillers landete der Homeboy allerdings nur auf dem dritten Platz. Der Sieg des prestigeträchtigen Rennens ging an Boris Said, der mit einer Winzigkeit von 0.012 Sekunden vor Max Papis die Ziellinie passierte. Da darf ein Race Rewind natürlich nicht fehlen…

 

Und dann ist da noch….

Südkorea. So langsam wird’s ernst, denn am 24. Oktober sollen auf dem neuen Kurs in der Provinz Yeongam die F1 Boliden rollen und nicht die Bagger. Die Zweifel werden größer, auf aktuellen Fotos ähnelt der Rennplatz eher einem Trainingsgelände für Bob den Baumeister. Aber Bernie Ecclestone hat keine Zweifel: Yoh, die schaffen das…. Noch knapp 2 Monate haben die Ingenieure Zeit, ihre Arbeiten an der Strecke fertigzustellen. Ich bin gespannt!

F1 Spa: Hamilton siegt, Vettel patzt

Guten Morgen aus Düsseldorf!

Sebastian Vettel hat irgendwann einmal gesagt, sein Vorbild sei Michael Schumacher. Hmm, aber muß man wirklich alles nachmachen…..

Im Rennen von Spa behielt Sieger Lewis Hamilton die Nerven. Auch Vettels Teamkollege Webber bewies sein abgebrühtes Gemüt und fuhr nach verkorkstem Start auf den zweiten Platz. Und Vettel? Wie weiland Schumacher gegen Coulthard nahm Vettel ausgangs Blanchimont Maß, setzte zum Überholen an, verlor Sekundenbruchteile später die Kontrolle über seine Luscious Liz und bohrte sich in den McLaren von Jenson Button. Jenson Buttons Renntag war nach 16 Runden beendet. Für Vettel sollte die Pleiten-, Pech- und Pannen-Show auf der Ardennenpiste noch eine Zugabe bereithalten. Vettel rauschte zur Box, Ersatzteile holen. Doch die Kommissare belegten Vettel umgehend mit einer Durchfahrtsstrafe. Vettels Ärger zementierte sich zwar in schnellsten Zeiten, allerdings stolperte Vettel zehn Runden später über den Force India von Tonio Liuzzi. Mit aufgeschlitztem Hinterreifen kroch der Heppenheimer fast um den gesamten Kurs und holte sich neue Gummis. Vettels Ankündigung, in den Ardennen wieder in den Kampf um den Titel einzugreifen, war ein Schuß in den Ofen. Am Ende blieb der Red-Bull Nummer 1 der untröstliche Platz 14. Ein Ergebnis, das er sich selbst eingebrockt hat! Gut, der Druck auf den 23-jährigen ist sicher groß. Allerdings bewies Vettel erneut, daß er (noch) nicht reif ist, richtig mit Druck umzugehen. Vettel in der FAZ:” Ich wollte unbedingt an Jenson vorbei, weil ich schneller war als er”. Christian Horner, Vettel Teamchef, dazu:” Ich habe den Eindruck, dass Jenson überraschend früh gebremst hat. Dann ist Sebastian einfach in ihn reingerauscht”. Souveräne Aussagen klingen anders, schließlich gibt es an besagter Unfallstelle jene böse Bodenwelle, die auch gern mal als Ausrede benutzt werden kann.

Vor kurzem schrieb ich, Vettel fehle die Abgeklärtheit, die Coolness und die Gelassenheit. Gestern in Spa erlebten wir diese These in ihrer praktischen Umsetzung. Ich will Vettel gar nicht die vorhandene Rennintelligenz absprechen, aber wenns heiß wird brauchts einen kühlen Kopf im Rennen und nicht nur auf den Straßen von Heppenheim. Im nächsten Jahr gibts auch für Sebastian Vettel wieder eine Chance auf den Titel. Mit ein wenig mehr Reife klappts dann sicher auch. Darum klappe ich die WM-Akte Vettel für dieses Jahr zu, denn auch das Rennen hatte seine Reize. Drei leichte Regenschauer, zwei Safety-Car Phasen, einige großartige Überholmanöver und eine Mercedes-Truppe, die aus den miserablen Startplätzen das Beste herausholte. Rosberg rollte von Platz 14 auf Platz 6 und Michael Schumacher kam aus den Tiefen des Feldes (Startplatz 21) bis auf den siebten Platz. Eine Klasseleistung der Stuttgarter Rennstrategen!

Wie überhaupt alle 20 Piloten, die das Ziel sahen, eine Klasseleistung abgeliefert haben. Hamilton (182 Punkte) und Webber (179 Punkte) machten fette Beute und setzten sich in der WM-Tabelle ein wenig ab. Vettel klebt mit 151 Punkten weiter auf dem dritten Tabellenrang. Dabei hat der Heppenheimer noch Glück, das auch die unmittelbaren Verfolger Button und Alonso die Heimreise mit einem Nuller antreten müssen. In vierzehn Tagen in Monza wird das Formel 1-Quartett neu gemischt. Aber hier erstmal das komplette Resultat aus Spa.

Abgeschlossen wurde der grandiose Rennsonntag mit einer Dokumentation, die das Wachbleiben lohnte. “Jochen Rindts letzter Sommer” war mehr als nur ein neuer Dokumentarfilm über den gebürtigen Mainzer. Eberhard Reuß, Rennsportexperte des SWR, gelang ein filmisches Dokument der Extraklasse. Die grellen Bilder jener Zeit, fulminant geschnitten und mit den typischen Soundtracks aus den Siebzigern unterlegt, rückten Rindts Erfolge und das Drama seines Todes intensiv in das Auge des Zuschauers. Selten haben mich die Interviews mit Zeiteugen so berührt wie in diesem Film. Am Donnerstag, dem 2. September, wird “Jochen Rindts letzter Sommer” um 23:45 Uhr noch einmal im SWR-Fernsehen ausgestrahlt.


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