Flashback: Dicke Backen. Der Renault 5 Turbo

Guten Morgen aus Düsseldorf!
 
Unter den Freunden des gepflegten Motorsports aus dem Dorf an der Düssel ist einer, der wurde früher immer belächelt. Sein Leben lang ist der Kollege nur mit Renault 5 unterwegs. Erst der L, dann der GTS, danach kam der kleine Turbo, doch spätestens mit dem Kauf eines top-gepflegten Turbo 2 ist Norbert, inzwischen 52 Jahre alt, der Held im Dorf. Keiner treibt seinen Oldie so schön quer über den Asphalt, was mit dem R5 Turbo übrigens leichter aussieht als es in Wirklichkeit ist! Die 160 PS aus dem aufgeladenen 1,4-Liter-Mittelmotor sind nämlich schwer zu bändigen. Das liegt zum einen am typischen Turboloch des Garrett-T3 Laders, der mit 0,86 bar beatmet wird. Erst ab 4000 Touren steht nennenswertes Drehmoment zur Verfügung. Liegt die Drehzahl dann aber an, macht der dicke Hintern des Turbo was er will. Ein unbedarfter Laie ist mit dem Auto echt überfordert. Das gilt ganz besonders für die elektronikverwöhnten Piloten heutiger Sportwagen.
 
„An mir ist ein zweiter Jean Ragnotti verlorengegangen“, sagt Norbert immer wieder. Was ich ihm auch glaube, denn den Beweis tritt er nur zu gern an. Vor ein paar Wochen, als der Schnee unser Dorf überzuckerte, kam der „kleine Dicke“ wieder zum Einsatz. Ein verschneiter Parkplatz, leer und so groß wie ein Fußballfeld, ein paar Poller und los gings. Driften auf frischem Schnee, Norbert war wieder Ragnotti-Modus, bis die Insassen eines blau-silbernen Passat dem Treiben ein Ende machten. Die Schutzmänner beliessen es aber bei einer augenzwinkernden Ermahnung. Schließlich ist ein R5 Turbo im Schneeräumbetrieb auch bei unseren Ordnungshütern ein eher seltener Anblick.
 
Als der R5 Turbo 1978 der Öffentlichkeit vorgestellt wurde, war man bei Renault noch skeptisch. Ursprünglich als Antwort auf den Lancia Stratos geplant, begann die Serienproduktion erst im Jahr 1980. 400 Fahrzeuge wurden aufgelegt um die Homologationshürde zu überspringen, denn der Turbo sollte als Gruppe-4-Auto die Rallyeszene aufmischen. Der Einstand war fulminant. 1981 gewann Jean Ragnotti die Rallye Monte Carlo. 1982 siegte Ragnotti bei der Tour De Corse. Mit dem Aufkommen der Gruppe-B-Autos legte Renault zwar weiter Leistung nach, doch die 400 PS des R5 Turbo 2 waren gegen die Sport Quattros nur noch auf engen Asphalt-Rallyes konkurrenzfähig. 1985 gelang Ragnotti noch ein weiterer Tour De Corse Sieg, der letzte Achtungserfolg des R5 Turbo 2. Auch auf der Rundstrecke machte der Turbo auf sich aufmerksam. Der Renault 5 Turbo Europacup begeisterte bis 1984 im Rahmenprogramm der Formel 1. Selbst Walter Röhrl gab sich im R5 Turbo die Ehre. Der Lange aus Regensburg absolvierte als amtierender Rallye-Weltmeister die beiden Premierenrennen des Cups im Jahr 1981.

Mit knapp 3200 gebauten Exemplaren ist der Turbo 2 heute ein echter Klassiker. So herrlich unpraktisch, vor Kraft strotzend und ausgestattet mit dem wohl schärfsten Hintern der Achtzigerjahre. Der Film „R5 Turbo á la Une“ mit Jean Ragnotti und Jean Louis Neveau zeigt noch einmal die spektakulärsten Auftritte des R5 Turbo.
 
Packende Bilder aus einer Zeit, als Autos noch gezähmt werden wollten…
 
 

 

2 Kommentare

  1. Wolfgang

    Erst gestern Abend wieder im ARD-TV: Der R5 turbo in einer Verfolgungsjagd im Bond-Film „Sag niemals nie“ – auch ’ne Art Popkultur 😉

  2. Kölner Schumi Fan

    DER HAMMER!

    Was für ein endgeiles Video. Ich hab grad ne Stunde vorm Monitor verbracht, sensationell!!!!!!!

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