WRC: Ford geht, MINI auch!

Guten Morgen aus Düsseldorf!

Die Rallye-Weltmeisterschaft muß wieder Rückschläge einstecken. Ende letzter Woche kündigte MINI an, sein Werks-Engagement offiziell einzustellen. Vorgestern zog auch Ford den Stecker. Während MINI im kommenden Jahr voll auf den WRC-Kundensport setzt, gibt Ford die schwierige wirtschaftliche Lage als Grund an. Trotz des offiziellen Rückzuges wird Fords Partner M-Sport mit dem Fiesta den Rallyepisten treu blieben. Mit welchen Cockpitbesatzungen ist zur Zeit aber völlig offen. „Ford blickt auf eine lange und erfolgreiche Geschichte in der Rallye-WM zurück. Daher ist uns diese Entscheidung nicht leicht gefallen“, betont Roelant de Waard, als Vizepräsident von Ford Europa verantwortlich für Marketing, Sales & Service. „In der aktuellen Situation sei es aber richtig, das Engagement im Motorsport zu reduzieren und die dadurch frei werdenden Ressourcen für andere Bereiche zu nutzen“, heißt es bei Ford weiter.

Rund 400 Millionen Euro Verlust im zweiten Quartal des Jahres, der Rückzug von Ford erinnert ein wenig an das Aus von Peugeot im Prototypensport. Die Hersteller kleiner Alltagsautos erleiden immer höhere Verluste und können sich ein teures Werksteam nicht mehr leisten. Ford war seit 1973 in der Rallye-Weltmeisterschaft aktiv und gehörte zu den Gründungsmitgliedern der Serie. Ford fuhr 82 WM-Läufe und errang 1979, 2006 und 2007 den Herstellertitel. Fords WRC-Programm war eigentlich bis Ende 2013 aufgelegt, doch die durchwachsene Saison ließ erste Vermutungen auf ein frühes Ende aufkeimen. Jari-Matti Latvalla wird schon seit längerem mit Volkswagen in Verbindung gebracht. Jetzt wird der Finne das offene Geheimnis wohl bald lüften. Petter Solberg soll bei Citroen als Loeb-Ersatz bereitstehen. Morgen startet der vorletzte WM-Lauf des Jahres. Gut möglich, das sich Latvalla und Solberg während der Rally d’Italia Sardegna zu offiziellen Statements hinreissen lassen. Das britische Team M-Sport, das seit 1997 erfolgreich die Einsätze der Marke in der Rallye-Weltmeisterschaft koordiniert, will den Ford Fiesta RS WRC auch weiterhin in der Weltmeisterschaft einsetzen. Derzeit diskutieren beide Seiten darüber, inwieweit Ford das Team bei der Weiterentwicklung des Turbo-Allradlers unterstützen kann. Dabei geht es auch um technische Hilfestellung bei der Entwicklung des Ford Fiesta R2 sowie des kürzlich vorgestellten R5-Modells. Der R2 bietet sich als ideales Einsteigerfahrzeug vor allem für nationale und regionale Rallyes an, während der Ford Fiesta R5 im kommenden Jahr in der neuen WRC 2-Klasse debütieren wird.

Auch MINI hört offiziell zum Saisonende auf. Doch der MINI John Cooper Works ist gemäß FIA-Regelwerk nun homologiert. Damit wäre für alle Interessenten die Voraussetzung geschaffen, das Fahrzeug in der WRC auch weiterhin auf Kundensport-Basis einsetzen zu können. MINI und BMW Motorsport werden die Weiterentwicklung des 1,6 Liter Turbomotors in Zusammenarbeit mit ProDrive fortsetzen. MINI John Cooper Works wird also im nächsten Jahr wieder unter der ProDrive-Bewerbng die Rallye-Weltmeisterschaft in Angriff nehmen. Fahrernamen sind offiziell noch ein Geheimnis. Dani Sordo und Europameister Juha Hänninen werden als heiße Kandidaten auf ein MINI Cockpit gehandelt.

So dramatisch sich der Rückzug von Ford und MINI auch anhört, es hätte schlimmer kommen können! Ich bin mir sicher, wir werden auch im nächsten Jahr Spaß am konkurrenzfähigen MINI und Ford Fiesta haben. Volkswagen debütiert mit dem Polo WRC und auch Hyundai kommt mit dem I20 in die Rallye-WM zurück. Das Sebastien Loeb nur noch Rallyes in Teilzeit fährt, hat auch was Gutes. Der Kampf um den Fahrertitel wird völlig neu aufgelegt.

2 Kommentare

  1. RaceScoutHH

    Moin Moin,

    ich fürchte, @John hat Recht. Mit dem Rückzug von Ford und Mini hat VW wohl alle Chancen, die Rallye-WM Titel der nächsten Jahre abzugreifen. Schade, denn ich hätte mir mehr Competition gewünscht. VW-intern könnte es aber spannend werden. Ogier gegen Latvalla (wenn er denn wirklich kommt) könnte ein Kracher werden!

  2. John

    Für mich steht jetzt schon fest das VW Weltmeister wird, zumindest auf Fahrerseite.
    VW pumpt viel Geld in das Projekt und Ogier ist ein guter Fahrer.
    Somit wird sich VW wieder mal mit ihren „Erfolg“ brüsten, obwohl kaum Konkurrenz da ist / war. Dakar lässt grüßen!

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