ELMS & WRC: Pleiten, Pech und Pannen

Guten Morgen aus Düsseldorf!

Bevor es mit Volldampf auf Ostern zugeht, heute noch ein Rückblick auf zwei internationale Veranstaltungen, die sich am vergangenen Wochenende wahrlich nicht mit Ruhm bekleckert haben. Die Rede ist, ihr ahnt es schon, vom Auftakt der European Le Mans Series und der Rallye Portugal, dem vierten Lauf zur World Rally Championship.

Die ehemals so großartige Le Mans Series leidet unter Schwindsucht. Zwar führten die Organisatoren den Zusatz „European“ wieder ein, doch ein langer Name macht noch keine vollen Starterfelder. Beim Saisonauftakt im südfranzösischen Le Castellet traten gerade einmal 21 Autos an. Bei schönstem Wetter gewann das einheimische TDS-Team von Pierre Thiriet das 6-Stunden Rennen vor dem LMP2-Team von Rally-Ikone Sebastien Loeb. Zwei Oreca-Chassis auf den ersten Plätzen, dritter wurde das Lola-Judd Coupe vom Team Status GPS. Alles in allem guter Prototypensport, der sich auch in der GT-Klasse bestätigte.

Ins Fettnäpfchen trat die Serie dann allerdings doch! Gestern verbreitete sich schlagartig die Meldung, das ELMS-Promoter Patrick Peter den nächsten Lauf am 20. Mai nach Rücksprache mit dem ACO, der FIA und den ELMS-Teams gekippt hat. Grund: Selbst auf dem winkeligen Kurs von Zolder ist mit nur 19 eingeschriebenen Autos bei einem 6-Stunden Rennen nun wirklich kein Staat zu machen. Ziel der ELMS-Organisatoren ist es nun, ein 25-Wagen Feld für das Rennen in Donington am 15. Juli auf die Beine zu stellen. Alles sehr peinlich, wie ich finde. Denn einigen eingeschriebenen LMP2- und GT-Teams verrinnt die Zeit. Ein zusätzliches Rennen vor den 24 Stunden von Le Mans wäre für die Teams sehr hilfreich gewesen. Nun liegt der Ball bei der FIA. Einige ELMS-Teams hoffen nun auf eine Startgenehmigung für die 6-Stunden von Spa am 5. Mai, immerhin ein Lauf zur Sportwagen-Weltmeisterschaft. Ob der Plan allerdings aufgeht, wird sich wohl erst nach Ostern entscheiden. Für den WEC-Lauf in Spa-Francorchamps liegen zur Zeit 37 Registrierungen vor.

Sebastien Loeb wohnte dem Rennen seines LMP2-Teams in Le Castellet bei. Der Citroen WRC-Pilot hatte nach seinem Crash bei der dritten Wertungsprüfung der Rallye Portugal genügend Zeit zur Anreise. Damit blieb Loeb von den Pleiten, Pech und Pannen des WRC-Laufes zumindest halbwegs verschont.

Weder Ford noch Citroen konnten mit dem Verlauf der Rallye zufrieden sein. Sebastien Loeb crashte seinen Dienstwagen bereits am Donnerstag. Der Elsässer überschlug sich bei der dritten Wertungsprüfung und beschädigte seinen Citroen dabei so schwer, das an eine Weiterfahrt nicht mehr zu denken war. Feierabend für den Weltmeister, der ohne Punkte direkt nach Le Castellet abreiste und die Arbeit seinem Teamkollegen Mikko Hirvonen überließ.

Das Wetter tat ein übriges. Nach vier Monaten Trockenheit schüttete es am Rallye-Wochenende wie aus Eimern. Aus den staubigen Pisten wurden Schlammpfade, die auch den Ford-Piloten schwer zu schaffen machte. Latvalla und Solberg kamen bei den widrigen Verhältnissen von der Strecke ab. Jari-Matti Latvalla erlebte ein echtes Desaster, als er seinen Fiesta WRC heftig in den Dreck schmiß. Der Ford-Kutscher nahm bei Volldampf einen Stein mit und rutschte mit seinem Dienst-Fiesta einen Abhang hinunter. Die vielen Ausfälle zerren inzwischen an Latvallas Image, der drauf und dran ist, sich als Crash-Pilot einen Namen zu machen. Der schnelle Ford-Finne täte gut daran, seinen aggressiven Fahrstil ein wenig weicher zu gestalten. Mit nur einem WM-Sieg in Schweden und Ausfällen bzw. Unfällen in Mexiko und Portugal ergatterte Latvalla bisher nur 28 Punkte. Teamkollege Petter Solberg avanciert dagegen zum WM-Schreck und macht mit 62 Punkten Jagd auf Sebastien Loeb, der mit 66 Punkten die WM-Tabelle anführt.

 

In Portugal hätte Latvalla durchaus Boden gutmachen können, denn nach dem Ausfall von Loeb erwischte es auch Citroens zweiten Mann Mikko Hirvonen. Nach einer technischen Untersuchung wurde Hirvonen disqualifiziert und von der Rallyewertung ausgeschlossen. Grund: Angebliche Unregelmäßigkeiten mit der Kupplung im Citroen DS3 WRC. Nach Aussage der Offiziellen handelte es sich bei der beanstandeten Kupplung um ein nicht homologiertes Bauteil. Ärger gab es auch um den Turbolader in Hirvonens Citroen, dessen Innenrad um einen Millimeter von der Toleranz abwich. Die Beanstandungen am Lader ließen die Offiziellen allerdings durchgehen. Bei der verbauten Kupplung blieb die technische Kommission allerdings hart. Hirvonen ist seinen Portugal-Sieg erstmal los. Citroen hat aber angekündigt, gegen die Entscheidung Widerspruch einzulegen. Die Rallye-Portugal wird also im Grünen Tisch entschieden. Bis es soweit ist darf sich Ford-Privatier Mads Östberg als Sieger fühlen. Vielleicht bleibt dem Youngster der Rallyetriumph ja erhalten. Hier noch ein paar Impressionen von einem WM-Lauf, der reichlich Pleiten, Pech und Pannen zu bieten hatte.