WRC: Große Sorge um MINI

Guten Morgen aus Düsseldorf!

Eigentlich hätte 2012 das Jahr der großen MINI-Rückkehr werden sollen. Nach einigen fabelhaften Rallyes im vergangenen Jahr schien die Bühne bereitet, doch im Moment ist vieles unklar. Prodrive und MINI ließen die Anmeldefrist zur Einschreibung als Hersteller verstreichen. Prodrive fehlt immer noch das nötige Budget für eine komplette Saison. Kris Meeke mußte bereits sein Cockpit räumen. Der Imageschaden, auch für BMW ist gewaltig. Und bisher weiß niemand so richtig, wie es mit den lieben Kleinen weitergeht. Fakt scheint zu sein, das die Sponsorensuche durch Prodrive bisher erfolglos war. BMW und Tochtermarke MINI pochen auf eine Vereinbarung mit Prodrive und sind nicht bereit, Geld nachzuschießen. Gleichzeitig gibt es Gerüchte, das BMW bereits den Ausstieg aus dem Projekt vorbereiten könnte.

Eine schwierige Situation, die jetzt auch die FIA auf den Plan zuft. Präsident Jean Todt schickte Michelle Mouton und Jarmo Mahonen nach München. Die zwei Rallyespezialisten der FIA stehen vor der heiklen Aufgabe, zu retten was zu retten ist. Denn nach den Statuten der FIA wäre MINI draussen. Ein Verbleib der Marke und die damit verbundene nachträgliche Zulassung knüpft die FIA nämlich an Bedingungen. Dabei geht es vor allem um die Teilnahme an möglichst vielen WM-Läufen. Der Rettungsversuch der FIA ist allerdings heikel. Denn um MINI die Teilnahme zu ermöglichen, müßten Teile des Reglements sehr großzügig interpretiert werden:

  • MINI muss sich zur Teilnahme an sieben WM-Läufen (zwei davon in Übersee) verpflichten.
  • Citroen und Ford müssen der nachträglichen Einschreibung zustimmen.
  • MINI’s Testtage werden entsprechend proportional zu den tatsächlichen Einsätzen gekürzt.
  • Außerdem will die FIA keine MINI-Kundenteams akzeptieren, solange Prodrive die Bedingungen nicht akzeptiert hat.
  • Zusätzlich legt die FIA Wert darauf, das MINI-Mutter BMW die kommenden Homologationen des MINI John Cooper Works WRC anmeldet. Eine Entscheidung darüber fällt bei BMW allerdings erst Anfang März.

Harte Zeiten für die WRC, die sich eigentlich schon im Aufwind sah. Denn neben den Problemen mit MINI zeichnen sich auch Schwierigkeiten in der Vermarktung ab. Vierzehn Tage vor der Rallye Monte Carlo suchen alle Verantwortlichen händeringend nach einem neuen Vermarkter der Rallye-Weltmeisterschaft. Es gibt Gerüchte, das Eurosport als Vermarkter einsteigen könnte. Der Sportsender ist bereits in der Intercontinental Rallye Challenge engagiert und arbeitet eng mit der FIA zusammen. Eurosport Motorsport-Direktor Francois Ribeiro sendet inzwischen Signale positive Richtung FIA und ist bereit einzuspringen: „Alles ist möglich, aber es liegt an der FIA, die Dinge zu kommunizieren. Ich denke, es wird nicht mehr lange dauern, bis dies geschehen wird.“

Die unklare Vermarktungssituation rund um die WRC ist sicher mit ein Grund für die Probleme bei MIN und Prodrive. BMW will Klarheit über die Zukunft der Topliga des Rallyesports. Ich denke, auch in Wolfsburg wird man die Entwicklung mit Spannung beobachten.

Zu beobachten gibt es ab heute wieder die Dakar. Da schlagen sich die MINI’s wacker. Die gestrige Wertungsprüfung wurde aufgrund schlechter Wetterbedingungen abgesagt. Der Troß ist inzwischen in der chilenischen Bergbaustadt Copiapo angekommen. Heute ab 15:41 Uhr nehmen die verbliebenen Autos die 419 Kilometer lange siebte Sonderprüfung in Angriff. Gefahren wird auf Geröll, auf der Hälfte der Etappe wartet eine knapp 60 Kilometer lange Asphaltsektion, am Ende des Tages gilt es wieder einmal, Sand und Dünen zu bewältigen. Die siebte Etappe gibt es wieder live auf der Dakar Website und auf TrackingDakar. Eurosport meldet sich heute ab 23:00 Uhr mit einer Zusammenfassung des Tages.

Das war’s auch schon für diese Woche. Allen Lesern und Freunden des gepflegten Motorsports wünscht Stephan’s RaceBlog ein schönes Wochenende!