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Optimale Vorbereitung

Kremer Porsche 935K3 Le Mans 1979

Bonjour Le Mans!

Peugeot und Le Mans, das ist Adrenalin Pur für die Grande Nation und ein hartes Stück Arbeit.

Bereits seit Wochen wird Peugeot für das 79. Le Mans als Topfavorit gehandelt. Liest man die französische Motorsport-Presse, hat Audi nur noch Aussenseiterchancen. Doch Vorsicht! Le Mans gewinnt man nicht aus dem Bewußtsein, als Topfavorit sowieso schon gewonnen zu haben. Peugeot hat Lehrgeld gezahlt in den Tagen vor dem Rennen. Erst der Totalschaden in Spa. Dann der böse Unfall von Gene beim Testtag in Le Mans. Dazu ultraschnelle Rundenzeiten von 3:22, die bei feuchter Piste wirklich jenseits von Gut und Böse sind. Bei Peugeot herrscht Optimismus aufgrund des gewaltigen Speed, doch wie ist die Taktik auf die wechselhaften Wetterbedingungen eingestellt? Sicher hat man Werte aus dem regnerischen Testtag übernehmen können, denn die Wetterlage am Wochenende scheint ähnlich zu werden. Somit dürfte das verbliebene Auto Nummer 9 die am Testtag ermittelten Werte verinnerlicht haben. Auto 7 und 8 wurden komplett neu aufgebaut, da wird im Qualifying heute und morgen noch ein wenig Mehrarbeit anstehen. Denn optimale Vorbereitung ist der Schlüssel zum Erfolg.

Bereits heute abend wird sich ein Trend abzeichnen. Um 19:00 Uhr beginnt der erste Qualifikationstag, der ab 22:00 Uhr live bei Eurosport France und im Web übertragen wird. Der Wetterbericht deutet heute noch optimalen Bedingungen an. 25 Grad und Sonnenschein werden aber bereits morgen durch Regenschauer und Temperaturen um die 18 Grad abgelöst. Wer also von den großen Werken auf die prestigeträchtige Pole scharf ist, wird die Zeit bereits heute abend fahren müssen.

Ich denke, wir werden in diesem Jahr ein hochspannendes Le Mans erleben. Nicht nur ein Duell zweier Autos, sondern ein gigantisches Rennen zwischen drei Peugeot und drei Audi, in dem sich noch mindestens ein Pescarolo-Judd, der Charouz-Lola und der Oreca-Judd von Olivier Panis einmischen werden.

Mein erstes Le Mans Rennen war übrigens die 47. Ausgabe, fast auf den Tag genau heute vor 29 Jahren. Und auch damals war das Wetter nicht wirklich sommerlich. Am 9. und 10. Juni des Jahres 1979 zogen dunkle Wolken über die Rennstrecke Die Wettervorhersage deutete Regen, zumindest aber stellenweise nasse Piste an.

Porsche wollte nach Auflösung des Martini Sponsorvertrages nicht teilnehmen, ließ sich dann aber doch vom Essex-Ölboss David Thieme überreden und schickte zwei Wagen nach Le Mans. Schon im Qualifying dominierten die Essex Porsche 936 (nicht zu verwechseln mit dem Essex RS Spyder von heute) das Geschehen. Bob Wollek und Hurley Haywood stellten ihren 936 mit einer Zeit von 3:30,07 auf die Pole. Brian Redman und Jacky Ickx gingen die Trainingszeiten des Schwesterautos nicht ganz mit, komplettierten aber die erste Startreihe. Die beiden Porsche Werksautos galten als die hohen Favoriten und niemand zweifelte an der Dominanz der offenen Prototypen aus Stuttgart. Die Frage war nur, mit wieviel Runden Vorsprung kommen die 936 nach 24 Stunden ins Ziel. Bereits auf Startplatz 3 lauerte der Kremer-Porsche 935 K3 mit Klaus Ludwig und den Whittington Brüdern. Im Training eher zurückhaltend unterwegs, war der 935 K3 der erste Gruppe 5 Rennwagen, der konsequent auf Leichtbau setzte. Kevlar und Bauteile aus dem Flugzeugbau fanden im 935 K3 erstmals Verwendung, in den Trainingszeiten des Kremer 935 K3 ließ sich die Leichtbauinnovation allerdings nicht ablesen. Mit 3:34,64 waren Klaus Ludwig sowie Bill und Don Whittington eher abwartend unterwegs. Das Ganze war natürlich ein Spiel mit einer großen Portion Taktik und Strategie. Die beiden Essex Porsche 936, so dachten wir damals, würden unmittelbar nach dem Start mit Rekordrunden dem Feld davon ziehen. Die konservative Strategie des Kremer 935 K3 sah vor, eine Richtgeschwindigkeit einzuhalten, die materialschonend und auf Distanz ausgelegt war. Und genau so lief es auch. Die beiden Essex Porsche flogen nach dem Start auf und davon. Bereits nach einer Stunde hatten Jacky Ickx und Bob Wollek einen Vorsprung von zweieinhalb Minuten! Dahinter lieferten sich die Porsche 935 von Georg Loos mit Hans Heyer und Manfred Schurti am Steuer, der Ford M10 mit Hobbs/Schuppan und die Rondeau mit Pescarolo/Beltoise einen heißen Kampf bis in die Nacht. Und die insgesamt drei gestarteten Kremer Porsche rollten unbeeindruckt und mit exakt geplanten Stints unter Einhaltung der Richt-geschwindigkeit mit.

Das hohe Tempo der Essex Porsche forderte den Tribut. Das Wollek/Haywood Auto hatte bereits früh mit Problemen in der Benzinzufuhr zu kämpfen. Der 936 mit Ickx/Redman fiel nach einem Radträgerwechsel auf Rang 35 zurück. Im nächtlichen Regen holten beide 936 wieder auf, Rekordrunde auf Rekordrunde fahrend. Doch alles Gasgeben half nicht. Die Essex Porsche fielen in der 15. und 19. Stunde aus. Auch in der Nacht hielten sich die Ludwig und die Whittingtons strikt an die vorgegebe Taktik und übernahmen am Sonntagmorgen um 0:25 Uhr die Führung. Der Plan, Le Mans mit purem Speed zu gewinnen, ging nach hinten los. Die geplante Strategie des Mitrollens schien aufzugehen. Der 935 K3 lief wie ein Uhrwerk und im Regen wurde der weiche und zurückhaltende Fahrstil beibehalten. Einzig ein Wechsel des Zahnriemens und der Einspritzpumpe am Sonntagmorgen unterbrachen die Routine der geplanten Boxenstopps. Und so rollte der 935 K3 am Sonntagnachmittag als erster über den Zielstrich. Mit sieben Runden Vorsprung auf den zweitplatzierten Porsche 935 des Dick Barbour Teams mit Rolf Stommelen und US-Filmschauspieler Paul Newman. Platz 3 ging ebenfalls an einen Kremer 935 und auch der dritte eingesetzte Wagen erreichte als Dreizehnter das Ziel. Mit einer Distanz von nur 4173 Kilometern war Le Mans 1979 eines der langsamsten Rennen. Seit 1958 war keine so geringe Distanz gefahren worden. Einerseits lag es an den Wetterverhältnissen, andererseits auch zu einem gewissen Teil an der immer mehr aufkommenden Rennstrategie und Taktik, die damals noch mit Handstoppuhren und Vorkriegstechnologie umgesetzt wurde. An der Box wurden die Zeiten gestoppt, notiert und dann per Feldtelefon an den Posten in der Mulsanne-Kurve übermittelt. An der langsamen Kurve am Ende der Hunaudieres wurden dann die Tafeln gesteckt und dem Fahrer rausgehalten.

Heute ist das alles anders. Funk, Computer und Transponder bestimmen das Geschehen. Doch Le Mans hat sich bis heute ein wenig von der alten Zeit bewahrt. Und das ist gut so.

Mehr vom ersten Qualifying und ein paar Geschichten von früher gibts dann morgen.

Bis dahin, einen schönen Tag noch!

1 Kommentar

  1. August 8th, 2008

    | 18:27

    yo…

    wonderful…

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