Rallye Deutschland: Auftakt zum Asphalt-Tiefflug

Guten Morgen aus Düsseldorf!
 
Die Megagewitter der letzten Nacht sorgten für wenig Schlaf. Mein Balkon ist inzwischen ein Swimming Pool für Enten, scharf beäugt von Matti, dem schwarzen Kater aus der Nachbarschaft. Tja, der Sommer hat sich wieder einmal mit Blitz und Donner verabschiedet, wenn auch nur für einen Tag.
 Nässe und hohe Luftfeuchtigkeit, zumindest in den Anfangsstunden des Tages wird die Witterung für Rallye-Kutscher rund um Trier zur echten Herausforderung. Da muß auch Seriensieger Seb Loeb aufpassen, denn beim gestrigen Shakedown wurde Super Seb von Jungstar Ogier verladen. Ogier nahm Loeb beim gezeiteten Auftakttraining ganze 1,5 Sekunden ab. Die 5,8 Kilomter lange Prüfung im Sauertal brannte Ogier in einer Zeit von 3:36,3 Minuten ab. Loeb kam mit 3:37:7 als zweiter ins Ziel. Dritter wurde Ford-Pilot Miko Hirvonen.

Die Ford-Piloten Hirvonen und Latvala haben es sich auf die Fahnen geschrieben, Rekordsieger Loeb an diesem Wochenende zu stoppen. Ob die Rechnung allerdings aufgeht, ist fraglich: „Wenn alles perfekt klappt, ist es möglich, aber es wird natürlich superhart“, sagte Latvala, für den die Deutschland-Rallye der Knackpunkt ist: „Wenn Loeb wieder gewinnt, könnte die WM entschieden sein.“ Derzeit führt der Franzose mit 171 Punkten vor Hirvonen (144), hinter Loebs Citroën-Teamkollegen Sébastien Ogier (140) ist Latvala abgeschlagener Vierter mit 96 Punkten. Hirvonen verpasste es ausgerechnet beim Heimspiel in Finnland, den Rückstand zu verkürzen.

  

Seine Rolle sieht der zweifache Vize-Weltmeister (2008, 2009) in der des Jägers: „Ich jage gerne, aber das, was wir jagen, ist nur schwer zu bekommen“, meint Hirvonen, der in dieser Saison nur die Schweden-Rallye gewann, aber insgesamt viermal auf dem Podest stand. „Es wäre genial, der Erste zu sein, der Loebs ewige Serie in Trier beendet, aber das wollen andere auch“, meint der Finne, der Ford 2006 und 2007 zum Konstrukteurs-WM-Titel führte. Hirvonen freut sich besonders auf den heutigen Tag: „Freitags bin ich stärker als samstags, vor der Panzerplatte habe ich Respekt.“ Die gleiche Meinung vertritt auch Latvala: „In den Weinbergen fahre ich gerne, dort sind wir schnell.“

Aber die Ungewissheit ist bei allen Teams groß, schließlich starten Citroën und Ford mit ihren neuen Fahrzeugen erstmals bei einer reinen Asphaltrallye. „Daher formuliere ich mein Ziel vorsichtig: Nach Rang vier im Vorjahr will ich 2011 aufs Podium. Wenn es mehr wird, umso besser“, meint Latvala.

Und Loeb? Der hat sich und seinem Team am Mittwochabend einen enormen Motivationsschub verpasst, als er seinen Vertrag bei Citroën bis 2013 verlängert. „Ich hatte ein Super-Angebot von VW, aber am Ende habe ich mich für mein bisheriges Team entschieden, mit dem ich weiterhin Erfolge feiern kann.“ Und wer die Kampfansage deutet, weiß: Der nächste Erfolg in Trier soll am Sonntag vor der Porta Nigra mit Moselsekt begossen werden. Der Asphalt-Tiefflug des Rallye-Schumi ist eröffnet!