WRC Schweden: Hyundai will nachlegen!

Für Hyundai-Chefpilot Thierry Neuville hat die Rallye Schweden ihren besonderen Reiz. Der Belgier reist mit zwei saisonübergreifenden Siegen an und will in Schweden den Hattrick komplett machen. Dafür wäre Schnee wichtig!

„Eine ideale Rally Sweden hätte eine Menge Schnee, riesige Schneewehen, sehr eisige Straßen – die perfekten Bedingungen für uns, schnell und mit vollem Vertrauen das Beste aus dem Auto zu holen“, sagte Thierry. „Wenn weniger Schnee liegt als in vorangegangenen Jahren, könnte es recht hart werden!“ Ott Tänak und Copilot Martin Järvejoa sind nach ihrem Unfall bei der Monte in bester Verfassung und bereit, ihr Tempo an einem Ort zur Schau zu stellen, an dem sie vor zwölf Monaten siegreich waren. „Seit der Monte fühle ich mich jeden Tag besser“, sagte Ott. „Wir haben eine sehr gute Lektion gelernt, und wir wissen jetzt, dass wir uns beim Befahren eines neuen Abschnitts noch weitaus mehr konzentrieren müssen als zuvor. Schweden wird für uns das erste Mal mit Hyundai auf losem Untergrund, aber ich hoffe, dass wir ein gutes Ergebnis liefern können!“

Craig Breen und Copilot Paul Nagle stoßen im Auto mit der Startnummer 16 wieder zum Team und nehmen nach den Wettkämpfen in Finnland und bei der Wales GB der vorigen Saison an ihrer dritten Veranstaltung mit Hyundai Motorsport teil. „Ich fühle mich sehr geehrt, wieder die Gelegenheit zu erhalten, am Steuer des Hyundai i20 Coupe WRC Platz zu nehmen“, sagte Craig. „Schweden ist eine Rallye, die ich sehr mag. Hoffentlich kommen uns die Bedingungen gelegen und die Kälte erreicht die Region, damit wir ordentliche Straßen haben!“ Alle drei Crews haben zur Vorbereitung auf die Veranstaltung in Schweden getestet, obwohl sich die Bedingungen immer noch ändern sollen, da der Wettergott das genaue Wesen der diesjährigen Rally Sweden bestimmt. Breen übernimmt den i20 von Sebastien Loeb, der in Schweden auf eigenen Wunsch aussetzt. Loeb hat wohl nach der Monte eingesehen, das die Zeit, Siege im Vorbeigehen einzusammeln, für den Großmeister des Rallyesports vorbei sind. Auch der Teilzeitvertrag mit Hyundai macht dem Elsässer schwerer zu schaffen, als vorher gedacht. „Es ist ein echtes Handicap, nicht dauernd im Auto zu sitzen. Gewisse Automatismen und Reaktionen gehen verloren“, erklärte Loeb gegenüber Motorsport aktuell. Loeb peilt eine Rückkehr in Portugal an. „Oder bei den neuen Läufen in Kenia oder Neuseeland. Wichtig ist auch die Startposition“, erklärt Loeb, der seine neue Rolle klaglos akzeptiert. „Alles was zählt ist das Team und Herstellerpunkte.“Auf Loebs Paradedisziplin Asphalt läuft es derzeit so gar nicht. „Auf Schotter dagegen aktuell besser“, so Loeb.

Vielleicht hätte der Rekordweltmeister dann doch lieber die Schweden-Option eingelöst, denn von einer Winterrrallye auf Schnne und Eis ist man im Norden weit entfernt. Die Wertungsprüfungen rund um den Servicepark in Torsby ähneln finnischen Verhältnissen. Knallharter Schotter und noch jede Menge Fragen um die Sonderprüfungen lassen die Teams rätseln. Das werden die anspruchsvollsten, aber auch schnellsten Bedingungen, die ich hier jemals erlebt habe“, erklärte M-Sport-Pilot Teemu Suninen nach dem Studium der ersten Bilder. Fakt ist wohl, das der Schnee ausbleibt und mehr als nur der Shakedown und die Auftaktprüfung in Karlstadt auf Schotter stattfindet.

Auch Hyundai-Teamchef Andrea Adamo ist auf die neue und schneefreie Situation vorbereitet: „Wir erwarten nicht, dass diese Veranstaltung reibungslos verläuft, aber wir werden uns darauf konzentrieren, die in unserer Macht stehenden Dinge zu einem bestmöglichen Ergebnis zu tun!“

Ähnlich vorbereitet reist auch das Toyota Gazoo Racing World Rally Team zum zweiten Lauf der diesjährigen FIA Rallye-Weltmeisterschaft. Bei der Rallye Schweden vom 13. bis 16. Februar 2020 strebt die Crew nach zwei Erfolgen in den vergangenen drei Jahren ihren dritten Sieg an. Der dreifache Schweden-Gewinner Sébastien Ogier und seine beiden Toyota Teamkollegen Elfyn Evans und Kalle Rovanperä wollen an den positiven Saisonauftakt in Monte Carlo anknüpfen. Beim traditionsreichen Wettbewerb rund um das Fürstentum landeten Ogier und Evans auf dem Podium. Rookie Rovanperä sicherte sich bei seinem Debüt in der Königsklasse des Rallyesports einen starken fünften Platz. Die Rallye Schweden ist der einzige Wettbewerb im WRC-Kalender, der traditionell vollständig auf Schnee und Eis ausgetragen wird. Die in die Reifen integrierten Metall-Spikes sichern den nötigen Grip unter diesen Bedingungen – und machen die Rallye zu einer der schnellsten des Jahres. Um mit hohem Tempo die Kurve zu kriegen, nutzen die Fahrer unter anderem die am Straßenrand aufgetürmten Schneebänke.

Aufgrund der für diese Jahreszeit ungewöhnlichen Bedingungen im Vorfeld führt die diesjährige Rallye über eine modifizierte Route. Den Auftakt bildet wie immer eine Super Special Stage am Donnerstagabend in Karlstad. Am Freitag folgen die Etappen Hof-Finnskog und Finnskogen im benachbarten Norwegen sowie der neue Nyckelvattnet-Test auf der schwedischen Seite. Außerdem endet eine kurze Sprintprüfung am Eingang zum Service-Park in Torsby. Samstags werden die Etappen des Vortags wiederholt, ehe am Sonntag zwei Läufe über die Likenäs-Passage anstehen – der letztere bildet dabei die abschließende Power Stage, auf der nochmals Sonderpunkte vergeben werden.

Erstmals werden bei einer Rallye gleich fünf Toyota Yaris WRC antreten: Takamoto Katsuta startet im Rahmen des auf acht Läufe angelegten Toyota Gazoo Racing Rally Challenge-Programms für Nachwuchsfahrer auch in Schweden, nachdem er in Monte Carlo einen starken siebten Platz holte. Außerdem wird Jari-Matti Latvala in einem privat gemeldeten Fahrzeug am Wettbewerb teilnehmen. An seiner Seite findet sich mit Juho Hänninen ein weiterer ehemaliger Toyota Fahrer. „Die Rallye Schweden war bisher eine erfolgreiche Veranstaltung für unser Team. Auch in diesem Jahr peilen wir ein Spitzenergebnis an“, freut sich Teamchef Tommi Mäkinen. „Es gab einige Fragezeichen, wie die Bedingungen sein werden. Aber ich hoffe, dass die Organisatoren wie üblich eine sichere und spektakuläre Rallye auf die Beine stellen können. Die Rallye Monte Carlo war sehr positiv für uns, da sich unsere neuen Fahrer auf Anhieb in unserem Auto wohlfühlten. Ich bin zuversichtlich, dass sie alle auch in Schweden gute Leistungen bringen!“

Im vergangenen Jahr fuhr Toyota einen souveränen Sieg in Schweden ein und triumphierte auch auf der abschließenden Power Stage. Mit der maximalen Punkteausbeute sprang Ott Tänak an die Spitze des WM-Tableaus und legte so den Grundstein für den späteren Titel. Doch auch für die aktuellen Toyota Fahrer ist die Rallye in Nordeuropa ein gutes Pflaster. Neben Ogier, der die Veranstaltung schon dreimal gewinnen konnte, landete Elfyn Evans im letzten Jahr auf dem fünften Platz.

Fotos (c) Hyundai Motorsport, Toyora Gazoo Racing WRT