IGTC Bathurst: Bentley bezwingt den Berg!

Nach sechs Anläufen, Australiens internationales Langstreckenrennen zu gewinnen, hat das Bentley Team M-Sport am Mount Panorama endlich Erfolg gehabt: Die Nummer 7 von Jules Gounon, Maxime Soulet und Jordan Pepper gewinnt das 12-Stunden-Rennen von Bathurst!

Das Finish war ein Rennen gegen die Naturgewalten. Ein aufziehendes Unwetters konnte die Bentley-Mannschaft nicht abschrecken, als der Franzose Gounon das Auto über eine halbe Minute vor dem nächsten Konkurrenten nach Hause brachte und das Feld im letzten Teil des Rennens regelrecht düpierte. Der Bentley Continental GT3 mit der Startnummer 7 stellte einen neuen Renndistanzrekord mit 314 Runden auf und beendete das Rennen nur Sekunden vor der Öffnung des Himmels. Der heftige Regen machte es für den Rest des Feldes schwierig, die 12 Stunden zu absolvieren. Die deutschen Premiumhersteller hatten Down Under ihre Schwierigkeiten. Lange sah der GruppeM Mercedes AMG-GT3 wie der sichere Sieger aus, doch zehn Minuten vor dem Ende des Rennens ereilte Raffaele Marciello ein Reifenschaden. Der Italiener brachte seinen Boliden an die Box, doch beim Reifenwechsel wurde der Motor nicht regelkonform abgestellt. GruppeM verlor den sicher geglaubten zweiten Platz durch eine 30-Sekunden-Strafe und fiel auf Platz 6 zurück.

Vorjahressieger Porsche musste sich mit Gesamtrang vier zufrieden geben. Die drei Porsche-Werksfahrer Matt Campbell, Mathieu Jaminet und Patrick Pilet pilotierten den über 500 PS starken Porsche 911 GT3 R mit der Startnummer 911. Beim 12-Stunden-Rennen in Australien komplettierten am Sonntag drei weitere baugleiche Neunelfer die besten Zehn. Ein Doppelsieg gelang Porsche in der Pro-Am-Klasse: Grove Racing gewann vor dem NED Racing Team.

Der Langstrecken-Klassiker auf dem Mount Panorama Circuit entwickelte sich durch viele Safety-Car-Phasen zu einem unruhigen Rennen. Mehrfach rückte das Feld aufgrund der Unterbrechungen eng zusammen. Vorjahressieger Campbell begann das Rennen bei seinem Heimspiel von der Pole-Position aus. Über weite Teile rangierte der Porsche 911 GT3 R in der Spitzengruppe. Durch einen Reifenschaden in der 117. Runde fiel die Startnummer 911 zwischenzeitlich jedoch eine Runde zurück. Den Rückstand konnte das Team dank einer geschickten Boxenstopp-Strategie während einer Safety-Car-Phase wieder aufholen. Nach 314 Runden betrug die Lücke auf die Podiumsplätze am Ende lediglich 1,529 Sekunden.

Das zweite Fahrzeug vom Team Absolute Racing mit der Startnummer 912 sah auf Rang sieben die Zielflagge. Schlussfahrer und Porsche Young Professional Thomas Preining teilte sich das Fahrzeug mit Porsche-Werksfahrer Dirk Werner und Matteo Cairoli. Zwei Plätze dahinter erreichte Porsche-Werksfahrer Laurens Vanthoor das Ziel. Der Belgier bildete gemeinsam mit seinem Werksfahrer-Kollegen Earl Bamber und der australischen Motorsport-Legende Craig Lowndes das Trio der Startnummer 1 vom Team Earl Bamber Motorsport. Das Team kämpfte auf der 6,213 Kilometer langen Strecke zu Beginn des Rennens um die vordersten Plätze. Doch ein zeitraubender Wechsel der Bremsbeläge verhinderte eine Top-Platzierung.

Auch die Kundensportteams von Audi blieben hinter den Erwartungen zurück. Nachdem sich Rennwagen von sieben verschiedenen Herstellern unter den ersten zehn qualifiziert hatten, war Audi optimistisch in die 12 Stunden von Bathurst gestartet. Diverse Rückschläge aber betrafen alle drei Rennwagen des Audi Sport Team Valvoline. Das beste Ergebnis mit dem Audi R8 LMS erreichte das australische Kundenteam Hallmarc auf Platz drei seiner Klasse.

Selten waren die 12 Stunden von Bathurst so vielseitig: Nach verschiedenen Führungswechseln kamen am Ende vier verschiedene Marken unter die ersten zehn. „Wir hatten das Zeug dazu, ebenfalls ganz weit vorn zu landen“, sagte Chris Reinke, Leiter Audi Sport customer racing. „Die schnellste Rennrunde von Kelvin van der Linde zeigt, dass unser Tempo gut war. Für kleine Fehler aber haben wir einen hohen Preis gezahlt.“ Als Erstes traf es Garth Tander. Der erfahrene Australier, der schon viele Siege am Mount Panorama gefeiert hatte, war zum fünften Mal für Audi Sport am Start. Er teilte sich das Cockpit der Startnummer 22 mit den Audi Sport-Piloten Mirko Bortolotti und Christopher Mies. Er fuhr in Runde 62 unmittelbar hinter Dries Vanthoor im Audi mit der Nummer 2. Als der Belgier von der Ideallinie abkam, wich ihm Tander aus, drehte sich dabei von der Strecke und prallte in die Begrenzungsmauer. Der Australier blieb unverletzt, sein Audi aber war für eine Weiterfahrt zu stark beschädigt.

Das Team von BMW schied vorzeitig aus. Nur eine Woche nach ihrem umjubelten Klassensieg bei den 24 Stunden von Daytona waren die beiden Fahrer Augusto Farfus und Chaz Mostert sowie ihr Teamkollege Nick Catsburg diesmal im Pech. Eine unglückliche Kollision mit einem Känguru erforderte zunächst einen langen Reparaturstopp und führte letztlich zum vorzeitigen Ende des Rennens. Nach rund drei Stunden Rennzeit ereignete sich der Unfall, kurz nachdem Catsburg das Steuer von Startfahrer Mostert übernommen hatte. Das Tier sprang direkt vor dem Fahrzeug auf die Strecke, und es war unmöglich, ihm noch auszuweichen. In Folge der Kollision musste der Nummer 34 BMW M6 GT3 zu einem langen Reparaturstopp an die Box kommen. Bis zu diesem Zeitpunkt hatten sich Mostert und Catsburg vom 15. Startplatz bereits auf die siebte Position nach vorn gearbeitet. Farfus übernahm das Steuer nach dem erzwungenen Zusatzstopp auf Position 24, von wo aus die Mannschaft zunächst versuchte, wieder Boden gutzumachen und noch wichtige Punkte für die Gesamtwertung zu sammeln. Letztlich zwangen jedoch Probleme mit der Temperatur in Folge des Zwischenfalls das Team dazu, das Rennen vorzeitig zu beenden.

Fotos (c) GSG Images, Edge Photographics, Porsche AG, BMW AG, Bentley Media