Dakar 2020: Halbzeitpause!

Das X-raid Team kann auf eine erfolgreiche erste Dakar-Woche zurückblicken. Fünf der bisher sechs gefahren Etappen wurden durch von X-raid gebaute Fahrzeuge gewonnen. Zudem führen Carlos Sainz und Lucas Cruz im MINI JCW Buggy die Gesamtwertung an. Ihre Bahrain JCW X-raid Teamkollegen Stéphane Peterhansel und Paulo Fiuza liegen auf Gesamtrang drei.

Die beiden Argentinier Orlando Terranova und Ronnie Graue gehen als Gesamtfünfte in die zweite Woche. Sie konnten zwischenzeitlich die Gesamtwertung sogar anführen. Mit Platz neun liegt der Saudi Yasir Seaidan mit seinem russischen Co-Piloten Alexey Kuzmich ebenfalls in den Top 10. Für die größte Überraschung sorgten Vaidotas Zala und Saulius Jurgelenas gleich zu Beginn: Die beiden Litauer gewannen im MINI John Cooper Works Rally die erste Etappe der Dakar auf saudischem Boden. Momentan liegen sie auf dem 19. Gesamtrang. Sven Quandt, CEO der X-raid GmbH, zieht ein positives Fazit. „Bisher kann man sagen: es ist eine echte Dakar mit sehr schwierigem Terrain und einer extrem anspruchsvollen Navigation. Aber ich denke, dass es genau deshalb allen so gut gefällt und zudem erinnert es an die ursprüngliche Rally damals in Afrika. An den Fahrern an der Spitze der Gesamtwertung sieht man mal wieder, wie wichtig Erfahrung bei der Dakar ist. Wir hoffen, dass wir bis zum Schluss einen schönen Kampf um den Sieg sehen!“

Zwar bestritten die Piloten und Navigatoren gestern keine Wertungsprüfung, aber langweilig wurde ihnen trotzdem nicht. Natürlich konnten sie erstmal ausschlafen, aber im Biwak wurden sie von Journalisten und Sponsoren-Vertretern schon sehnsüchtig erwartet. Neben der Halbzeit-Pressekonferenz zusammen mit dem X-raid-Partner Kärcher sowie Red Bull standen weitere Medientermine auf dem Programm. Doch auch den Mechanikern und Ingenieuren blieb keine Zeit zum Ausruhen. Alle Fahrzeuge wurden fast komplett auseinandergenommen, um perfekt für die zweite Woche vorbereitet zu werden. Schließlich steht in den nächsten Tagen auch die Marathonetappe an, bei der die Piloten eine Nacht ohne das Team auskommen müssen.

Die Navigation spielt bei der diesjährigen Dakar eine besondere Rolle. Im Vorfeld gab es einige Änderungen rund um das Roadbook. Die größte Neuerung war, dass die Co-Piloten es an den meisten Tagen erst kurz vor dem Verlassen des Biwaks erhalten. Für Lucas Cruz kein großes Problem: „Wegen den neuen Roadbook Regeln mussten wir die Arbeitsweise im Fahrzeug anpassen. Wir bekommen an einigen Tagen das Roadbook erst 15 Minuten bevor wir losfahren. Im Auto versucht man die schwierigen Passagen zu analysieren, um dann den richtigen Weg zu finden. Aber ich muss sagen, dass mir diese Änderungen gefallen und ich finde es gut, das Roadbook erst am Morgen zu erhalten. Zum einen kann ich so länger schlafen, da die nächtliche Vorbereitung wegfällt, und zum anderen ist es auch fairer, da jeder auf dem gleichen Stand ist und sich keine Zusatzinformationen besorgen kann!“ Auch Paulo Fiuza gefällt der neue Ablauf: „Bisher haben wir vier Mal das Roadbook erst am Morgen bekommen und ich finde das eine gute Idee. Ich bin viel ausgeruhter, auch wenn das vor dem Start natürlich mehr Stress bedeutet!“ Auch das Roadbook selbst hat sich gewandelt. Die Informationen sind jetzt bereits durch den Organisator farbig markiert und auch die Art der Navigation ist anders. „Dieses Jahr wird viel nach Kompassrichtung gefahren“, so Cruz weiter. „Da muss man sehr aufpassen, denn wenn man nur um fünf Grad daneben liegt, ist der Weg völlig falsch!“

Neben der guten Organisation sind alle von der Landschaft in Saudi Arabien begeistert. Zwar hatten die Fotos und Videos im Vorfeld schon für hohe Erwartungen gesorgt, die aber vor Ort übertroffen wurden. Das gilt auch für Stéphane Peterhansel: „Bisher war landschaftlich der Süden Algeriens mein Favorit, aber nach der ersten Woche hier, muss ich sagen, dass es hier noch schöner ist!“ Sainz ist ebenfalls begeistert und lobt zudem die Organisation: „Die ASO hat wirklich tolle Strecke gefunden!“

Auch das Toyota Team Hilux ist froh, endlich die Halbzeitpause erreicht zu haben. Alle Augen waren dabei auf Dakar-Neuling Fernando Alonso und seinen erfahreneren Rallye-Raid-Navigator Marc Coma gerichtet, die bei ihrer ersten gemeinsamen Rallye Dakar auf der sechsten Etappe ihre bisher stärkste Leistung gezeigt haben. Die Crew kam mit nur 7min 56sec Rückstand als Sechstschnellster ins Biwak. Die problemlose Fahrt der beiden war die zweitschnellste aller Allrad-Fahrzeuge, was ihnen einen willkommenen Vertrauensschub für den Ruhetag gab, bevor sie die zweite Hälfte der zermürbenden Veranstaltung in Angriff nehmen. Nach sechs anspruchsvollen Etappen konnten sich nun alle Besatzungen auf den traditionellen Ruhetag freuen, der die Halbzeit der Rallye Dakar markiert. Hier haben auch die Technik-Crews die Gelegenheit, die Autos mit einem Feinkamm zu durchfahren und jedes System gründlich zu überprüfen, um sich auf die letzte Woche der 42. Ausgabe der Rallye Dakar vorzubereiten.

Glyn Hall, Toyota Gazoo Team Chef sagte: „Wir sind mit allen vier Autos am Ruhetag hier und wir hatten bisher an keinem der Autos technische Probleme. Wir sind mit Nasser auf Platz zwei der Gesamtwertung und wir hatten am Freitag alle vier Autos in den Top 10. Fernando hat eine unglaubliche Leistung gezeigt und ist zweitschnellster der Toyota Hilux Crews. Leider war heute eine sehr schnelle Etappe, trotz der kleinen Dünen in der Mitte. Wir hatten auf mehr Dünen gehofft, aber am Ende war es eine weitgehend flache Etappe und nicht die beste für uns, was die Höchstgeschwindigkeit angeht. Nasser Al-Attiyah ergänzte : „Es war ein wirklich guter Tag. Die Etappe war lang und nicht einfach. Wir haben versucht, so hart wie möglich zu pushen, aber wir hatten einen Platten, der uns etwa 1min 30sec gekostet hat. Die Etappe war schnell, mit einigen Dünenüberquerungen, aber wir sind froh, den Ruhetag zu erreichen. Ich denke, nächste Woche wird es viel mehr Sand geben, der uns zusagen wird!“

Die heutige Etappe bringt die Teilnehmer aus der Hauptstadt raus nach Wadi. Nach einer 128 km langen Verbindungsetappe steht den Piloten eine extrem lange Prüfung bevor: 546 km gilt es gegen die Uhr zu bewältigen. Danach sind es nur noch 67 Kilometer bis ins Biwak.

Fotos (c) Team X-Raid, Toyota Gazoo Racing