WRC Australien: Schlechte Voraussetzungen!

Über dem letzten Lauf zur Rallye-WM schwebt Ungewißheit. Wegen der schweren Waldbrände planen die Veranstalter zur Zeit mit Alternativen. Bei einer verkürzten Rallye mit halber Punktzahl oder gar einer Absage wäre Hyundai Markenweltmeister! Wegen der starken Buschfeuer kann es zu einer massiven Änderung der Wertungsprüfungen kommen, dann würden auch nur halbe Punkte vergeben. Sollte die FIA dem neuen Zeitplan und der von 324 auf 94 Kilometer verkürzten Distanz zustimmen, stünde Hyundai als neuer Markenweltmeister fest! Ebenso steht eine komplette Absage der Rallye im Raum. Die dramatische Lage im Staat New South Wales könnte genau dazu führen. Bis zur offiziellen Kürzung oder Absage will ich aber nicht spekulieren. Schlechte Voraussetzungen für einen sportlichen Titelkampf, auf den sich Toyota und Hyundai so intensiv vorbereitet haben! Inzwischen hat sich die Lage vor Ort jedoch so verschärft, daß die Rallye abgesagt wurde!!!

Hyundai ist somit Markenweltmeister und der Rest des Textes ist Makulatur!

Das Toyota Gazoo Racing World Rally Team hat den Hattrick im Visier: Nachdem die Crew bei der Rallye Spanien vorzeitig den WM-Titel für Fahrer und Beifahrer holte, soll im finalen Lauf der diesjährigen FIA Rallye-Weltmeisterschaft, sofern er planmäßig über die Distanz geht, die Hersteller-Krone folgen und damit der Vorjahrestriumph wiederholt werden. Toyota reist mit einem Rückstand von gerade einmal 18 Punkten zur Rallye Australien (14. bis 17. November 2019), den das erfolgreiche Fahrer-Trio aus Weltmeister Ott Tänak, Jari-Matti Latvala und Kris Meeke noch aufholen kann. Der Rallyetross macht Station in Coffs Harbour an der Küste von New South Wales, auf halbem Weg zwischen Sydney und Brisbane. Die Etappen finden vorwiegend auf unterschiedlichen Schotterstraßen statt – von kurvenreichen Waldwegen bis hin zu offeneren Landstraßen. „Nach unserer fantastischen Leistung in Spanien konzentrieren wir uns nun ganz darauf, den Herstellertitel erneut in Australien zu gewinnen“, sagt Teamchef Tommi Mäkinen. „Diesmal sind wir die Verfolger, aber eigentlich ist es ganz einfach: Wir müssen nur nach der maximalen Punktzahl streben und sehen, was passiert. Unser Auto ist stark auf solchen Strecken, wie wir sie in Australien haben. Letztes Jahr gewann Jari-Matti und Ott war bis spät in die Nacht dabei. Es ist auch eine Rallye, bei der Kris in der Vergangenheit gut abgeschnitten hat. Also sind wir zuversichtlich, was unsere Chancen angeht!“

Los geht es am Donnerstagnachmittag mit zwei Läufen der modifizierten Super Special Stage entlang der Coffs Harbour Waterfront. Am Freitag folgen zwei Schleifen mit jeweils drei Etappen, darunter der neue Kookaburra Straßenabschnitt, ehe abends zwei weitere Passagen der Super Special Stage anstehen. Samstags führt die Route über zwei Schleifen mit je vier Prüfungen gen Süden, die von einem Zwischenstopp auf der Raleigh Rennstrecke getrennt sind. Das Saisonfinale am Sonntag besteht aus drei Etappen, die jeweils zweimal absolviert werden, wobei die neuen Abschnitte Mount Coramba und Lower Bucca mit der bekannten Wedding Bells Prüfung kombiniert werden. Soweit der Plan. Ob es wirklich zu einer kompletten Rallye kommt, bleibt abzuwarten.

Auch bei Hyundai Motorsport peilt man den Titel sportlich an. Das Team aus Alzenau kämpft um seinen ersten WRC-Titel und ist entsprechend motiviert. Der Sieg und der dritte Platz bei der Rallye Spanien haben Hyundai geholfen, ihren Vorsprung in der Tabelle auf 18 Punkte auszubauen, während beim Saisonfinale noch 43 Punkte verteilt werden. „Wir gehen die Rallye Australien auf dieselbe Weise wie jede andere Veranstaltung des diesjährigen Kalenders an, mit Details im Blick, Entschlossenheit und klarem Fokus auf die Sicherung eines starken Teamergebnisses“, sagte Hyundai Teamdirektor Andrea Adamo. „Natürlich steht am Ende ein viel größerer Preis auf dem Spiel, aber wenn wir uns auf die Handhabung der Dinge konzentrieren, die in unserer Macht stehen, einen professionellen Job ausführen, dann haben wir jede Chance, unsere Titelambitionen zu erfüllen!“ Drei Crews werden im Endspurt auf der Jagd nach dem Titel für 2019 25 Sonderprüfungen bewältigen. Die staubige Schotterpiste in der Nähe des Serviceparks in Coffs Harbour bietet unseren Crews eine schwierige Herausforderung, bei der die Startreihenfolge häufig eine entscheidende Rolle spielt. Der Sieg von Thierry Neuville und Nicolas Gilsoul in Spanien, Hyundais vierter während der laufenden Saison ließ das belgische Duo in der Fahrerwertung auf den zweiten Platz aufsteigen. „Ich habe mich immer an der Rallye Australien erfreut, mit ihren schnellen und fließenden Schotteretappen durch den Wald“, sagte Thierry. „Der Reinigungseffekt ist bei dieser Veranstaltung etwas stärker, so dass es für uns nicht leicht sein wird. Dennoch werden wir uns größte Mühe geben, um den Herstellertitel zu sichern!“Unterstützt wird Thierry Neuville vom Spanier Dani Sordo und dem Iren Craig Breen, der Down Under seinen dritten Einsatz im Hyundai i20 WRC Coupe absolvieren wird.

Im letzten Jahr gewann Jari-Matti Latvala die Rallye Australien. Ott Tänak kämpfte lange Zeit um den Sieg mit, ehe ihn ein Crash auf der vorletzten Etappe stoppte. Esapekka Lappi, im Vorjahr noch im dritten Toyota Yaris WRC unterwegs, wurde Vierter. In diesem Jahr ist Lappi bei Citroen Teamkollege von Sebastien Ogier, der in Australien noch einmal alles zeigen will und die Rallye Weltmeisterschaft so beenden möchte, wie er sie in Monte Carlo im Citroën World Rally Team begonnen hat: als Sieger! Nach dem Defekt seines Citroën C3 WRC beim vorletzten Saisonlauf in Spanien kann der sechsmalige Rallye-Weltmeister im Finale in Down Under seinen Fahrertitel nicht mehr verteidigen.

Für Sebastien Ogier ist die Rallye Australien an der Ostküste des fünften Kontinents erfolgreiches Terrain: 2013, 2014 und 2015 hat der Franzose mit seinem Co-Piloten und Landsmann Julien Ingrassia in Coffs Harbour gewonnen. „Unser Ziel ist es, die Saison mit einem Hoch zu beenden und uns einen weiteren Sieg zu sichern“, sagt Ogier vor dem Start. Bisher fuhr der sechsmalige Rallye-Weltmeister 2019 dreimal auf Platz eins. Mit seinem Sieg beim Saisonstart in Monte Carlo hatte Ogier Citroën zum 100. Geburtstag der Marke den 100. Sieg bei einem Lauf zur Rallye-Weltmeisterschaft beschert. Sofern es nicht regnet, sind die harten australischen Pisten in der Anfangsphase mit einer dicken Schicht aus Staub und Steinen bedeckt. „Ich hoffe, dass wir durch die zwei vor uns startenden Fahrzeuge bereits bessere Bedingungen haben werden“, sagt Sebastien Ogier. Esapekka Lappi und Janne Ferm im zweiten Citroën C3 WRC sollten als Neunte der Startreihenfolge konstantere Fahrbahnverhältnisse vorfinden. Bei seiner dritten Rallye Australien will sich das ehrgeizige finnische Duo weiter steigern. In Schweden, in Finnland und in der Türkei standen Lappi/Ferm als Zweitplatzierte auf dem Podium. „Die Prüfungen in Australien sind ziemlich schnell, die Pisten zum Teil sehr schmal, und an vielen Stellen stehen Bäume direkt an der Straße. Um wettbewerbsfähig zu sein, brauchst du also viel Mut, weil der kleinste Fehler gnadenlos bestraft wird“, betont Esapekka Lappi.

„Wir haben unsere Lektion aus Spanien gelernt“, versichert Pierre Budar, der Teamchef von Citroën Racing. „Unser gesamtes Team hat das feste Ziel, in Australien aufs Podium zurückzukehren. Beide Fahrercrews des Citroën Total World Rally Team mögen diese Veranstaltung. Wenn das Wetter trocken bleibt, haben Esapekka und Janne große Chancen. Und Sébastien und Julien haben bereits mehrfach bewiesen, dass sie trotz einer ungünstigen Startposition sehr starke Leistungen vollbringen können!“

Mehr zur Rallye Australien in den nächsten Tagen!

Fotos (c) Citroen Kommunikation, Hyundai Motorsport GmbH, Toyota Gazoo Racing