F1 Suzuka: Mercedes ist Weltmeister!

Valtteri Bottas gewinnt den Großen Preis von Japan. Sebastian Vettel wird nach verpatztem Start zweiter vor Lewis Hamilton. Mercedes ist Weltmeister,dabei hätte am Sonntagmorgen auch der nächste Ferrari-Doppelsieg herausspringen können!

Sebastian Vettel lieferte einen Fehlstart ab und verlor die Führung nach wenigen Metern. Aufgrund einer Toleranz in der Induktionsschleife sah die Rennleistung von einer Strafe ab. Teamkollege Charles Leclerc ruinierte sich den Frontflügel nach einem Rempler mit Max Verstappen und damit sein Rennen schon in der ersten Runde: Ferrari hat am Super-Sonntag in der Formel 1 die nächste selbstverschuldete Enttäuschung erlebt und dem großen Rivalen Mercedes beim Großen Preis von Japan den vorzeitigen Konstrukteurstitel auf dem Silbertablett serviert. Vettel betrieb auf seiner Lieblingsstrecke in Suzuka trotz der ersten Pole Position seit Anfang Juni nach einem verpatzten Auftakt mit dem zweiten Rang hinter dercedes-Sekundant Valtteri Bottas lediglich Schadensbegrenzung. Weltmeister Lewis Hamilton im zweiten Silberpfeil biss sich im Finale die Zähne am Deutschen aus und wurde Dritter. Deutlich schlechter als Vettel schnitt Leclerc ab, der als Sechster Glück hatte, nach einer frühen Kollision mit Red-Bull-Pilot Max Verstappen ohne Strafe davonzukommen. Der Emmericher Nico Hülkenberg belegte im Renault den neunten Platz.

Fehlerfrei blieben derweil einmal mehr die Silberpfeile, die zwei Wochen nach dem Rennen in Russland den nächsten Doppelsieg knapp verpassten, die erste WM-Entscheidung dennoch perfekt machten: Zum sechsten Mal nacheinander geht der Konstrukteurstitel an das Werksteam aus Brackley, wo schon nach dem kommenden Rennen in Mexiko erneut die Korken knallen dürften: Hamilton kann sich dort seinen sechsten WM-Titel sichern. Der Vorsprung auf Bottas, seinen letzten verbliebenen Konkurrenten, beträgt 64 Punkte.

Die brisante Frage vor dem Start war zunächst: Welche Strategie fährt Ferrari angesichts der angeblich befriedeten Situation zwischen Vettel und Leclerc? Dürfen tatsächlich beide auf Sieg fahren? Gibt es eine erneute Stallorder? Die rote erste Startreihe barg potenziell jede Menge Zündstoff. Alle Spekulationen endeten mit dem Start. Vettel gab schon vor dem Erlöschen der Ampeln zunächst Gas, stoppte dann und beschleunigte wieder. Die Rennkommissare sahen überraschend von einer Strafe ab, Rang eins war dennoch umgehend an Bottas verloren. Leclerc kollidierte kurz darauf in der ersten Kurve mit Verstappen. Der Niederländer fiel weit zurück und stellte sein Auto später in der Box ab – das Heimspiel seines Motorenlieferanten Honda hatte er sich anders vorgestellt. Leclerc fuhr mit beschädigtem Boliden zunächst weiter, nach einem Boxenstopp fand sich allerdings auch der 21-Jährige im hinteren Teil des Feldes wieder.

Der hohe Verschleiß sorgte im Rennverlauf dafür, dass die Boliden noch ein zweites Mal zum Reifenwechsel an die Box mussten. Während Bottas an der Spitze einen komfortablen Vorsprung herausfuhr, fiel die Entscheidung im Kampf um Rang zwei im Finale. Vettel wechselte deutlich früher als Hamilton auf den Medium-Reifen, mit denen er auf den letzten Runden klar im Nachteil war. Hamilton zog zehn Runden vor Schluss einen frischen Satz der schnelleren Soft-Pneus auf, verkürzte den Rückstand stetig. Am viermaligen Weltmeister, der sich nach Kräften wehrte, zog Hamilton dennoch nicht mehr vorbei, sicherte sich aber den Zusatzpunkt für die schnellste Runde und zog ein positives Fazit seines Rennens: „Ich freue mich riesig für das Team. Was für ein großartiges Ergebnis! Sechs WM-Doubles in Folge sind eine fantastische Leistung, in der viel harte Arbeit und jede Menge Zeit stecken. Das zeigt wie stark unser Team ist und ich bin wahnsinnig stolz darauf, Teil der Mercedes-Geschichte zu sein. Dieses Ergebnis haben alle absolut verdient, vielen Dank an das gesamte Team in Brackley, Brixworth und Stuttgart für die harte Arbeit und den unermüdlichen Einsatz. Valtteri hat heute großartige Arbeit abgeliefert und den Sieg verdient. Herzlichen Glückwunsch an ihn. Ich habe mein Bestes gegeben und ich glaube, dass wir heute vielleicht die Chance auf einen Doppelsieg hatten. Deshalb werden wir uns im Debriefing genau ansehen, was wir hätten besser machen können. Die nächsten Rennen werden eine große Herausforderung für uns darstellen. Ferrari hat noch immer einen Vorteil auf den Geraden, wodurch es sehr schwer ist, sich vor ihnen zu qualifizieren. Entsprechend müssen wir sie im Rennen bezwingen. Das macht es für die Zuschauer umso spannender. Jetzt werden wir diese monumentale Leistung feiern, aber schon morgen arbeiten wir weiter hart – schließlich gibt es noch weitere Rennen zu gewinnen.

Mercedes-Teamchef Toto Wolff widmete den sechsten Titel Niki Lauda: „Als wir vor sechs oder sieben Jahren unsere gemeinsame Reise begonnen haben, hatten wir uns vorgenommen, regelmäßig Rennen zu gewinnen und dann um die Weltmeisterschaft zu kämpfen. Sechs Jahre später haben wir nun unseren sechsten Titel in Folge gewonnen. Das hätten wir niemals zu träumen gewagt und ich freue mich unheimlich für alle, die Teil des Ganzen gewesen sind. Es war nicht immer einfach, das gesamte Team hat viel harte Arbeit investiert und wir erlebten auf dem Weg auch einige schmerzhafte Momente. Aber wir konnten uns stets wiederaufrichten. Jeder in Brackley und Brixworth hart unglaublich hart dafür gearbeitet und ich kann ihnen gar nicht oft genug dafür danken. Ohne die fortwährende Unterstützung durch Daimler und PETRONAS wäre dies nicht möglich gewesen, sie haben uns immer zur Seite gestanden. Dieser sechste Titelgewinn ist ein ganz besonderer – und wir widmen ihn Niki. Er war von Anfang an ein wichtiger Teil und wir vermissen ihn alle sehr. Ich denke jeden Tag an ihn und es fällt mir noch immer schwer, zu glauben, dass er nicht mehr da ist. Ich denke mir immer: Was würde wohl Niki sagen? Was würde er davon halten? Heute hätte er wahrscheinlich gesagt: Herzlichen Glückwunsch zum sechsten Titelgewinn, aber nächstes Jahr wartet die nächste Herausforderung! Das war seine Art, um sicherzustellen, dass wir niemals selbstgefällig werden. Der heutige Tag war eine Achterbahnfahrt der Emotionen. Am Vormittag waren wir enttäuscht, weil wir im Qualifying nicht schnell genug waren – und jetzt haben wir das Rennen und beide Weltmeisterschaften gewonnen. Das ist immer noch nur schwer zu glauben.

Bereits beim nächsten Grand Prix in Mexiko City kann sich Mercedes mit Lewis Hamilton den Fahrertitel sichern. Dann wäre das Double pefekt.

Fotos (c) Daimler AG,