F1 Sotschi: Ferraris schwarzer Tag!

Der Große Preis von Russland hätte für Ferrari ein goldener Tag werden können. Nach LeClercs Pole und Vettels drittem Platz standen die Zeichen gut für den nächsten roten Doppelsieg. Das am Ende die Silberpfeile den achten Doppelsieg der Saison einfuhren, lag auch an Ferraris völlig verkorster Strategie!

Nach einer Teamorder-Farce erlebte auch Sebastian Vettel beim Großen Preis von Russland einen niederschmetternden Sonntag. Eine Woche nach seinem Triumph in Singapur vor seinem Stallrivalen Charles Leclerc eskalierte der rote Zoff am Schwarzen Meer. Mit dem großen Profiteur Lewis Hamilton. „Ich habe meinen Teil der Absprachen eigentlich eingehalten. Ehrlich gesagt, möchte ich das intern regeln“, sagte Vettel schmallippig nach seinem Aus in der 28. Runde. Dabei sah es zunächst nach dem zweiten Vettel-Sieg nacheinander aus. Rang drei hatte er in der Qualifikation geschafft – in Sotschi ein Platz mit Siegaussicht. 2017 gewann Bottas im Mercedes nach seinem cleveren Start-Manöver das Rennen. Diesmal nutzte Vettel die Streckencharakteristik für eine beeindruckende Attacke. Er zog an Hamilton gleich auf den ersten Metern vorbei – der Brite war auf langsameren Reifen unterwegs. Dann attackierte der Hesse aus dem Windschatten auch Leclerc. Mit Erfolg. Innen zog er vorbei und lag nun in Führung vor dem Teamkollegen, dann erst folgten die Mercedes. Wer glaubte, damit wären erstmal alle bei Ferrari glücklich und zufrieden, sah sich getäuscht. Es entwickelte sich eine Funk-Farce à la Ferrari. Zunächst wurde Vettel angewiesen, Leclerc wieder überholen zu lassen. Eine mögliche Erklärung wäre, dass der 21 Jahre Monegasse seinem Teamkollegen den Windschatten zuvor absichtlich gegeben hatte und dadurch überholt werden konnte. Doch Vettel weigerte sich. Die Risse im Team wurden mehr als deutlich.

Denn nun beschwerte sich Leclerc bei seinen Chefs. Eine Woche nachdem ein Boxenstopp Vettel im Teamduell in Singapur begünstigt und dem Deutschen den Weg zum ersten Sieg nach über einem Jahr geebnet hatte, fühlte sich der zum vierten Mal nacheinander von der Pole gestartete Leclerc abermals benachteiligt. Und er verhehlte es nicht – zumindest auf seine Art. Als die Box ihm mitteilte, dass man die Plätze nun doch nicht tauschen wollte, weil Hamilton näher gekommen sei und gefährlich werden könnte, antwortete Leclerc: „Ich verstehe das total. Kein Problem. Ich kenne die Situation!“

Was nun? Plan C oder nicht Plan C? Vettel jedenfalls machte Tempo, hielt Leclerc auf Abstand. Dahinter staunte Hamilton mehrfach über den Speed der Ferraris, der fünfmalige Champion kam nicht ran. Allerdings würde er mit den etwas härteren Reifen länger draußen bleiben können. Als erster der Topfahrer in die Box kam Leclerc. Vor einer Woche war es Vettel gewesen. Jetzt musste der Hesse richtig Gas geben, die ersten Überrundungen waren allerdings nicht förderlich, den Vorsprung auf Leclerc so groß zu halten, dass er beim Vettel-Stopp immer noch hinter ihm bleiben würde.

Die Reifen ließen zudem nach, Vettel informierte sein Team, das ihn aber noch immer nicht reinholte – bis das Polster absehbar nicht mehr ausreichen würde. Und so passierte, was passieren musste: Vettel kam nach seinem Reifenwechsel als Zweiter hinter Leclerc zurück. Doch damit nicht genug. Der Ferrari war am Ende. Ein Defekt, irgendwas elektronisches aus dem Hybridbaukasten. Vettel musste sein Auto abstellen. „Bringt diese verdammten V12 zurück“, fauchte er via Funk. Die früheren Motoren kamen ohne Hybridsystem aus, dass Vettel stoppte.

Was so gut begann, wurde für Ferrari zum kompletten Desaster. Denn Hamilton nutzte die Safety-Car-Phase durch das Vettel-Aus zum Reifenwechsel und schob sich so an Leclerc vorbei. Und auch Bottas schlüpfte durch, weil Leclerc noch mal auf die schnelleren Reifen ging. Danach demonstrierte Mercedes, wie erfolgreiche Teamarbeit aussieht: Bottas diente als Puffer, hielt Leclerc Runde um Runde auf, während Hamilton an der Spitze seinem 82. Karrieresieg entgegenfuhr. Und ich so im Vorbeigehen eine Hamilton-Siegwette gewann!

Auch für Lewis Hamilton ein Grund zur Freude: „Es fühlt sich an, als ob wir lange auf diesen Sieg hätten warten müssen. Das gesamte Team hat an diesem Wochenende fantastische Arbeit abgeliefert: Wir haben niemals aufgegeben, immer weiter gepusht und stets versucht, einfallsreich zu sein. Es ist unheimlich inspirierend, Teil des Ganzen zu sein und unglaublich, heute so ein Ergebnis einzufahren, gerade, wenn man bedenkt wie schnell Ferrari im ersten Stint gewesen ist. Es war richtig schwer, mit ihnen mitzuhalten, ganz besonders mit dem Unterschied bei den Reifen. Aber wir haben immer weiter gepusht und das Auto fühlte sich heute sehr gut an. Wir gingen davon aus, dass ihre Soft-Reifen während des ersten Stints abbauen würden, aber sie hatten so eine gute Pace, dass es mir schwergefallen ist, mit ihnen mitzuhalten. Das ist möglicherweise ein kleiner Warnhinweis für uns, denn es sah so aus, als ob sie sich diesbezüglich nicht verrechnet hatten. Ich blieb aber in Schlagdistanz und verringerte den Abstand zu ihnen, als ihre Reifen langsam abbauten. Nachdem Charles an die Box gegangen war, holte ich auf Seb auf und wir waren in einer guten Position, um noch lange draußen zu bleiben – selbst wenn das Safety Car nicht herausgekommen wäre, wäre es ein richtig gutes Rennen geworden. Aber dann spielte es uns in die Karten. Danach ging es nur darum, den Vorsprung herauszufahren, auf die Reifen zu achten und gleichzeitig so sauber wie möglich bis ins Ziel zu kommen. Mit Blick nach vorne sind immer weniger Rennen zu fahren, aber wir denken nur von Rennen zu Rennen, machen einen Schritt nach dem anderen, um nicht ins Straucheln zu geraten. In einem Duell wie diesem gibt man immer alles, lässt keinen Stein auf dem anderen und stellt alles in Frage, was man besser machen kann. Wir lieben diese Herausforderung und ich bin richtig heiß auf die nächsten Rennen!“

Das findet am 13. Oktober in Japan statt!

Fotos (c) Daimler AG, Ferrari