F1 Monza: Der Kronprinz ist erwachsen!

Der königliche Park von Monza hat seit Sonntag einen neuen König. Charles LeClerc gewinnt auf weltmeisterliche Art den Großen Preis von Italien. Der junge Monegasse sorgte nebenbei für den ersten Ferrari Heimsieg seit neun Jahren und wird zu Recht geliebt!

Die Gesänge der Tifosi galten diesmal allein Charles Leclerc, der mit einer knallharten Triumphfahrt für den ersten Monza Formel-1-Sieg der Scuderia seit neun Jahren gesorgt hatte. „Was für ein Rennen, ich war noch nie so erschöpft“, sagte der 21 Jahre alte Monegasse und fügte auf italienisch hinzu: „Ein Traum ist wahr geworden!“ Mit seinem zweiten Triumph in Serie hat Leclerc die Herzen der Ferraristi im Sturm erobert. Sogar Teamchef Mattia Binotto filmte die Jubelszenen mit dem Handy vom Zaun. „Das war wirklich fantastisch“, sagte Ferrari-Chef Louis Camilleri, als die Fans die Zielgerade in ein Meer von Rot verwandelten. Zweiter wurde Valtteri Bottas im Mercedes.

Der WM-Führende Lewis Hamilton musste sich wegen eines Fahrfehlers im Silberpfeil mit Platz drei und der schnellsten Rennrunde begnügen, hatte sich zuvor nach einem giftigen Zweikampf mit Leclerc aber über zweifelhafte Verteidigungsmanöver des Monegassen beklagt. „Herzlichen Glückwunsch an Charles. Er hat eine großartige Leistung gezeigt, ganz besonders angesichts des Drucks, den Valtteri und ich auf ihn ausgeübt haben. Ferrari war auf den Geraden sehr schnell, weshalb es uns schwergefallen ist, nah an ihnen dran zu bleiben. Heute hat es leider einfach nicht sollen sein. Es ist immer enttäuschend, wenn man so nah hinter einem anderen Auto herfährt, aber nicht vorbeikommt. Schlussendlich verlassen wir Italien mit weiteren Punkten in der Konstrukteurs-Weltmeisterschaft und darauf kommt es am Ende an. Ich gehe nicht davon aus, dass das nächste Rennen für uns einfach wird. Stattdessen gehen wir in der kommenden Woche zurück in die Fabrik und durchlaufen dort den gleichen Prozess wie immer. Wir werden nach Wegen suchen, um unser Auto sowie unsere Abläufe am Rennwochenende zu verbessern. Hoffentlich können wir dann in Singapur eine bessere Leistung abliefern. Mir gefällt dieser Dreikampf zwischen Ferrari, Red Bull und uns sehr. Entsprechend möchte ich diesen gerne fortsetzen.“, sagte der 34-Jährige. Mit nun 284 Punkten ist der Brite seinem sechsten WM-Titel wieder näher gekommen. Der Finne Bottas bleibt mit 63 Zählern Rückstand Gesamtzweiter. Leclerc zog indes am glücklosen Vettel vorbei und ist nun WM-Vierter hinter Red-Bull-Fahrer Max Verstappen. Einen starken Tag erwischte Nico Hülkenberg, der im Renault Fünfter wurde.

Bei der Startplatzjagd am Samstag hatte sich die Formel 1 noch nach Kräften blamiert. In Nervenspiel um eine gute Position im Windschatten hatten die Topfahrer zu lange an der Box gewartet und dann auf der Strecke das Taktieren und Trödeln übertrieben – prompt war die Zeit für eine letzte schnelle Runde für die Favoriten abgelaufen. Besonders ärgerlich war das für Vettel, der eigentlich wie zuvor abgesprochen im Sog von Leclerc zur Pole Position rasen wollte. Stattdessen musste er sich auf Rang vier einordnen. „Wir hätten das besser abliefern können und haben unsere Lektion gelernt“, sagte Teamchef Binotto am Sonntag am RTL-Mikrofon. Vettel und Leclerc hätten die Unstimmigkeiten aber miteinander geklärt.Im Rennen aber sammelte Vettel schnell neuen Frust. Nach wenigen Kurven musste er Landsmann Hülkenberg im Renault vorbei lassen. Zu Beginn der zweiten Runde holte sich Vettel zwar Platz vier zurück, leistete sich dann aber wenig später einen folgenschweren Fehler. In der Ascari-Kurve drehte sich der gebürtige Heppenheimer und rutschte ins Gras. Quer zur Fahrbahn rollte er auf den Asphalt zurück, Lance Stroll im Racing Point konnte nicht mehr ausweichen und rumpelte über den Frontflügel von Vettels Ferrari. „Er kam auf die Strecke zurück wie ein Idiot“, schimpfte der Kanadier am Funk. Umgehend verdonnerten die Rennkommissare Vettel zu einer 10-Sekunden-Strafe, die er vor der Garage abbrummen musste. Mit einer Runde Rückstand war das Rennen für den viermaligen Weltmeister schon in der 13. der 53 Runden gelaufen. Schon im Vorjahr hatte sich Vettel in Monza einen unnötigen Dreher geleistet und einen entscheidenden Rückschlag im Titelkampf erlitten.

In diesem Jahr machte Vettel unter Druck erneut zu viele Fehler und muss inzwischen befürchten, auch in der internen Hierarchie seinem Rivalen Leclerc den Vortritt lassen zu müssen. Der junge Monegasse verteidigte seine Pole Position am Start geschickt gegen Hamilton und blieb auch nach dem Reifenwechsel vorn. Doch es war ganz knapp.

Prompt suchte Hamilton seine Chance, doch Leclerc wehrte den Überholversuch des Titelverteidigers knallhart ab. Der Brite musste durch das Kiesbett ausweichen. „Er hat mir keinen Platz gelassen, er hat mich abgedrängt“, wetterte der Champion. Die Rennrichter verwarnten Leclerc, sahen aber von einer Strafe ab. Auch einen Verbremser von Leclerc konnte Hamilton nicht nutzen, zumal die Rennleitung auch ein weiteres grenzwertiges Verteidigungsmanöver des Youngsters nicht ahndete.

Als Hamilton dann kurz neben die Strecke geriet, war der Weg endgültig frei für Leclerc. Bottas holte auf den letzten Kilometern zwar noch einmal gewaltig auf, patzte dann aber beim Überrunden. So durften die Ferrari-Fans endlich wieder einen Heimsieg bejubeln.

Fotos (c) Daimler AG, Ferrari