WRC Deutschland: Citroen stürzt ab!

Für das Citroen Racing World Rally Team wurde die Rallye Deutschland zur großen Enttäuschung. Der Anspruch, auch im Saarland wieder aufs Podium zu fahren, endete in einem jähen Absturz. Weltmeister Sebastien Ogier schimpfte über ein unfahrbares Auto und streut Rückzugsgedanken. Auch das Citroen World Rally Team überlegt den Ausstieg!

Das Citroen Total World Rally Team erlebte eine ADAC Rallye Deutschland zum Vergessen. Beim zehnten Lauf der Rallye-Weltmeisterschaft kamen Sebastien Ogier/Julien Ingrassia und Esapekka Lappi/Janne Ferm auf dem siebten und achten Platz ins Ziel. Beide Teams konnten bei der Asphaltrallye das Potenzial ihrer Citroën C3 WRC bei weitem nicht ausschöpfen, zudem handelten sich Ogier/Ingrassia zwei Reifenschäden ein. Das Citroen Total World Rally Team konzentriert sich bereits auf die nächste Rallye in der Türkei vom 12. bis 15. September. Doch hinter den Kulissen ist ein vorzeitiger Ausstieg der Equipe aus der WRC nicht mehr ausgeschlossen. Selbst Sebastien Ogier redete im Saarland nur noch von vier anstatt 18 WM-Läufen bis zu seinem Abschied. Beim deutschen WM-Lauf herrschte im französischen Lager mehr Frust als Lust. Dabei begann die Rallye für Ogier, Citroen und Co durchaus vielverprechend!

Sebastien Ogier und sein Co Julien Ingrassia beendeten den ersten Tag trotz einiger kleiner Fehler auf dem dritten Platz. Am zweiten Tag hofften sie, auf dem Militärgelände in Baumholder, wo sie bereits in der Vergangenheit starke Leistungen erzielt hatten, ihre Position zu verteidigen. Zunächst verloren sie jedoch etwas Zeit durch einen schleichenden Reifenschaden. Ein zweiter Plattfuß kostete sie dann mehr als 90 Sekunden. Damit fielen die Franzosen aus der Spitzengruppe zurück. Nach den beiden Reifenschäden auf der Panzerplatte am zweiten Tag der Rallye waren die Chancen für Sebastien Ogier und Julien Ingrassia auf einen Podiumsplatz geschmolzen. Die dritte und letzte Etappe endete für die beiden Franzosen mit dem siebten Gesamtrang vor ihren Teamkollegen Esapekka Lappi und Janne Ferm, die zwischenzeitlich auf dem sechsten Platz gelegen hatten. Ogiers Aussage “ I can’t drive this car“ for laufenden TV-Kameras war bezeichnend. Die Piloten des C3 WRC kämpfte mit heftigem Übersteuern, welches Ogier und seinen Teamkollegen Esapekka Lappi extrem beschäftigten. Den beiden gelang keine WP-Bestzeit und das, wo Citroen die Rallye Deutschland bereits zwölfmal in Folge gewinnen konnte. Entsprechend angefressen war Sebastien Ogier: „Dies war nicht das Wochenende, das wir uns erhofft hatten. Ich habe alles gegeben und bin viele Male Vollgas gefahren. Es hat nicht gereicht, zudem hat der Reifenschaden wertvolle Zeit gekostet. Wir hatten gedacht, hier den Durchbruch zu schaffen, aber unsere Situation in der Meisterschaft hat sich nicht verbessert. Ich werde jedoch weiterhin kämpfen, wie ich es gewohnt bin!“

Teamchef Pierre Budar ergänzte und suchte nach Erkärungen: „Die Abstimmung des Autos macht nachwievor Probleme. Wir hatten gehofft, an diesem Wochenende unter den führenden Teams zu sein, aber das war nicht wirklich der Fall. Wir kamen zwar näher an die Spitzenteams heran als auf Korsika, waren aber noch zu weit entfernt, um zufrieden zu sein. Es liegen noch vier Rallyes vor uns, inklusive einige der schwierigsten Veranstaltungen im WM-Kalender. Deshalb kann noch viel passieren. Wir haben in der kommenden Woche einen Test für die Rallye Türkei und wir werden bis zum Saisonende gemeinsam mit Engagement und Leidenschaft kämpfen.“

Esapekka Lappi und Janne Ferm, die über weniger Erfahrung bei der ADAC Rallye Deutschland verfügen, lagen auf der ersten Etappe nur 7,3 Sekunden vom vierten Platz entfernt. Allerdings machten sie einen Fehler, drehten sich auf der fünften Wertungsprüfung und beendeten den ersten Tag auf Rang sieben. Mit zwei zweitbesten WP-Zeiten demonstrierten die beiden Finnen die Fortschritte, die mit der Abstimmung ihres Citroën C3 WRC erzielt worden waren, und versuchten ihren Beitrag zu den Bemühungen des Teams zu leisten, konnten jedoch einen weiteren kleinen Fehler nicht vermeiden. Der Finne äußerte sich ähnlich zwiespältig und sagte: „Es war ein schwieriges Wochenende. Uns fiel es nicht leicht, Vertrauen ins Auto und den Speed zu finden, um mit den Spitzenteams zu kämpfen. Wir haben während des Wochenendes einige kleine Schritte vorwärts gemacht, aber es hat nicht gereicht!“

Gerade für die harte Rallye in der Türkei muss das Vertrauen ins Auto wieder her. Doch der WM-Lauf in Vorderasien ist eine Schotterrallye, da werden die Karten ganz besonders neu gemischt. Für Ogier ist der Schotter der Türkei womöglich die allerletzte Chance, das Ruder bei Citroen herum zu reissen.

Der (noch) amtierende Weltmeister steht vor einer Mammutaufgabe!

Fotos (c) Citroen Racing, Red Bull Content Pool