F1: Grober Unfug

Guten Morgen aus Düsseldorf!

Bahrain ist wieder im Kalender! Die FIA setzte das wegen der politischen Unruhen ausgefallene Rennen neu an. Der Termin: 30. Oktober. Das ursprünglich für dieses Datum vorgesehene Rennen in Indien wird verlegt auf den 11. Dezember.

„Im Zweifel für das große Geld“ , schreibt heute Tomas Avenarius von der Süddeutschen Zeitung. Die Erinnerung an 24 tote Demonstranten ist verblasst. Die Mahnungen von Menschenrechtlern verhallen ungehört. Bahrain hat sein Rennen zurück und Bernie Ecclestone wird mit den Worten zitiert :“Es gibt dort viele nette Leute.“ Die internationale Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch hatte noch kurz vor der gestrigen Entscheidung die FIA aufgefordert, das Rennen nicht neu anzusetzen. „Angesichts des Ausmaßes der Menschenrechtsverletzungen sollten die internationalen Rennfunktionäre darüber nachdenken, ob es wirklich angemessen wäre, dieses Jahr ein Formel-1-Event in Bahrain abzuhalten“, heißt es in einem Schreiben der HRW. Vergeblich. Das Schaulaufen bei den Scheichs findet statt und die Saison wird unnötig bis weit in den Dezember verlängert. Grober Unfug, wie ich finde! Die FIA hat eine Entscheidung getroffen, die so unglaublich scheinheilig und von Geld bestimmt ist, selbst wenn es die Offiziellen natürlich ganz anders sehen. Doch auch die Teams sind jetzt gefragt, die sich zu einem großen Teil gegen die Neuansetzung des Rennens ausgesprochen haben. Aber machen wir uns nichts vor: Mögen die Teams auch jetzt noch meckern, sie werden alle in Bahrain antreten. Schließlich ist Geld das Herzblut der Formel 1.

Neben der Neuansetzung des Großen Preises von Bahrain auf den 30. Oktober bestätigte der Automobil-Weltverband FIA am Freitag auch den umstrittenen Wechsel auf Vierzylinder-Motoren ab 2013, allerdings nur halbherzig. Die Entscheidung Pro Turbo hat nämlich ein Hintertürchen. Eine Faxabstimmung des Motorsport-Weltrates könnte das Turbo-Comeback doch noch kippen. Als spätester Entscheidungstermin gilt der 30. Juni. Schaut man heute auf die Reaktionen der Werke, steht’s schlecht um den Turbo. Einzig Renault hält noch am Weltmotor fest. VW hat sich gegen die Formel 1 entschieden. Ferrari machte von Anfang an klar, gegen die Vierzylinder zu sein. Mercedes und Ford scheuen die hohen Entwicklungskosten. Ich fürchte, wir erleben in den kommenden Wochen das Ende einer genialen Idee.

Langstrecken-WM kommt

Ich will nicht verhehlen, die von der FIA getroffenen Entscheidungen in Sachen F1 kann ich nicht nachvollziehen. Aber umso mehr freue ich mich über ein wahrlich gute Entscheidung des Weltrates. Gemeinsam mit dem ACO erlebt die Langstrecken-Weltmeisterschaft im Jahr 2012 ihre Wiedergeburt! Mindestens sechs Langstreckenrennen und als Höhepunkt die zum WM-Kalender zählenden 24 Stunden von Le Mans, die FIA schafft endlich die Bühne für eine weltweite Sportwagen-Meisterschaft. Bye Bye ILMC! Nach Jahrzehnten des Streits haben sich der ACO und die FIA endlich an einen Tisch gesetzt und das Kriegsbeil begraben. Die Sportwagenszene frohlockt! Die 80. Ausgabe der 24 Stunden von Le Mans wird 2012 mit dem WM-Status gekrönt. Peugeot und Audi werden mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit um den WM-Titel fahren und wer weiß…. Porsche und Toyota werden sich dem Reiz einer Langstrecken-Weltmeisterschaft nur schwer entziehen können.