DTM Brands Hatch: Rast baut Führung aus!

Ein zweiter Platz am Samstag, der Sieg am Sonntag. Rene Rast baute beim England-Gastspiel der DTM seine Führung weiter aus. Auch dank einem mit gebremstem Schaum fahrenden Nico Müller. Die DTM bot auf der Fahrerstrecke von Brands Hatch zwei durchaus gute Rennen. Der Samstag überzeugte mit einem Sieg von BMW-Pilot Marco Wittmann. Am Sonntag erlebte BMW dagegen ein Desaster. Auch die Theorie von ‚Free Racing‘ erlitt einen Knacks!

Der Veranstalter des britischen DTM-Rennens hatte den zweiten Renntag als ‚Super Sunday‘ beworben und damit Tausende von Zuschauern an die traditionsreiche Rennstrecke vor den Toren Londons gelockt. Diese erlebten schon im Qualifying eine eindrucksvolle Demonstration der Stärke des Audi RS 5 DTM. Alle acht Audi-Piloten steigerten sich gegenüber dem Vortag deutlich und sicherten sich die besten acht Startplätze. Acht Autos derselben Marke an der Spitze der Startaufstellung hatte es in der DTM bisher nur ein einziges Mal gegeben: 2016 in Budapest, damals ebenfalls durch Audi. Das Traumergebnis im Qualifying setzte die Mannschaft um Audi-Motorsportchef Dieter Gass in den ersten Vierfacherfolg eines Automobilherstellers in der neuen Turbo-Ära der DTM um. Damit gelang Audi in der Herstellermeisterschaft die an einem Renntag maximal mögliche Punkteausbeute von 76 Zählern.

In der Fahrermeisterschaft baute René Rast mit seiner fünften Pole-Position des Jahres und seinem vierten Saisonsieg die Tabellenführung weiter aus. Der Pilot des Audi Sport Team Rosberg sicherte sich den besten Startplatz mit fast drei Zehntelsekunden Vorsprung und startete zum zehnten Mal in Folge aus den Top Drei. Einzige Sorge für den DTM-Champion des Jahres 2017: Weil ein Vorderreifen seines Audi RS 5 DTM im Parc fermé durch Steine beschädigt wurde, musste er den zweiten Stint auf einem gemischten Reifensatz fahren. „Die Pole-Position war heute ganz klar der Schlüssel zum Erfolg“, sagte Rast nach dem insgesamt 14. Sieg seiner DTM-Karriere. „Meine Pace im Rennen war okay, aber nicht überragend. Trotzdem die maximale Punktzahl geholt zu haben und erstmals in diesem Jahr von der Pole gewonnen zu haben ist fantastisch!“

Nico Müller vom Audi Sport Team Abt Sportsline festigte mit Platz zwei seinen zweiten Tabellenrang. „Ich hatte auch heute kein gutes Qualifying“, sagte der Schweizer. „Mit meinem zweiten Reifensatz bin ich in den Verkehr geraten, deshalb kam nur Startplatz sechs heraus. Im Rennen waren wir schnell, die Chance mit René um den Sieg zu kämpfen habe ich durch einen langsamen Boxenstopp verloren. Trotzdem freue ich mich über die gute Punkteausbeute an diesem Wochenende!“ Der langsame Boxenstopp war allerdings nicht Müllers einziges Problem. Gegen Ende des Rennens hätte Müller durchaus Chancen gehabt, seinen Teamkollegen Rast auf der Strecke zu attackiern. Doch die Audi-Strategie hatte andere Optionen. Müller blieb ohne Einsatz von DRS und Push To Pass hinter Rast und spielte den braven Sekundanten. Audi-Sportchef Dieter Gass lieferte eine schwammige Erklärung, die aber wohl nicht alle Motorsportfans zufrieden stellte: „Wir befinden uns mitten im Titelkampf, haben versucht, René und Nico so gut wie möglich zu helfen und unsere Strategie auf Marco Wittmann ausgerichtet. Das hat gut funktioniert!“ Ein offener Titelkampf mit einem Duell der Besten hätte die Zuschauer wohl ein wenig überfordert. Schade!

Das Podium komplettierte Robin Frijns, der am Vortag wegen eines Defekts am Auspuff Abgase eingeatmet hatte und am Sonntag mit Kopfschmerzen aufgewacht war. „Das Rennen heute war gut, mein Auto super“, sagte der Niederländer. „Nach einem mittelmäßigen Start lag ich hinter Loïc (Duval) auf Platz vier. Ich hatte das Gefühl, etwas schneller zu sein, und habe ihn nach dem Boxenstopp überholt. Danach habe ich eigentlich nur noch auf meine Reifen aufgepasst.“

Loïc Duval vom Audi Sport Team Phoenix machte mit Platz vier den Audi-Vierfacherfolg perfekt. Dem Franzosen gelang es im letzten Renndrittel, die vehementen Attacken von BMW-Pilot Philipp Eng abzuwehren, obwohl dieser später gestoppt hatte und mit deutlich frischeren Reifen unterwegs war. Duvals Teamkollege Mike Rockenfeller kam knapp hinter Duval und Eng als Sechster ins Ziel.

BMW musste am Sonntag kleine Brötchen backen. Nach dem Sieg durch Marco Wittmann am Samstag hat Philipp Eng im Sonntagsrennen in Brands Hatch als bestplatzierter BMW Fahrer den fünften Platz belegt. Nach einem schwierigen Qualifying für BMW verbesserte er sich dank starker Rennpace und verpasste nach 42 Runden nur knapp einen Platz auf dem Podium. Sheldon van der Linde und Wittmann kamen auf den Plätzen sieben und zehn ins Ziel. Nach Problemen im Zeittraining mussten alle BMW M4 DTM aus dem Mittelfeld ins zwölfte Rennen der DTM-Saison starten. Dank sehr starker Rennpace und guter Strategie gelang es vor allem Eng und van der Linde Boden gutzumachen. Eng hatte nach seinem späten Boxenstopp sogar noch Tuchfühlung zur Spitze, konnte in den letzten Runden im Kampf um das Podium Loic Duval jedoch nicht mehr überholen.

Wittmann, der nach seinem Sieg und seiner Poleposition vom Samstag diesmal von Position zwölf starten musste, riskierte im Rennen einen zweiten Boxenstopp, um auf frischeren Reifen noch möglichst weit nach vorn zu kommen. Diese Strategie zahlte sich letztlich jedoch nicht aus. Timo Glock belegte den zwölften Platz, Bruno Spengler und Joel Eriksson schieden mit technischen Problemen aus.

Beim zweiten Heimrennen des Teams R-Motorsport Aston Martin in Brands Hatch erzielte R-Motorsport die nächsten beiden Punkteresultate mit dem Aston Martin Vantage DTM auf britischem Boden. Bereits am Samstag fuhr Daniel Juncadella ein Top-10-Ergebnis ein. Am Sonntag ließ er im zweiten Rennen auf dem britischen Traditionskurs mit Platz acht ein weiteres folgen. Juncadella ging von Platz zehn ins Rennen und legte in Runde 13 seinen Pflichtboxenstopp ein. Direkt hinter Juncadella belegte sein Teamkollege Jake Dennis den neunten Platz und komplettierte damit die doppelte Punkteankunft für das Team. Der Brite verbesserte sich im Verlauf seines Heimrennens um acht Positionen. Seinen Reifenwechsel legte er gegen Rennmitte in Runde 20 ein.

Ferdinand von Habsburg verpasste eine weitere Punkteplatzierung als Elfter knapp. Der Österreicher kam in Runde 23 zu einem späten Boxenstopp herein und machte im Rennverlauf insgesamt sieben Plätze im Vergleich zu seiner Startposition gut. Paul Di Resta führte das Rennen vor seinem Pflichtstopp in Runde 23 für kurze Zeit an, fiel dann jedoch in Folge eines Missverständnisses bei seinem Boxenstopp aus den Top-10 heraus und beendete das Rennen auf Rang 14.

Vom Rennen in Brands Hatch geht es für den DTM-Tross weiter in die Lausitz. Dort findet vom 23. bis 25. August auf dem Lausitzring das siebte Rennwochenende in dieser Saison statt.

Fotos (c) Audi Communications Motorsport, BMW AG, R-Motorsport