F1 Ungarn: Der Budapest Krimi!

Die Formel 1 Rennen in Budapest bestachen meist durch überschaubare Langeweile. Am Sonntag wendete sich das Blatt und es entwickelte sich ein respektabler Krimi. Vier Runden vor Schluß entriss Lewis Hamilton Max Verstappen die Führung. Selbst Sebastian Vettel war zufrieden!

Sebastian Vettel freute sich noch über ein bisschen Champagner, auf dem Siegerpodest blieb ihm aber nur der höfliche Applaus für den grandiosen Lewis Hamilton und dessen neuen Top-Herausforderer Max Verstappen. Mit einem unfassbaren Schlussspurt hatte Mercedes-Superstar Hamilton am Sonntag in einem extrem spannenden Duell noch Red-Bull-Pilot Verstappen den Sieg im Taktik-Krimi von Ungarn entrissen. „Ich bin so dankbar für diesen Tag“, sagte der 34 Jahre alte Brite nach seiner brillanten Aufholjagd am Ende des Rennens.

Nach der bitteren Niederlage von Hockenheim kam Lewis strahlend zurück und ging bei der Aufholjagd hohe Risiken ein: „Wir hatten heute ein wenig mit den Bremsen zu kämpfen. Deshalb versuchte ich, sie so viel wie möglich dafür zu schonen, wenn sich eine Chance auf ein Überholmanöver gegen Max ergeben sollte. Es war richtig schwierig, an ihm vorbeizukommen. Ich war mir nicht sicher, ob ich den 19-Sekunden-Rückstand würde schließen können. Aber das Team sagte, dass ich es versuchen sollte und das habe ich gemacht. Ich habe weiter alles gegeben, die Lücke geschlossen und bin Runden wie im Qualifying gefahren. Ich war die gesamte Zeit am Limit. Ich ziehe meinen Hut vor dem Team und ich glaube, wenn Niki heute hier gewesen wäre, hätte auch er seine Kappe vor ihnen gezogen!“ Fast 20 Sekunden Rückstand holte Hamilton auf den lange führenden Verstappen auf und zog in der 67. von 70 Runden doch noch am Niederländer vorbei. Vettel verdrängte immerhin noch seinen Ferrari-Teamkollegen Charles Leclerc von Rang drei, bleibt aber nun über ein Jahr ohne einen Sieg. „Wir konnten das ganze Wochenende nicht mit den anderen mithalten. Es ist vielleicht ganz gut, dass jetzt die Sommerpause kommt. Wir müssen stärker werden“, sagte Vettel.

Im WM-Klassement fehlen dem Hessen zu Beginn der vierwöchigen Pause bereits satte 94 Punkte auf Hamilton. Der Silberpfeil-Pilot hat nun 250 Zähler auf dem Konto, 62 Punkte mehr als Teamgefährte Valtteri Bottas. Der Finne wurde nach einer Startkollision nur Achter. Verstappen, der nach der ersten Pole Position seiner Karriere den dritten Sieg in vier Rennen knapp verpasste, liegt 69 Zähler zurück. „Es war leider nicht genug“, sagte Verstappen nach seinem letztlich verlorenen Kampf gegen Hamilton.

Nach zuletzt drei packenden Darbietungen bekamen die Fans auch in der Puszta einen Thriller im letzten Rennen vor der Pause geboten. Zuletzt hatte die Rennserie in Hockenheim einen Regen-Klassiker aufgeführt, in dem Verstappen furios zum Sieg raste und Vettel von Startplatz 20 noch auf Rang zwei gefahren war. Diesen Schwung wollten beide auch in Ungarn nutzen. Dagegen hatte Mercedes nach dem Desaster beim Heimrennen mit Platz neun für Hamilton und dem Unfall-Aus von Bottas einiges gutzumachen. Doch schon kurz nach dem Start gab es den nächsten Nackenschlag für die Silberpfeile. Im Kampf um Platz zwei hinter Polesetter Verstappen zwängte sich Hamilton knallhart an Teamkollege Bottas vorbei, es kam zur kurzen Berührung beider Autos. Kurz darauf touchierte auch Ferrari-Jungstar Leclerc beim Überholmanöver den Frontflügel am Mercedes des Finnen, Teile splitterten. Die Rennleitung sah jedoch keinen Grund zum Eingreifen.

Bottas musste danach auch Vettel vorbeiziehen lassen und kam nach fünf Runden zum ungeplanten Boxenstopp. Mit neuer Nase am Auto kehrte der 29-Jährige als Letzter zurück auf die Strecke. Ein bitterer Auftakt für Finnen, über dessen Zukunft die Teamführung bis Ende August entscheiden will.

An der Spitze entwickelte sich derweil ein Duell zwischen Verstappen und Hamilton, die sich mit einer Serie schneller Runden von den beiden Ferrari-Verfolgern absetzten. Der Rückstand von Leclerc und Vettel wuchs von Runde zu Runde. „Wir gehen mit beiden Autos auf Plan B“, funkte der Kommandostand der Scuderia an Vettel. Auf der kurvigen Strecke konnten die Ferrari einmal mehr ihren PS-Vorteil nicht ausspielen und verloren das Spitzenduo schnell aus den Augen.

Zwischen Verstappen und Hamilton wurde es indes zunehmend enger. Der Brite kam bis auf eine Sekunde an den führenden Red-Bull-Piloten heran. Verstappen ließ die Box zunehmend drängender von seinen Reifensorgen wissen: „Ich sag es nochmal, ich verliere Haftung!“

Nun waren die Taktiker gefragt. Mercedes zögerte den Stopp von Hamilton hinaus, Verstappen kam nach 25 Runden für frische Gummiwalzen an die Garage. Nun führte Hamilton, doch auf den alten Reifen konnte er nicht genügend Vorsprung für seinen Stopp herausfahren. „Ich kann nicht schneller, Mann“, ließ der fünfmalige Weltmeister seinen Renningenieur wissen. Als Hamilton nach 32 Runden dann auch an die Box fuhr und seine Mechaniker nicht so schnell arbeiteten wie gewohnt, war Verstappen wieder vorn. Mit Wut im Bauch fuhr Hamilton die Lücke erstaunlich schnell wieder zu. In Runde 39 griff der Titelverteidiger an, war sogar kurz vorbei, geriet dann aber neben die Strecke. „Was kann ich noch machen?“, fragte Hamilton verärgert. Seine Jagd ging weiter. Die Mercedes-Strategen griffen zu einem Taktik-Kniff, beorderten den Champion noch einmal an die Box für frische Reifen. Die Hoffnung: Hamilton würde so am Ende des Rennens wieder hinter Verstappen auftauchen – und mit dem Reifenvorteil vorbeiziehen. Und diese Idee zündete. Hamilton holte rasant auf, Verstappen konnte nicht mehr kontern und musste sich am Ende geschlagen geben.

Zusammengefasst kann man sagen, das sich die Formel 1 von ihrer Lethargie erholt hat. Nach nun vier spektakulären Rennen hat sich der Zirkus eine Pause verdient. Am 1. September geht es auf der Ardennenachterbahn von Spa-Francorchmps in die nächste Runde. Auch in Belgien dürfte Spannung garantiert sein!

Fotos (c) Daimler AG, Red Bull CP