F1 Silverstone: Der Mega Grand Prix!

Eins vorneweg: Der Große Preis von Silverstone war das Spannendeste und Spektakulärste Rennen in der jüngeren Vergangenheit der Formel 1. Der Grund liegt auf der Hand. An der Spitze duellierten sich Lewis Hamilton und Valtteri Bottas rundenlang extrem hart. Dahinter lieferten sich Charles LeClerc und Max Verstappen einen Kampf, als gäbe es kein Morgen mehr. Und all das verdanken wir den findigen Reifenbäckern von Pirelli, die ihre bonbonfarben flankierten Pneus nun endlich haltbarer gemacht haben!

Die Haltbarkeit der Reifen unterstrich im letzten Umlauf auch Silberpfeil-Pilot Lewis Hamilton, der auf seinen beinahe abgefahrenen Gummis die schnellste Runde des Rennen aus dem Hut zauberte und neben dem Sieg auch noch den Bonuspunkt mitnehmen konnte. Für den Briten war es der 80. Grand Prix Sieg seiner Karriere, doch leicht gemacht wurde es ihm nicht. Die entscheidenden Sekundenbruchteile verlor Hamilton am Start, Polesitter Bottas kam gut weg und übernham vorerst das Zepter in einem Rennen, dem es an Dramatik nun wirklich nicht mangelte. Von Beginn an biß sich Hamilton in das Heck seines Teamkollegen fest. Den Verantwortlichen am Mercedes-Kommandostand rutschte vermutlich mehrmals das Herz in die Hose, denn die beiden Silberpfeil-Kutscher kämpften gnadenlos.

Doch auch hinter den beiden ging die Post ab. Max Verstappen und Ferrari-Jungstar Charles LeClerc gaben sich richtig Saures. Zum Boxenstopp kamen beide gleichzeitig, doch Verstappen machte in der Inlap ein paar Zehntel gut. Im Paarlauf verliessen der Monegasse und der Holländer die Box, jedoch in umgekehrter Reihenfolge. Das Duell der beiden 21-Jährigen ging knallhart weiter, wieder lieferten die potenziellen Champions der Zukunft die größte Show. Vettel fuhr nur mit. Glück für ihn: Nach einem Dreher ins Kiesbett von Antonio Giovinazzi im Alfa Romeo kam nach 20 Runden das Safety Car auf die Strecke. Hamilton kam schnell rein zum Reifenwechsel und übernahm die Führung. Bottas hatte das vorher erledigt. Auch Vettel ließ neue Gummis aufziehen, ebenso ein weiteres Mal Verstappen – das Trio sollte das Rennen ohne weiteren Stopp beenden können. Auch Leclerc wurde von Ferrari noch mal an die Box beordert, und kam als Sechster zurück. „Wie zur Hölle haben wir den Platz verloren“, fragte der Monegasse. Vettel lag nun plötzlich auf Rang-Zwei-Kurs – mit Verstappen im Großformat in seinen Rückspiegeln und einem Leclerc mit Wut im Bauch. Als Verstappen dann an Vettel vorbeizog, wollte der gebürtige Heppenheimer kontern. Es endete mit einem wenig weltmeisterlichen Auffahrunfall und dem Tiefpunkt einer bereits bitteren Saison für Vettel – zwei Wochen vor dem Heimrennen auf dem Hockenheimring.

Dem Heppenheimer ist das Lachen längst vergangen. Das Rennen in Silverstone wurde zum Tiefpunkt für Sebastian Vettel. Der WM-Titel Nummer Fünf ist nahezu unerreichbar geworden. Nun mehren sich auch die Gerüchte, die Vettels vorzeitiges Vertragsende bei Ferrari prognostizieren. Und hier im Dorf gibt es nicht wenige, die sagen: „Vettel soll lieber im Kinderkarrussel seine Kreise drehen!“ Vettel nahm zwar die Schuld des Auffahrunfalls auf sich, hatte aber sonst nur schmallippige Erklärungen zu bieten. „Es ist natürlich schon doof. Ich bin natürlich nicht zufrieden. Viel mehr als der vierte Platz wäre aber eh nicht möglich gewesen!“

Lewis Hamilton, der König von Silverstone, zog dagegen ein brilliantes Fazit: „Ich erinnere mich noch genau an meinen ersten Sieg hier in der Saison 2008 und das Gefühl, als ich aus Brooklands heraus auf die Gerade gefahren bin und die Zuschauer gesehen habe. Heute war es ähnlich. Die Aufregung und die Freude, die ich gespürt habe, war genau wie damals. Ich bin schon so viele Rennen gefahren und man könnte meinen, dass ich mich mittlerweile daran gewöhnt haben sollte. Aber das Gefühl verändert sich nicht, es war wie damals bei diesem ersten Sieg. Valtteri ist ein sehr starkes Rennen gefahren und wir hatten am Anfang ein richtig schönes Duell. Ich habe ihn vor Kurve sieben beinahe bekommen, aber er war neben mir und ich konnte ihm die Tür nicht zumachen. Danach hielt ich mich etwas zurück und wartete auf die Boxenstopps. Ich hoffte, dass ich ihn vielleicht in der Box würde überholen können. Ich verlängerte meinen ersten Stint um ein paar Runden und dann kam das Safety Car auf die Strecke – das war perfektes Timing für mich, da ich vor Valtteri wieder auf die Strecke ging. Ich bin allen unheimlich dankbar, die mir dabei geholfen haben, dieses Ergebnis einzufahren. Hinter mir steht dieses fantastische Team und es ist absolut großartig, ein Teil dieser Mannschaft zu sein. Wir reißen Mauern und Rekorde ein und legen die Messlatte an jedem Wochenende immer höher!“

Kein Wunder, das die Silberpfeile auch beim Deutschland Grand Prix in Hockenheim zum Maßstab werden.

Fotos (c) Daimler AG, Ferrari, Red Bull CP