DTM Norisring: Das Bremsspektakel!

Wenn einmal im Jahr die Boliden der DTM ihre Kreise um die historische Zeppelintribüne drehen, dann ist Showtime in Nürnberg. Für Abertausende von Zuschauern sind die beiden Läufe eine echtes Spektakel. Für die Bremsen bedeutet der 2,3 Kilometer lange Stadtkurs Schwerstarbeit bis zum Kollaps!

Am kommenden Wochenende blickt die Motorsport-Welt gespannt nach Nürnberg: Zum ersten Mal starten die neuen Class-1-Rennwagen der DTM mit ihren mehr als 610 PS starken Vierzylinder-Turbomotoren auf einem Stadtkurs. „Der Norisring war schon immer ein absolutes Highlight im DTM-Kalender“, sagt Audi-Motorsportchef Dieter Gass. „In diesem Jahr dürfen sich die Zuschauer aber auf ein ganz besonderes Spektakel freuen. Die neuen Autos sind stärker und schneller. Wir erwarten Rundenrekorde, über 270 km/h Topspeed und dadurch natürlich eine noch extremere Belastung für die Bremsen. Durch die höheren Geschwindigkeiten werden die Bremswege länger, die Bremsen dadurch heißer!“ Bereits im vergangenen Jahr wurden die Bremssättel des Audi RS 5 DTM in Nürnberg zusätzlich mit Wasser gekühlt. In diesem Jahr kommen außerdem stärker durchlüftete Bremsscheiben zum Einsatz, die auch mit der zu erwartenden großen Hitze klarkommen.

„Die Strecke ist wegen der beiden Spitzkehren am Ende der schnellen Geraden superhart für die Bremsen“, sagt Audi-Pilot Nico Müller. „Im Rennen müssen wir mit den Bremsen haushalten. Es wird ein Härtetest nicht nur für uns Fahrer, sondern auch für das Material. Noch dazu hat die Strecke sehr viele Bodenwellen, die sich jedes Jahr verändern!“ Müller gewann 2016 auf dem 2,3 Kilometer kurzen Stadtkurs zwischen Dutzendteich und Max-Morlock-Stadion sein erstes DTM-Rennen. Auch im vergangenen Jahr war er in Nürnberg der erfolgreichste Audi-Pilot. Nach seinem Sieg in Misano Anfang Juni liegt der Schweizer auf dem dritten Tabellenrang und kann es kaum erwarten, erstmals mit einem Turboauto auf dem Norisring zu starten.

Mit dem neuen Audi RS 5 DTM setzt Audi Sport seine Erfolgsgeschichte in der DTM nahtlos fort. Mit drei Siegen und zwölf von achtzehn möglichen Podiumsplätzen ist die Bilanz des neuen Class-1-Rennwagens eindrucksvoll. Dank der starken Auftritte bei den ersten drei Veranstaltungen kommt Audi als Spitzenreiter aller drei Wertungen zum Norisring und möchte seine führende Position beim DTM-Heimspiel behaupten. Mit René Rast, Nico Müller, Robin Frijns, Loïc Duval, Jamie Green und Mike Rockenfeller haben alle sechs Audi-Werksfahrer in diesem Jahr bereits Podiumsergebnisse erzielt. Alle sechs liegen vor dem Norisring in der Top Ten der Meisterschaft. Spitzenreiter der Fahrerwertung ist René Rast, der in der DTM im Eiltempo von Rekord zu Rekord fährt. Nur auf dem Norisring hat der Champion des Jahres 2017 und amtierende Vizemeister bisher eine für ihn äußert ungewöhnliche Bilanz: Rast kam in Nürnberg bei vier Starts in der DTM noch nie in die Punkte. Ein zwölfter Platz ist sein bisher bestes Ergebnis auf dem Stadtkurs.

„Höchste Zeit, das zu ändern“, sagt der Audi-Pilot. „Vielleicht ist ja das Design meines Autos ein gutes Omen!“ Rast startet am Norisring und auch 14 Tage später in Assen mit einem Audi RS 5 DTM in den Farben des FC Bayern München. Mit dem Logo des Fußball-Rekordmeisters auf dem Dach wirbt der DTM-Star für den Audi Cup, der am 30. und 31. Juli in der Allianz Arena in München ausgetragen wird.

Rast selbst ist kein Fußballfan, wohl aber sein Teamkollege Jamie Green. Rechtzeitig vor dem Highlight-Rennen in Nürnberg, das er schon viermal gewinnen konnte, hat sich der Brite von einer Blinddarm-Operation erholt und ist wieder einsatzbereit. „Auch wenn die Narben noch nicht ganz verheilt waren, konnte ich bereits zwei Wochen nach der OP wieder mit dem Training beginnen“, sagt Green. „Bisher verläuft der Heilungsprozess planmäßig!“

Auch BMW feiert am vierten DTM-Wochenende ein Heimspiel. Nach sechs Rennen ist Philipp Eng als Gesamtzweiter bestplatzierter BMW Fahrer in der DTM-Fahrerwertung. Er hat 83 Punkte auf seinem Konto und einen Rückstand von zehn Zählern auf den aktuellen Spitzenreiter René Rast. Norisring-Lokalmatador Marco Wittmann kommt als Gesamtvierter mit 68 Punkten ins fränkische Monaco. Wittmann hatte im vergangenen Jahr viel Grund zum Jubeln: Am Samstag feierte er sein erstes Heimpodium auf dem 2,3 Kilometer langen Kurs am Dutzendteich, am Sonntag ließ er seinen ersten Heimsieg folgen. Doch auf die Fans wartet ein weiteres Spektakel: Das BMW M1 Pro Car Revival! Im Rahmen des DTM-Wochenendes auf dem Norisring kommt es zu einem Comeback der legendären BMW M1 Procar-Serie. Mit von der Partie sind zahlreiche Fahrer-Legenden wie Hans-Joachim Stuck, Marc Surer, Harald Grohs und Jan Lammers.

Spannende Positionskämpfe zwischen Formel-1-Piloten und internationalen Privatfahrern in baugleichen BMW M1 machten jedes Rennen in der vor 40 Jahren gestarteten Serie zu einem spektakulären Ereignis. Auf dem Nürnberger Stadtkurs lassen 14 Exemplare des nach Gruppe-4-Reglement aufgebauten und 470 PS starken Mittelmotorsportwagens die Faszination der eigens für das Rennstrecken-Debüt des BMW M1 ins Leben gerufenen Procar-Serie wieder aufleben.

„Ich freue mich riesig auf das Revival der BMW M1 Procar-Serie“ sagt Hans-Joachim Stuck. „Die Kombination aus den sechs schnellsten Formel-1-Fahrern und coolen Privatfahrern hat es nie mehr gegeben. Dazu kommt der einmalige Sound des BMW M1. Das ist bis heute einmalig. Ich will die Fahrt einfach genießen. Ob ich Zweiter, Dritter oder Vierter werde, ist mir vollkommen egal. Ich will das Fahrzeug fahren, hören und erleben. Rennen habe ich in meinem Leben genug gewonnen!“

Anlässlich des Procar Revivals konnte die BMW Group Classic zahlreiche prominente Fahrer für eine Rückkehr ins Cockpit des BMW M1 gewinnen. Beim Procar-Rennen 1980 auf dem Norisring siegte Hans-Joachim Stuck vor Jan Lammers und Marc Surer – alle drei Legenden werden an diesem Wochenende in Nürnberg ein Wiedersehen feiern. Außerdem dabei: Harald Grohs, der vor 35 Jahren im belgischen Zolder mit einem BMW 635 CSi das erste Rennen der DTM-Geschichte gewann.

Für das Team von R-Motorsport und ihrem Aston Martin Quartett werden die Rennen auf dem Norisring zur echten Herausforderung. Der Traditionskurs in Nürnberg gilt als einer der absoluten Höhepunkte jeder DTM-Saison. Dabei sorgt aber nicht nur die einzigartige Atmosphäre für ein besonderes Rennwochenende. Auch der Straßenkurs selbst stellt die Fahrer und Teams vor eine ganz besonders knifflige Aufgabe. Der Streckenverlauf mag mit seinen langen Geraden, den beiden Spitzkehren sowie seiner insgesamt geringen Kurvenanzahl simpel aussehen, aber die rund 47 Sekunden Rundenzeit haben es wahrlich in sich. Auf den Geraden erreichen die neuen DTM-Fahrzeuge voraussichtlich Geschwindigkeiten von mehr als 265 km/h. Die Durchschnittsgeschwindigkeit zwischen den Nürnberger Leitplanken und Mauern beträgt 185 km/h. Während die schnellste Kurve mit 102 km/h durchfahren wird, passieren die Piloten die Grundig-Haarnadelkurve mit gerade einmal 52 km/h. Beim Anbremsen der Grundig-Kehre sind die Fahrer auf einem Bremsweg von 175 Metern Belastungen von bis zu 2,5 G ausgesetzt. Auch aus strategischer Sicht stellt der Norisring eine besondere Herausforderung dar. So ist eine Zwei-Stopp-Strategie möglich, wenn auch nicht ganz optimal. Ein Fragezeichen schwebt noch über dem Reifenabbau, der aufgrund der neuen Turbo-Aggregate noch schwer vorherzusagen ist. Normalerweise liegt dieser auf dem Norisring jedoch eher auf der niedrigeren Seite. Die Fahrer verlieren bei einem Boxenstopp um die 40 Sekunden.

Die beiden DTM-Rennen starten am Samstag und am Sonntag jeweils um 13.30 Uhr. SAT.1 überträgt an beiden Tagen ab 13 Uhr live.

Fotos (c) Audi Communications Motorsport, BMW AG, R-Motorsport