F1 Österreich: Max im Glück!

Max Verstappen gewinnt auf seinem dank Honda-Power erstarktem Red Bull den Großen Preis von Österreich. Charles LeClerc muss sich auf den letzen Kilometern dem Holländer geschlagen geben. Valtteri Bottas fährt als einziger Silberpfeil auf den dritten Podiumsplatz. Doch Max musste nach der Zieldurchfahrt ein paar Stunden warten, bis die Offiziellen seinen Sieg wirklich bestätigten!

Max Verstappen hatte einen schlechten Start beim Großen Preis von Österreich am Sonntag, um seinen zweiten Sieg in Folge im Heimspiel von Aston Martin Red Bull Racing zu feiern. Trotz des schlechten Starts passierte der Niederländer schnell den McLaren von Lando Norris und Kimi Räikkönen im Sauber-Alfa, um hinter die Fahrer zu kommen, die um den Sieg kämpfen sollten. Verstappen ließ sich nicht einschüchtern und maß sich mit dem Weltmeistern Lewis Hamilton und Sebastian Vettel. Vettels Teamkollege Leclerc erwischte bei seiner zweiten Karriere-Pole einen perfekten Start und führte das Feld souverän in die erste Kurve. Bottas und Hamilton verbesserten sich jeweils um einen Rang und nahmen die Jagd auf Leclerc auf, der in Bahrain seine erste Pole eingefahren hatte und nur wegen eines Defekts seinen ersten Grand-Prix-Sieg Ende März verpasst hatte.

„Wir haben viel Zeit, Plätze gut zu machen“, hatte Ferrari-Teamchef Mattia Binotto über Vettels Perspektiven im neunten Saisonlauf gesagt. Mit der weichen Reifenmischung verfolgten der Hesse und sein monegassischer Stallrivale eine andere Strategie als Verstappen und Mercedes, dessen Duo mit der Medium-Variante an den Start gegangen war. 2018 waren beide Silberpfeile in Österreich nach Defekten sogar ausgefallen. Bottas kam in der 22. Runde als erster Topfahrer an die Box. Ferrari reagierte, holte Vettel rein – und patzte mal wieder folgenschwer. Die Reifen lagen noch nicht bereit, hektisch kamen die Crew-Mitglieder mit den Pneus herausgelaufen. Dabei verlor der Deutsche wertvolle Sekunden. Nach Scuderia-Angaben gab es ein Problem mit dem Funk bei den Mechanikern, weshalb sie die Ansage nicht hörten.

Eine Runde danach kam Leclerc in die Garage und erhielt bei einem reibungslosen Stopp die harten Pneus. „Gib Gas“, forderte der Mercedes-Kommandostand indes Hamilton auf. „Die Reifen sind gut“, gab der Engländer zurück und versuchte seinen Vorsprung als Führender auszubauen. Die Taktik ging aber nicht auf. Hamilton kam erst in der 31. Runde an die Box und musste sich auch noch eine ramponierte Silberpfeil-Front ersetzen lassen. Erst auf Platz fünf fuhr er wieder auf den Kurs zurück. Vettel dagegen lag trotz des Boxen-Blackouts auf Podiumskurs. Der 31-Jährige hatte im Kampf um Platz drei jedoch einen drängenden Verstappen im Nacken. Unter dem frenetischen Jubel der niederländischen Fans konnte Vettel in Runde 50 dem Youngster aber nicht mehr standhalten und fiel auf Platz vier zurück. Der Deutsche ließ sich bei einem zweiten Boxenstopp sofort frische Reifen aufziehen.

Vettel wollte unbedingt noch weiter nach vorne fahren, steckte aber hinter Hamilton fest. Der Führende Leclerc hingegen hatte Verstappen im Rückspiegel. Drei Runden vor Schluss parierte der Monegasse eine Attacke des Niederländers noch, einen Umlauf danach war Verstappen nach einem harten Rad-an-Rad-Duell doch vorbei. „Was zum Teufel soll das?“, schimpfte Leclerc über den Boxenfunk. Die Rennkommissare schalteten sich wegen des Überholmanövers ein. Vettel raste kurz vor dem Ende doch noch an Hamilton vorbei, attackierte sogar noch einmal Bottas, wurde dennoch nur Vierter.

Nach einer langen Konsultation einigten sich die Stewards schließlich darauf, dass sie „nicht der Ansicht waren, dass entweder der Fahrer ganz oder überwiegend für den Vorfall verantwortlich sei. Wir sind der Meinung, dass es sich um einen Rennunfall handelt!“ Eine durchaus nachvollziehbare Entscheidung, die ganz sicher anders ausgefallen wäre, hätte der Red Bull Ring noch die klassischen Kiesbetten. Doch durch die großzügig asphaltierte Auslaufzone waren die beiden Kontrahenten zu keiner Sekunde des Duells in irgendwelcher Gefahr!

Mercedes beendete die Hitzeschlacht immerhin noch mit einem Podiumsplatz für Valtteri Bottas. Der Finne war mit dem Ergebnis zufrieden. betrachtet man die Umstände: „Ich glaube, dass wir heute das Beste aus dem Rennen herausgeholt haben. Wir hatten von Anfang an mit einem kniffligen Rennen gerechnet, aber schlussendlich war es noch schwieriger, als wir vorhergesagt hatten. Wir mussten viel „Lift and Coast“ fahren und konnten nicht alle Motor-Modi verwenden, um den Motor vor dem Überhitzen zu bewahren. Dadurch konnten wir das Rennen nicht richtig bestreiten und ich musste für den Großteil des Grand Prix auf die Temperaturen achten. Deshalb fiel mir sowohl das Verteidigen als auch das Angreifen sehr schwer. Aber es gibt auch Positives zu vermerken: Ich nehme von diesem Wochenende eine gute Punkteausbeute mit und ich glaube, dass es mit Blick auf die Rennpace keinen allzu großen Unterschied gegeben hat. Es war also nicht alles schlecht. Jetzt werden wir uns die Sache genau ansehen und hoffentlich in Silverstone gestärkt zurückschlagen.

Lewis Hamilton kämpfte ebenfalls mit Überhitzungsproblemen an seinem Silberpfeil. „Damit hatte unser Auto an diesem Wochenende zu kämpfen und die anderen nicht so sehr. Entsprechend müssen wir das analysieren und versuchen, es zu lösen. Uns erwarten noch weitere heiße Rennen wie zum Beispiel in Budapest. Bis dahin müssen wir diese Probleme im Griff haben, ansonsten könnten uns ein paar schwierige Rennen ins Haus stehen. Ich habe mir leider auch den Frontflügel auf einem Kerb beschädigt. Deshalb mussten wir ihn wechseln, was mich zusätzlich Zeit gekostet hat. Es war einfach einer dieser Tage… aber am Ende konnte ich zumindest einige Punkte für Rang fünf mitnehmen“, sagte der Brite nach dem Rennen.

Alles in allem war der Österreich Grand Prix ein spannendes und unterhaltsames Rennen, das Gottseidank nicht von einer irren Stewardentscheidung torpediert wurde. Lasst die Kutscher einfach Rennen fahren, dann hat die Formel 1 wieder einen gewissen Unterhaltungswert!

Fotos (c) Daimler AG, Red Bull CP