F1 Frankreich: Perfekte Teamleistung!

Beim Großen Preis von Frankreich auf dem SciFi-Track von Paul Ricard holten sich die Silberpfeile mit einer perfekten Teamleistung den 50. Doppelsieg in der Teamgeschichte. Für Lewis Hamilton war es der 79. Sieg seiner Karriere. Sebastian Vettel erlebte in Frankreich den nächsten Tiefpunkt. Zwar holte der frisch verheiratete Heppenheimer den Bonuspunkt für die schnellste Runde, kam in der Gesamtwertung des Rennens nicht über Rang Fünf hinaus!

„Wir wollten hier eigentlich näher dran sein an Mercedes. Das haben wir nicht geschafft“, sagte Vettel: „Das Ergebnis ist in Ordnung, aber natürlich nicht unser Anspruch. Wäre ich weiter vorne losgefahren, wäre ich dort auch angekommen!“ Nur dafür hätte Vettel eine wesentlich bessere Quali-Leistung bringen müssen. Der Ferrari-Chefpilot ging vom siebten Startplatz ins Rennen und haderte mit seinem Schicksal. Teamkollege LeClerc startete von der dritten Position, unmittelbar hinter der Benz Doppelspitze Bottas und Polesitter Hamilton.

Titelverteidiger Hamilton holte sich in Le Castellet mit einer brillanten Fahrt seinen sechsten Sieg im achten Saisonrennen. Zudem fuhr er im 237. Rennen zum 200. Mal in die Punkte. „Es war ein wundervoller Tag hier in Südfrankreich, aber ich habe trotzdem ordentlich geschwitzt. Ich fahre schon seit langer Zeit Rennen, aber das wird einfach niemals langweilig. Es ist immer eine Herausforderung und ich liebe es, das Limit zu finden und diese Maschine zu bändigen. Auf dieser Strecke macht das Fahren im Rennen wahnsinnig viel Spaß und es gibt einige technisch sehr anspruchsvolle Abschnitte. Es mag von außen vielleicht einfach aussehen, aber das ist es überhaupt nicht – alles ist stets am Limit. Deshalb achtete ich bei jeder Gelegenheit auf die Reifen, den Motor und sparte Benzin. Ich hatte ziemlich große Blasen an meinen Vorderreifen, die mir etwas Sorgen bereiteten. Aber wir sind durchgekommen und das hätte ich nicht ohne dieses fantastische Team geschafft. Ich bin unheimlich stolz auf jeden Einzelnen und auch darauf, Teil dieser Mannschaft sein zu dürfen. Das war bislang unser bester Start in ein Jahr und das müssen wir genießen“, sagte Hamilton im Ziel.

Valtteri Bottas stellte als Zweiter den sechsten Doppelerfolg für Mercedes in diesem Jahr sicher, wirkt im WM-Rennen mit Hamilton allerdings chancenlos und analysierte sein Rennen mit den Worten: „Schlussendlich war es ein relativ ruhiges Rennen. Der Start war meine beste Chance, aber Lewis kam ebenfalls gut weg und damit war meine Gelegenheit dahin. Lewis war heute sehr schnell. Ich versuchte, mit ihm mitzuhalten, aber dann begannen meine Vorderreifen auseinanderzufallen – sowohl auf den Medium-Reifen als auch am Ende auf der harten Mischung. Gegen Rennende waren wir wegen der Blasenbildung besorgt, weshalb ich etwas zurückstecken musste. Es war definitiv noch etwas drin, aber wir wollten auf der sicheren Seite sein und es bis ins Ziel schaffen. Letztendlich hatte Lewis heute einen Pace-Vorteil und ging besser mit den Reifen um. Das muss ich mir ansehen und daraus lernen. Ich bin sehr stolz auf die Arbeit des Teams und ein weiterer Doppelsieg ist ein großartiges Ergebnis für uns!“

Durch seinen furiosen Start-Ziel-Sieg hat der britische Champion nun 187 Punkte auf dem Konto, 36 mehr als Bottas. „Er war heute sehr stark, sehr beständig. Aber er ist nicht unschlagbar, das weiß ich“, sagte der Finne. Vettel schnappte sich am Schluss zwar den Zusatzpunkt für die schnellste Rennrunde, liegt als WM-Dritter aber schon 76 Zähler zurück. Vor dem Hessen kamen auf dem Circuit Paul Ricard sein Teamkollege Charles Leclerc als Dritter und Max Verstappen im Red Bull ins Ziel.

Zwar klagte der fünfmalige Champion per Boxenfunk zwischenzeitlich über einen Defekt an seinem Sitz, doch auch das hielt Hamilton nicht davon ab, Bottas immer weiter zu enteilen. Einmal mehr fuhr der 34-Jährige völlig unbeeindruckt in seiner eigenen Liga. Dahinter kam Leclerc im zweiten Ferrari nicht näher an die dominanten Mercedes heran, hielt aber zumindest Verstappen weiter auf Abstand. Und Vettel? Auch nach dem recht späten Boxenstopp von Medium-Reifen auf die härtere Mischung in der 26. von 53 Runden kam er nicht an Verstappen vorbei – und verlor sogar weiter Zeit auf den 21-Jährigen. Hamilton kümmerten die Positionskämpfe dahinter wenig, auch mit neuen Reifen ließ er den Verfolgern keinerlei Chance. Nach etwas mehr als der Hälfte des Rennens konnte sich Vettels Dauerrivale Sekunde um Sekunde absetzen. Anschließend musste er nur noch verwalten.

In einem spannungsarmen Rennen bei sommerlichen Temperaturen von 27 Grad war das Podium für Vettel außer Reichweite. Zehn Runden vor Schluss funkte ihm sein Team ins Cockpit, dass er zumindest noch Plan F umsetzen solle. Er sollte sich noch die schnellste Rennrunde, die Fastest Lap, sichern. Dafür kam er einen Umlauf vor Schluss für einen zusätzlichen Reifenwechsel an die Box und wurde für diesen Mut belohnt.

Inwischen hat sich die Formel 1 zu einer reinen Mercedes Leistungsschau entwickelt. Selbst Teamchef Toto Wolff scheint das peinlich. Der Mercedes-Teamchef entschuldigte sich im Focus für die Langeweile. „Das tut mir leid. Wir wollen auch spannende Rennen!“ Bereits am kommenden Wochenende gastiert die Formel 1 in Österreich. Ob auf dem Red Bull Ring Ferrari die Wende im WM-Kampf einläuten kann, darf inzwischen in aller Ruhe bezweifelt werden!

Fotos (c) Daimler AG