WRC Sardinien: Von Glückspilzen!

Auf dem Schotter Sardiniens bewies die WRC erneut ihre grandiose Ausgeglichenheit. Während sich Citroen und Toyota mit ihrer Niederlage anfreunden mussten, triumphierten Hyundai und M-Sport Ford. Insbesondere Hyundai wurde belohnt, wenn auch nicht durch den Chefpiloten Thierry Neuville. Dani Sordo war der Gewinner und Glückspilz des Wochenendes und Andreas Mikkelsen komplettierte das Podium auf dem dritten Rang!

„Es ist ein beeindruckendes Gefühl, meinen ersten Sieg für Hyundai und den zweiten WRC-Sieg meiner Karriere zu holen“, sagte Dani Sordo in die versammelten Medienmikrofone. „Es tut mir für Ott und Toyota sehr leid, dass sie auf der Power Stage so ein Pech erleben mussten. Wir wussten, dass wir weiter Druck machen mussten, falls eine solche Situation eintreten würde. Ich kann es nur nicht glauben, dass es passierte. Wir waren das ganze Wochenende über schnell und konsistent, und jetzt haben wir diesen fantastischen Sieg als Belohnung! Andreas Mikkelsen und Copilot Anders Jaeger profitierten auch aus der Situation, nachdem sie auf beeindruckende Weise Elfyn Evans mit einer Serie von Etappensiegen auf den vierten Platz verdrängten. Das norwegische Hyundai-Duo kam auf den dritten ins Ziel und das zum zweiten Mal in dieser Saison. „Wir haben am abschließenden Vormittag noch einmal mächtig Gas gegeben, um den Abstand zu Elfyn zu verringern“, sagte Andreas. „Das Erreichen aller vier Etappensiege am Sonntag war ein fantastisches Gefühl. Wir wären mit dem vierten Platz zufrieden gewesen. Leider hatte Ott Probleme, womit uns ein Podiumsabschluss überreicht wurde – ein unerwarteter, aber sehr willkommener Bonus!“

Noch einmal zu den Pechvögeln. Zu denen gehörte auch ohne Zweifel Hyundai Chefpilot Thierry Neuville. Der Belgier und sein Copilot Nicolas Gilsoul erlebten ein Wochenende zum Vergessen. Schwierigkeiten bei der Reifenwahl am Freitag, dazu eine Fehlkalkulation im Aufschrieb, ließen sie bereits früh ins Hintertreffen geraten, aus dem sie sich nicht mehr befreien konnten. Zwar retteten sie drei zusätzliche Punkte aus der Power Stage, mussten sich aber mit dem sechsten Platz begnügen. „Nicht das Wochenende, das wir geplant hatten“, sagte Thierry. „Wir müssen es als eines jener Wochenenden abhaken und zusehen, uns für Finnland neu aufzustellen und zurückzuschlagen. Glückwunsch an Dani – ich freue mich sehr, dass er und Carlos ihren ersten Sieg für das Team sichern konnten! Mit dem Sardinien-Ergebnis konnte Hyundai die Führung in der Herstellerwertung weiter ausbauen. Thierry Neuville behält mit 143 Punkten den dritten Platz in der Fahrerwertung, drei hinter Sébastien Ogier und sieben hinter Ott Tänak, während noch sechs Veranstaltungen in der Saison ausstehen.

Mit Rang zwei bei der Sardinien-Rallye Italien hat Teemu Suninen am Steuer des Fiesta WRC von M-Sport Ford am Sonntag das beste Ergebnis seiner noch jungen WM-Karriere erzielt. Der 25-jährige Finne war erstmals mit dem erfahrenen Jarmo Lehtinen auf dem Beifahrersitz an den Start gegangen. Elfyn Evans und Copilot Scott Martin komplettieren das Ergebnis im zweiten World Rally Car als Viertplatzierte. Dem britischen Duo fehlte bei der Schotter-Rallye nach 19 Wertungsprüfungen weniger als eine Sekunde, um ebenfalls aufs Podium zu springen. „Der Ausflug nach Sardinien hat sich für uns gelohnt“, freut sich M-Sport-Teamchef Richard Millener. „Beide Ford Fiesta WRC haben Topergebnisse eingefahren. Wir haben in dieser Saison bereits Rallyes auf Schnee, Asphalt und Schotter angeführt und viele WM-Punkte gesammelt. In der Markenwertung konnten wir den Abstand zu Citroen weiter reduzieren, unsere Fahrer belegen in der WM-Tabelle die Positionen vier und fünf hinter den drei Titelfavoriten – das kann sich sehen lassen. Teemu Suninen hat eine sehr starke Vorstellung abgeliefert, die neue Zusammenarbeit mit Jarmo Lehtinen scheint sehr gut zu funktionieren. Am Freitag konnten sie ihre Schnelligkeit mit drei Bestzeiten unter Beweis stellen, danach sind sie taktisch klug und konstant flott weitergefahren. Sicher hätte er gerne Dani Sordo angegriffen, aber wir haben ihn angewiesen, lieber das Auto sicher ins Ziel zu bringen – wir wollten dieses Ergebnis auf den letzten Metern nicht riskieren. Rang zwei ist das beste Resultat seiner noch jungen Karriere, der nächste Schritt wird sicher nicht mehr lange auf sich warten lassen!“

„Zugleich ist es schade, dass Elfyn Evans der Sprung unter die ersten Drei um 0,9 Sekunden verwehrt geblieben ist – aber der von hinten nahende Andreas Mikkelsen hatte viel zu beweisen und griff entsprechend kompromisslos an“, so Millener. „Die Strecken der Rallye Italien sind sehr brutal zu den Fahrzeugen. Wer entsprechende Risiken eingeht, weil er nichts zu verlieren hat, kann im Umkehrschluss entsprechend viel Zeit aufholen. Wir hatten das größere Bild im Blick, Elfyn und Scott Martin sollten ihre Tabellenposition absichern, das war uns wichtiger. Zugleich möchte ich aber auch nicht vergessen, im Namen des ganzen Teams Ott Tänak und seinem Beifahrer unser Bedauern auszusprechen. Einen scheinbar sicheren Sieg nach einer wirklich überlegenen Darbietung so kurz vor dem Ziel zu verlieren, ist bitter!“

Eine großartige Leistung lieferte auch das Skoda-Team in der WRC2. Das finnische Skoda-Duo Kalle Rovanperä und Jonne Halttunen und ihre tschechischen Teamkollegen Jan Kopecky und Pavel Dresler erzielten mit ihren Skoda Fabia R5 evo einen Doppelsieg in der WRC 2 Pro-Kategorie. Auf den abschließenden vier Wertungsprüfungen des Sonntags lieferten die Werksfahrer eine fehlerfreie Fahrt ab und sicherten Skoda Motorsport den zweiten Doppelsieg der Saison 2019 in der WRC 2 Pro-Kategorie. Rovanperä feierte auf Sardinen außerdem einen lupenreinen Hattrick in der Kategorie, nachdem er bereits in Chile und Portugal gesiegt hatte. Der Schlusstag der Rallye Italien Sardinien brachte die endgültige Entscheidung auf den verbleibenden zwei Prüfungen nahe der Küste nördlich des Start- und Zielorts Alghero, die jeweils zwei Mal zu absolvieren waren. Obwohl die Landschaft an der sardischen Küste eine atemberaubende Sicht bot, hatten beide SKODA Werksteams keine Zeit, die Szenerie zu genießen. Komfortabel sowohl in der WRC 2 Pro-Kategorie als auch im ursprünglich 37 Autos starken Feld der R5-Fahrzeuge in Führung liegend, ging es für beide vor allem darum, das richtige Tempo zu finden, ohne Risiken einzugehen und zugleich nicht die Konzentration zu verlieren. Und genau das gelang Kalle Rovanperä/Jonne Halttunen und Jan Kopecky/Pavel Dresler.

„Das war eine der härtesten Rallyes, die ich je gefahren bin. Wir haben hier eine Menge über unseren Fahrstil, unseren Streckenaufschrieb und unser Auto gelernt. Vielen Dank an das Team, es hat eine großartige Arbeit geleistet“, sagte Rovanperä im Ziel der letzten Wertungsprüfung. Kopecky ergänzte: „Es ist einfach großartig – Gratulation und Dank an das Team, das uns wieder ein perfektes Rallye-Auto zur Verfügung gestellt hat!“

Fotos (c) Ford Werke GmbH, Hyundai Motorsport GmbH, Skoda Auto Deutschland