WRC Sardinien: Von Pechvögeln!

Der achte Lauf zur Rallye Weltmeisterschsft brachte zwei Erkenntnisse. Hyundai und Ford M-Sport feierten große Erfolge. Citroen und insbesondere Toyota gehen als Pechvögel in die Sommerpause. Toyota traf es auf der Insel besonders hart!

Den dritten Saisonsieg in der FIA Rallye-Weltmeisterschaft WRC verpasst das Toyota Gazoo Racing World Rally Team denkbar knapp: Bei der Rally Italia Sardegna standen nach einer sehr starken Performance über das gesamte Wochenende für Team-Pilot Ott Tänak die Zeichen klar auf Sieg, als in der allerletzten Etappe Probleme mit der Lenkung alle Träume zunichtemachten. In einem zermürbenden Schotter-Event belegte Tänak schließlich den fünften Platz, übernimmt aber dennoch die Führung in der WM-Gesamtwertung. Tänak und sein Beifahrer Martin Järveoja hatten im Toyota Yaris WRC am Rennsamstag das Feld dominiert und jede der sechs Wertungsprüfungen gewonnen. Mit einem Vorsprung von 25,9 Sekunden gingen die beiden in den Rennsonntag. Doch auf der nur 6,89 Kilometer langen Powerstage wartete schließlich das Fiasko: Die Lenkung an Tänaks Yaris machte Probleme, das Zeitpolster schmolz, dazu kam ein Dreher und Tänak fuhr nach einem sicher geglaubten Sieg lediglich als Fünfter über die Ziellinie.

Kris Meeke büßte durch einen Radwechsel am Samstag Zeit ein und beendet die Rallye mit einem achten Platz. Jari-Matti Latvala, der nach einem Ausfall am Eröffnungstag am Sonntag wieder im Rennen war, wurde Vierter in der Power Stage. „Dieses Finale war wirklich herzzerreißend. Ott und Martin haben alles daran gesetzt, uns wieder aufs Podium zu bringen. Ich war sprachlos, als ich sah, wie ihr Auto in der Powerstage plötzlich langsamer wurde“, sagte Akio Toyoda, Präsident der Toyota Motor Corporation und Chairman des Teams. „Normalerweise kommentiere ich nur unsere Siege, aber dieses Mal ist es mir ein besonderes Bedürfnis, meine Gefühle zum Ausdruck zu bringen. Otts Gesichtsausdruck nach dem Rennen werde ich so schnell nicht vergessen. Trotz seiner großen Enttäuschung umarmte er jeden einzelnen Mechaniker. Diese Szene hat mich sehr berührt. Für mich ist der Wagen 8 der Champion der Herzen!“ Und Akio Toyoda weiter: „Was ich tun kann ist, den Yaris zu einem noch besseren und zuverlässigeren Auto zu machen. Dieses Ziel werde ich gemeinsam mit Tommi mit allen Mitteln verwirklichen!“

Teamchef Tommi Mäkinen ergänzte: „Heute war einer der schwierigsten Momente für unser Team. Das ganze Wochenende über hatte das Auto eine so große Leistung und Zuverlässigkeit gezeigt. Und dann passierte in der Endphase plötzlich so etwas. Natürlich untersuchen wir, was das Problem verursacht hat. Es ist eine große Enttäuschung für alle und besonders schwierig für Ott und Martin. Sie führen zwar jetzt die Meisterschaft an, aber es wäre natürlich besser gewesen, mit einem Sieg in die Sommerpause zu gehen!“

Auch Citroen musste hart kämpfen und den Bedingungen auf der Mittelmeerinsel Tribut zollen. Obwohl die Chancen auf ein gutes Resultat bei der Rallye Sardinien, dem achten Lauf der FIA-Rallye-Weltmeisterschaft, sich nach dem ersten Tag bereits stark verschlechtert hatten, demonstrierten Sébastien Ogier und Julien Ingrassia bis zuletzt ihren Kampfgeist. Im Citroën C3 WRC erzielten sie auf der abschließenden Power Stage die zweitschnellste Zeit und sammelten vier wichtige Zusatzpunkte. Ihre Teamkollegen Esapekka Lappi und Janne Ferm zeigten auf den letzten beiden Etappen eine starke Leistung und beendeten die Rallye auf dem siebten Rang. Sébastien Ogier und Julien Ingrassia, die am ersten Rallyetag auf den technisch anspruchsvollen Wertungsprüfungen die Strecke eröffneten, touchierten auf der Innenseite einer Kurve einen Felsbrocken und mussten als Folge die erste Etappe vorzeitig beenden. Nachdem sie die Veranstaltung unter dem Rally-2-Reglement fortsetzten, konzentrierten sie sich darauf, auf der abschließenden Power Stage möglichst viele Zusatzpunkte zu sammeln. Das gelang den sechsfachen Rallye-Weltmeistern: Mit beeindruckendem Kampfgeist fuhren sie die viertschnellste Zeit und holten vier Bonuspunkte. Damit belegen sie mit vier Zählern Rückstand auf die Tabellenführer den zweiten Rang in der Fahrer-WM.

Auf Schotter ist die erste Etappe für den Ausgang der Rallye ausschlaggebend, da das Ergebnis die Startreihenfolge für den nächsten Tag bestimmt. Auf Sardinien bekamen dies Esapekka Lappi und Janne Ferm im zweiten Citroën C3 WRC schmerzlich zu spüren: Sie lagen am ersten Tag auf dem sechsten Platz, als sich ein Reifen löste und sie 40 Sekunden verloren. Die Finnen starteten eine Aufholjagd, fuhren eine Bestzeit auf WP5 und auf der darauffolgenden Prüfung die zweitschnellste Zeit, belegten jedoch nach einem Sensordefekt am Ende des ersten Tages nur den achten Platz. Trotz der nicht optimalen Startposition zeigten sie am zweiten Tag eine fehlerfreie Vorstellung und rückten auf Platz sieben vor. Sie verteidigten diese Position auf der letzten Etappe und konzentrierten sich darauf, ihr Heimspiel in Finnland in bestmöglicher Form zu beginnen.

Sébastien Ogier analysierte sein Wochenende so: „Manchmal hat man im Motorsport ein Wochenende, an dem die Dinge einfach nicht so laufen, wie man es sich wünscht. Und diese Rallye war eines davon. Wir werden uns auf die Zukunft konzentrieren. Als Erste auf der Strecke wäre ein fünfter Platz realistisch gewesen, meine Fehler haben uns also ein paar Punkte gekostet. Aber die Meisterschaft ist noch unglaublich eng. Wir werden versuchen, es in Finnland besser zu machen!“

Hyundai Motorsport und Ford M-Sport schwammen dagegen auf der Welle des Erfolges. Doch dazu in den nächsten Tagen mehr!

Ergebnis Rallye Sardinien
1. D. Sordo/C. del Barrio, Hyundai i20 Coupe WRC, 3:32.27,2 Std.
2. T. Suninen/J. Lehtinen, Ford Fiesta WRC, +13,7 Sek.
3. A. Mikkelsen/A. Jæger-Amland, Hyundai i20 Coupe WRC, +32,6 Sek.
4. E. Evans/S. Martin, Ford Fiesta WRC, +33,5 Sek.
5. O. Tänak/M. Järveoja, Toyota Yaris WRC, +1.30,1 Min.
6. T. Neuville/N. Gilsoul, Hyundai i20 Coupe WRC, +2.06,7 Min.
7. E. Lappi/J. Ferm, Citroën C3 WRC, +2.59,6 Min.
8. K. Meeke/S. Marshall, Toyota Yaris WRC, +4.40,1 Min.
9. K. Rovanperä/J. Halttunen, Škoda Fabia R5, +8.24,6 Min.
10. J. Kopecký/P. Dresler, Škoda Fabia R5, +8.49,2 Min.
42. S. Ogier/J. Ingrassia, Citroën C3 WRC, +1:22.58,5 Std.

WM-Stand Fahrerwertung
1. O. Tänak, 150 Punkte
2. S. Ogier, 146
3. T. Neuville, 143
4. E. Evans, 78
5. T. Suninen, 62
6. K. Meeke, 60
7. A. Mikkelsen, 56
8. D. Sordo, 52
9. E. Lappi, 40
10. J.-M. Latvala, 40

WM-Stand Herstellerwertung
1. Hyundai Shell Mobis WRT, 242 Punkte
2. Toyota Gazoo Racing WRT, 198
3. Citroën Total WRT, 170
4. M-Sport Ford WRT, 152

Nach der Rallye Sardinien werden sich die Teams der WRC in der Sommerpause auf die zweite Saisonhälfte vorbereiten. Beim nächsten Einsatz in Finnland vom 1. bis 4. August werden die Karten neu gemischt.

Fotos (c) Citroen Racing, Toyota Gazoo Racing WRT